Rote Fahne 22/2026
Frederic Schnatterer: „Freiheit für wen?“
Der linke Journalist und Lateinamerika-Kenner Frederic Schnatterer befasst sich in diesem Buch mit „Mileis Argentinien als Versuchslabor der Ultrarechten“:
Seit Dezember 2023 ist der 55-jährige Javier Milei argentinischer Präsident. Mit wilder Lockenmähne schwingt er eine Kettensäge, Seite an Seite mit dem wohl reichsten Mann der Welt, dem bekennenden Faschisten Elon Musk. Aber Milei ist nicht einfach „El Loco“, ein Verrückter, als den ihn bürgerliche Presseleute halb bewundernd, halb erschrocken darstellen. Lautstark zetert er als angeblicher „Outsider“ gegen „die Kaste“, gegen verhasste „Eliten“, die über Jahre mit galoppierender Inflation, Arbeitslosigkeit und Korruption das Volk ausplünderten und zu Recht jegliches Vertrauen verloren haben.
Aber Teile dieser „elitären Kaste“ und besonders die weltweit reichsten Tech-Milliardäre sowie die Bosse der Öl- und Bergbaukonzerne haben Milei in den Sattel gehoben. Sie haben ihm alle Spielräume in den sogenannten sozialen Medien mit angeblich unabhängigen Influencern gegeben, damit er mit atemberaubender Demagogie Mehrheiten bei Wahlen erreichen und dies sogar wiederholen konnte.
Mileis weltanschauliche Hintergründe
Das Buch von Frederic Schnatterer deckt nicht nur auf, wer hinter Milei steht, sondern auch welche weltanschaulichen Hintergründe und extrem reaktionären Wirtschaftswissenschaftler seinen Kurs markieren. Mit der Kettensäge alle sozialen Errungenschaften abzurasieren und als selbsternannter „Anarchokapitalst“ internationalen Übermonopolen Tür und Tor für die hemmungslose Ausplünderung von Mensch und Natur zu öffnen, dafür scheut er keine Lüge. Der Staat und alle Regulierungen für Naturschutz, Frauen-, LGBTQ- und Menschenrechte werden zurechtgestutzt. Aber Mileis angebliche „Staatsfeindschaft“ hat Grenzen. Ausgebaut werden Militär und Polizei sowie staatliche Überwachung gegen jeglichen Widerstand und ganz besonders gegen sozialistische oder gar kommunistische Zielsetzungen.
Die Programmatik und Politik dieses modernen Faschisten deckt der Autor auf, ohne ihn so zu bezeichnen.
Beeindruckender Widerstand
Beeindruckende Beispiele zeigt Schnatterer vom Widerstand der Rentnerinnen und Rentner, kämpferischer Frauen oder indigener Gemeinden, die sich der Umweltzerstörung unter anderem durch riesige Rechnerzentren entgegenstellen.
Das Buch zeigt keine gesellschaftliche, sozialistische Perspektive. Aber es zeigt Milei als modernen Demagogen, der mit einer spaltenden, extrem egoistischen Denkweise nicht zuletzt auch junge Menschen vergiftet und aufzustacheln versteht. Schon wegen dieser gut recherchierten Darstellung ist es sehr lesenswert.