Rote Fahne 22/2026
Die AfD kann die Bauhauskultur nicht auslöschen
Das Bauhaus ist Weltkulturerbe. Und besonders Sachsen-Anhalt ist stolz auf das Bauhaus Dessau. Die modernen Faschisten der AfD erklären die Ideen der Bauhausmeister zum „Irrweg der Moderne“, weil sie angeblich „traditionellen verankerten Vorstellungen von Wohn- und Lebensräumen“ widersprächen. Die Rote Fahne führte dazu ein Gespräch mit Professor Dr. Roland Günter:
Rote Fahne: Herr Professor, was zeichnet das Bauhaus aus als kulturelle Errungenschaft in Deutschland und weit darüber hinaus?
Professor Roland Günter: Im Bauhaus steckten von Anfang von 1919 an lange und tiefe Wurzeln. Bauhaus ist ein Höhepunkt der langen europäischen Kulturgeschichte. Das Bauhaus vereint alle Künste und Handwerke.
Nach dem Ersten Weltkrieg entstanden eine Fülle neuer Ideen für den Bau: Ästhetik mit neuen Materialien ebenso beim Möbeldesign. Und Einheit von Malerei, Farben, Skulptur, Licht und die Gestaltung der Landschaft, im Arbeiten und Wohnen, in einer bisher unbekannten Frische. Meister und Studierende verkehrten meist selbst freundschaftlich miteinander.
Das Bauhaus war ein Demokratie-Projekt. Das Wesen der Bauhauskultur ist, dass man beim Bau von Häusern, Einrichtungen und Gestaltung zunächst nicht vom Bau ausgeht, sondern vom Menschen. Damit ist das Bauhaus für mich die größte kulturelle Leistung des 20. Jahrhunderts und ihr größter kultureller Welterfolg aus Deutschland. Er strahlt heute noch als demokratische Errungenschaft.
Das hört sich ja sehr positiv an. Warum ereifern sich denn die AfD-Faschisten so gegen das Bauhaus?
Die AfD kämpft gegen das Bauhaus, das ist simpel ein Kampf gegen Windmühlen. Sie kämpft damit gegen eine Kultur, die lebendige, elegante, produktive und vor allem weltoffene Ergebnisse hervorgebracht hat. Nicht das Bauhaus ist ein Irrweg. Den Irrweg geht die AfD, wenn sie gegen dieses Projekt mit seiner Vielfalt, Phantasie, Transparenz, seinen demokratischen Strukturen ankämpft. Was ist die AfD-Alternative? Zurück zu den monumentalen Bauten des Dritten Reichs mit ihrem Pomp und leerem Pathos, der puren Angeberei, mit dem die Hitlerfaschisten ihre menschenverachtende Ideologie aufplusterten. Wir haben gesehen, wohin das geführt hat.
Nach der Errichtung der Hitler-Diktatur 1933 wurde das angeblich „undeutsche“ Bauhaus brutal geschlossen. Dutzende Studenten wurden verhaftet und etliche Bauhausmeister mussten in andere Länder fliehen. Das hat allerdings dann dazu geführt, dass diese Ideen in vielen Ländern aufgegriffen wurden, weil sie viele unvoreingenommene Menschen begeistern konnte. So steht die größte Bauhaussiedlung nicht hierzulande, sondern in Tel Aviv. Man kann sich vorstellen, dass das die AfD beträchtlich ärgert. Aber sie kann diese international verbreitete Kultur nicht mehr auslöschen – auch nicht in Deutschland.
Vielen Dank für das Gespräch