Rote Fahne 20/2026
Mehr als 175.000 an 280 Orten beteiligten sich – wichtiger Schritt zur Arbeiteroffensive: 21. September: Branchenweiter Kampf- und Streiktag der Autoarbeiter und Zulieferer
Das hat es in Deutschland so noch nicht gegeben! Am 21. September protestierten seit dem frühen Morgen Zehntausende Arbeiterinnen und Arbeiter sowie Angestellte der Automobilindustrie und der Zulieferbetriebe in über 280 Orten. Der IG-Metall-Aktionstag wurde tatsächlich ein kämpferischer branchenweiter Kampf- und Streiktag!
Weit über den Erwartungen der IG Metall von 100.000 beteiligten sich bis zum Nachmittag über 175.000. Bei den Aktionen wurde die entscheidende Mehrheit des Industrieproletariats aktiv und deutete an, welche Kraft sie darstellt, wenn sie entschlossen kämpft. Die gewerkschaftliche Kampfkraft wurde weit über das sonstige Maß hinaus entfaltet.
Die Kolleginnen und Kollegen waren ausgesprochen selbstbewusst und kämpferisch. Gewerkschaftliche Aktionen verbanden sich mit einer Vielzahl selbstständiger Initiativen. Es gab vielerorts ausdrücklich „offene Mikrofone“ zur demokratischen Aussprache. In Wolfsburg gab es einen großen Sternmarsch im Werk, bei Mercedes Düsseldorf oder VW Hannover und Zwickau auch Demonstrationen unter der Bevölkerung. Das stieß auf große Sympathie der arbeitenden Menschen!
Die Strömung in der Gewerkschaft wächst, die sie zur Kampforganisation macht und dabei auch den antikommunistischen Spaltpilz überwindet. Wo das gelang, stärkte das die Einheit der Arbeiter und die Kampfkraft. Die MLPD war meist (mit kleinen Ausnahmen) selbstverständlicher Bestandteil, oft gerne gesehen. Mancher Funktionär sprach empört gegen die Unvereinbarkeitsbeschlüsse gegen die MLPD in der IG Metall. „Die bräuchten wir für die AfD“, so eine Stimme.
Deutlich wurden der Wille, die Entschlossenheit und vielfältigste Initiativen, auf offensive Art zu kämpfen. An vielen Orten wurde bewusst gestreikt. Teils wurde zur Arbeit ausdrücklich eingestempelt, bei den Aktionen aber nicht ausgestempelt – so bei Mercedes in Düsseldorf. Oft waren Azubis aktiv dabei. Kundgebungen verbanden sich mit Demonstrationen bis hin zu kurzen Straßenblockaden als Formen des aktiven Widerstands.
Es gab eine Durchdringung von ökonomischen mit politischen Fragen. Die IG Metall hatte schon in ihrem Forderungskatalog die Angriffe auf die Rente oder den Acht-Stunden-Tag eingebracht. Vielfach diskutiert wurde zudem über die Kriegsgefahr, die Frage der Umwelt, die Zukunft der Jugend, den Sozialismus, unter einer kleineren Gruppe noch kontrovers der Kampf gegen Faschismus und AfD. Allgemein herrscht Empörung über die Regierung, Merz‘ überhebliches Kapitalistengehabe und die ganze bürgerliche Politik.
Dieser Kampftag in der Arbeitszeit durchbrach weit die üblichen Gepflogenheiten – weder ging es im engeren Sinne um Tariffragen noch fragte jemand, ob formale Friedenspflichten gelten würden. Allgemeine Stimmung war, dass die Zeit von Appellen vorbei ist. Die Klassenzusammenarbeitspolitik ist gescheitert, und immer mehr Arbeitern wird das bewusst. Immer öfter hört man Stimmen, wie Arbeiter auch bewusst mit der kleinbürgerlichen Denkweise fertig werden. Dass man zu lange auf die „Sozialpartnerschaft“ gehofft hat, man sich auch aus der Politik als Arbeiter nicht mehr raushalten kann und so weiter Der Streiktag richtete sich gegen die Generaloffensive der Monopole und der Regierung gegen die Arbeiterinnen und Arbeiter.
