Rote Fahne 21/2026
„Stresstest S21“ oder: Wie unabhängig sind Gutachter?
Am 16. September ließ der „Staatsanzeiger – Wochenzeitung für Politik, Verwaltung und Wirtschaft“ aufhorchen:
„Stuttgart 21 ist um eine Kapriole reicher: Ein Gutachter hat den Stresstest für wertlos erklärt.“ Unter der Überschrift: „S21-Gutachter: Bahnhof zu klein?“ hatte die Tagesschau schon zwei Tage zuvor an die eigentliche Aufgabe des „Stresstests“ von 2011 erinnert: „Ein sogenannter Stresstest brachte 2011 etwas Beruhigung in den Streit um Stuttgart 21.“ Und das mit einem Gutachten des Schweizer Verkehrsberatungsunternehmens SMA, von dem sich der damalige SMA-Chef Werner Stohler inzwischen in einem Interview distanziert hat.
Wertlose Berechnungen
Darin bekennt Stohler, dass die Deutsche Bahn den Stresstest „primär selbst“ durchgeführt habe, seine Firma habe die Untersuchung lediglich „begleitet“. Und er gibt zu, dass die Kapazitätsberechnungen von 2011 für den neuen Tiefbahnhof wertlos seien. Die besondere Brisanz dabei: Das Gutachten war für die Projektpartner von S21 dann eine wichtige Grundlage dafür, den Bau fortzusetzen, und das trotz aller Warnungen der Projektgegner.¹ Sein eigentliches Interesse an diesem skandalösen Vorgehen verschwieg Stohler allerdings in seinem Interview. Es wurde jetzt vom früheren SMA-Geschäftsführer Giuliano Montanaro enthüllt: Die Deutsche Bahn sei damals für SMA ein wichtiger Kunde gewesen. Montanaros Zweifel am Zustandekommen des Gutachtens für den „Stresstest“ führten dann freilich zu dessen Entlassung. Er „sei nicht mehr der Richtige, die Firma zu führen“, entschied Stohler.²
Verantwortliche zur Rechenschaft ziehen
Eigentlich ist S21 nur ein gigantisches Immobilien-Spekulationsobjekt, koste es, was es wolle. Dazu Lenin bereits 1917 in seiner Schrift „Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus“: „Eine besonders gewinnbringende Transaktion des Finanzkapitals ist auch die Spekulation mit Grundstücken in der Umgebung schnell wachsender Großstädte.“ Besonders lukrativ für internationale Immobilienhaie scheint dabei das Gleisvorfeld des noch bestehenden oberirdischen Stuttgarter Kopfbahnhofs.
Die Hintergründe des „Stresstests“ von 2011 müssen restlos aufgeklärt werden, die Verantwortlichen müssen zur Rechenschaft gezogen werden! Der Stuttgarter Kopfbahnhof muss erhalten bleiben!