Zugleich zeigten sich auch noch Grenzen. Es gab keine größere selbständige Ausweitung, etwa zu unbefristeten Streiks, bis die Angriffe vom Tisch sind. Das ist aber der derzeitigen Situation angemessen. Dafür muss weiter trainiert werden und heute war dafür ein guter Auftakt. Vereinzelt wurden auch von IGM-Funktionären selbständige kämpferische Aktivitäten behindert, oft mit der Begründung, das könne man nicht verantworten und es drohten Repressionen. Ihnen sei gesagt:
1. Es haben heute so viele Arbeiter gestreikt, weil sie offensiv kämpfen wollen. An symbolischen Aktionen zum Dampfablassen haben aber auch sehr viele Kollegen Kritik. Gewerkschaften stärken sich, wenn sie Kampforganisationen sind. Faule Kompromisse oder mangelnde Entfaltung der vollen Kampfkraft schaden ihr. Wenn die MLPD die Ausweitung der Kampfmaßnahmen fördert, macht sie das also auch für die Stärkung der Gewerkschaften und damit die Arbeiter in die Offensive kommen.
2. Bei den wirklich kampfstarken Streiks wurde in den letzten Jahrzehnten kein Arbeiter bestraft, und wenn, würden sie sich mit der ganzen Arbeiterklasse und Bevölkerung anlegen. Risikobereitschaft gehört eben auch zum mutigen Kämpfen. Wirkungsvoll waren die Streiks wie 2004 bei Opel oder der Bergleute 1997, wo geschlossen, entschieden und mit großer Wirkung über mehrere Tage gestreikt wurde. Wirksam war auch der entschlossene Kampf der Bergleute von Doruk Mining in der Türkei: Nach Märschen, Polizeigewalt, Festnahmen und Tränengaseinsätzen demonstrierten sie mutig tagelang vor dem Ministerium in Ankara - und setzten sich durch.
Aus Stuttgart wurde berichtet: „Pünktlich um halb zwei begann eine sehr kämpferische Kundgebung von geschätzt über 5.000 Mercedes-Kolleginnen und -Kollegen vor dem Cannstatter Tor. Den Auftakt bildete ein organisierter Demozug von der Schleyerhalle zum Tor, an dem sich auch die MLPD mit Transparent und offenem Mikrofon selbstverständlich beteiligte. Der Unmut über den Generalangriff von Mercedes, insbesondere auf die 35-Stunden-Woche, ist riesig.“
Neu war, dass die Belegschaften der Autokonzerne – ob von Mercedes, VW, BMW, Opel oder Ford – mit den Kolleginnen und Kollegen der Zulieferindustrie – wie von ZF, Bosch, Schaeffler und vielen anderen – gemeinsam kämpften. Auch Solidaritätsdelegationen und Solidaritätsaktionen aus anderen Bereichen wie bei Thyssenkrupp in Duisburg oder Siemens in Stuttgart gehörten dazu. Statt Standortkonkurrenz wächst das Bewusstsein, zu einer Arbeiterklasse zu gehören. „In Werken getrennt, in der IG Metall vereint“ war eine sehr verbreitete Losung. Viele waren stolz, wenn ihre Abteilungen mit rauskamen und dass man mit so vielen Arbeitern anderer Standorte draußen war. Oft war ein optimistisches Klassengefühl vorherrschend.
In einem Bericht aus Sindelfingen war zu lesen: „20.000 Kolleginnen und Kollegen wurden von der Bühne begrüßt. Vor Tor 7 wurde demonstriert. Aus allen Werksteilen kamen Beschäftigte zusammen, auch aus der Entwicklung. Wir trafen auf viele Leiharbeiter. Die Stimmung war kämpferisch. „Der Tag war eine entschlossene Kampfansage an Konzerne und Regierung. So gab es tosenden Applaus, wenn auf die schmachvolle Niederlage der CDU bei der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern hingewiesen wurde. Die Arbeiter sind sehr politisiert!
Und es gab trotz vereinzelter antikommunistischer Attacken ein enges Verhältnis zur MLPD, wie man es so zuvor bei großen gewerkschaftlichen Aktionen noch nicht erlebt hat. MLPD-Vertreter sprachen viel beachtet an Gewerkschaftsmikrofonen. Die MLPD war auch die einzige Partei, die in ganz Deutschland an zahlreichen Standorten vor Ort war. In Düsseldorf war Gabi Fechtner, Vorsitzende der MLPD, bei der Kundgebung der Mercedes-Arbeiter und einer kämpferischen Arbeiterdemonstration aktiv dabei und konnte dort auch sprechen. Die Betriebsgruppen der MLPD haben diesen Tag seit Wochen mit ihrer positiven Gewerkschaftsarbeit aktiv vorbereitet und gefördert. Rote Fahne News, das Nachrichtenportal der MLPD, berichtete den ganzen Tag aus erster Hand.
In Chemnitz behinderten Werkschutz und Polizei das Fotografieren auf dem Gehweg. Vorstände drohten mit Abmahnungen. Es zeigte sich auch: Staat und Konzerne sind nervös und haben Angst vor Arbeiterkämpfen.
Internationale Solidarität traf bei der MLPD ein und wurde über Rote Fahne News sofort verbreitet – von Österreich über Argentinien bis Indien. Motto: „Kein Kampf darf mehr allein stehen!“ Ein wichtiges Signal der internationalen Arbeitersolidarität contra nationalistischer Spaltung, wie sie die faschistische AfD verbreitet.
Einen kulturvollen und kämpferischen Auftakt machten IG-Metallerinnen und IG-Metaller des VW-Motorenwerks in Chemnitz bereits am Samstagabend (s. Titelbild). Sie hatten sich nicht zufällig das Marx-Monument dafür ausgesucht – Kapitalismuskritik verbreitet sich zunehmend, und die Offenheit für den echten Sozialismus ist erheblich gewachsen.
Der Tag zeigte auch, dass es noch viel Klärungsbedarf gibt: Muss man die Interessen der deutschen Industrie schützen – oder gehen die Arbeiter konsequent von ihren Interessen als Arbeiterklasse aus? Wie organisiert man unbefristete gewerkschaftliche und selbstständige Streiks? Viele Hundert Gespräche führten Mitglieder und Freunde der MLPD vor und in den Betrieben. Überall vorgestellt und gezielt auch gekauft wurde das neue Buch „Die Lehre von der Denkweise“ von Stefan Engel, Monika Gärtner-Engel und Gabi Fechtner. Wie kriegt man mehr als drei unter einen Hut? Wie kann man Kollegen, die von der AfD beeinflusst sind, besser erreichen und sie für den gemeinsamen Kampf gewinnen? Welche Schlüsse sind aus dem sozialistischen Aufbau zu ziehen? Das interessierte, es sind alles Fragen, bei deren Klärung das Buch hilft. Die Bewusstseinsbildung muss weitergehen und sich mit dem Streik-Training durchdringen. Das wird die Arbeiteroffensive weiter vorbereiten.
Der Tag war ein machtvoller Auftakt für die Septemberkämpfe 2026. Jetzt gilt es, mit dem gewonnenen Schwung den 26. September, den DGB-Protesttag, zum Kampftag der Arbeiterklasse und der Volksmassen gegen die Ausbeutungsoffensive der Monopole und der Merz-/Klingbeil-Regierung zu machen.
Kampf der Ausbeutungsoffensive durch Monopole und Staat – Vorwärts zur Arbeiteroffensive!
Stärkt die Gewerkschaften als Kampforganisationen!
Kampf dem kapitalistischen Ausbeutersystem – Vorwärts zum echten Sozialismus!
Werdet Mitglied in der MLPD, besonders in ihren Betriebsgruppen!