Rote Fahne 20/2026

Rote Fahne 20/2026

Auf den Spuren des antifaschistischen Widerstands

Eindrücke von einer Urlaubsreise auf der griechischen Insel Kreta:

Von einem Korrespondenten aus Witten
Auf den Spuren des antifaschistischen Widerstands
Klare Botschaft: Israelische Soldaten, Kolonialisten, ihr seid nicht willkommen

Unseren erholsamen Urlaub mit Freunden auf Kreta und der beeindruckenden Landschaft nutzten wir auch, um etwas über das Leben und die Geschichte der Menschen auf der Insel zu erfahren.

 

Kreta ist stark durch Tourismus und Landwirtschaft geprägt. Doch hinter der Postkartenidylle verbergen sich soziale Gegensätze, politische Konflikte und eine lange Geschichte des Widerstands. Dieser Widerstandsgeist ist bis heute spürbar. Im Frühjahr und Sommer gab es in Chania breite Proteste gegen den Krieg und gegen den Völkermord in Gaza. Sie machten deutlich, dass die internationale Lage auch auf Kreta viele Menschen bewegt. Zugleich befindet sich im Nordwesten der Insel ein strategisch wichtiger NATO- beziehungsweise US-Militärstützpunkt. Die damit verbundene militaristische Präsenz prägt die Region spürbar.

Tourismus und soziale Ungleichheit

Der Tourismus bringt zwar Geld auf die Insel, doch davon profitieren die Beschäftigten häufig nur wenig. Wir erfuhren, dass im Hotel- und Gaststättengewerbe oft sogar weniger als der offizielle Mindestlohn von rund 930 Euro im Monat gezahlt wird. Gleichzeitig sind viele Lebensmittel deutlich teurer als in Deutschland. Für 250 Gramm Butter zahlt man beispielsweise etwa drei Euro. Besonders wohlhabende Menschen aus England, die sich zunehmend auf Kreta niederlassen, tragen nach Aussagen von Einheimischen dazu bei, dass Mieten, Grundstückspreise und Lebenshaltungskosten steigen. Der Unterschied zwischen Arm und Reich fällt in vielen Dörfern ins Auge.

Widerstand gegen die deutsche Besatzung

Besonders beschäftigt hat uns die Geschichte des Widerstands gegen die deutsche Besatzung im II. Weltkrieg. Sie begann mit dem deutschen Angriff auf Kreta im Mai 1941. Die faschistische Wehrmacht konnte den Widerstand der Bevölkerung jedoch zu keinem Zeitpunkt brechen. Eine große Stärke des antifaschistischen Widerstands lag in den vielen lokalen, in den Dörfern organisierten Partisanengruppen. Sie banden beträchtliche Teile der deutschen Truppen und schwächten sie damit auch an anderen Fronten. Die deutsche Besatzung reagierte mit faschistischem Terror gegen die Zivilbevölkerung. Über 8000 Menschen fielen auf Kreta den faschistischen Verbrechen zum Opfer. Ein besonders erschütterndes Beispiel ist Alikianós. Dort wurden am 1. August 1941 insgesamt 146 Männer und zwei Frauen ermordet. Ein Denkmal erinnert heute an dieses Verbrechen. Der Schriftsteller Nikos Kazantzakis schrieb über ein typisches faschistisches Massaker:


„Am 2. Juni 1941 exekutierten sie auf dem Kirchhof 42 Männer vor den Augen ihrer zum Zuschauen gezwungenen Frauen als Sühnemaßnahme für beim Angriff getötete Fallschirmjäger. Die Todgeweihten mussten eigenhändig ihre Gräber ausheben. Nachdem die Deutschen ihnen ihr Geld, ihre Ringe und Uhren abgenommen hatten, erschossen sie sie in Zehnergruppen, warfen ihnen jeweils – anstelle von Gnadenschüssen – noch eine Handgranate hinterher. Augenzeugen berichten, dass sich die auf die Erschossenen geworfene Erde noch von den Zuckungen der so Begrabenen bewegte.“

Der deutsche Soldatenfriedhof

Was wir vorher nicht wussten: In der Nähe von Chania gibt es einen deutschen Soldatenfriedhof, der von relativ vielen Touristinnen und Touristen besucht wird. Die dazugehörige Ausstellung verschweigt die Verbrechen der faschistischen Besatzung nicht. Im Gästebuch fanden wir viele Eintragungen im Sinne von: „Nie wieder ist jetzt.“ Die Abscheu über die deutschen Gräueltaten überwog deutlich. Umso wütender machte es uns, dort auch Sätze wie „Ehre der Wehrmacht“ lesen zu müssen. Wir selbst trugen uns mit einer klaren Forderung ins Gästebuch ein: „Für das Verbot der AfD und aller faschistischen Organisationen – für aktiven Widerstand gegen die faschistische Gefahr.“

Widerstand, Bürgerkrieg und Gegenwart

Der griechische Widerstand gegen die Faschisten wurde auf Kreta zunächst gemeinsam getragen – von der bürgerlich-monarchistischen EOK und von der viel größeren Nationalen Befreiungsfront (EAM, Ethniko Apelevtherotiko Metopo), 1941 von der Kommunistischen Partei (KKE) zusammen mit kleineren Parteien gegründet. Als im Sommer 1944 der Abzug der deutschen Truppen begann, kollaborierten Teile der EOK mit den Faschisten, um mit deutschen Waffen den Kampf gegen die kommunistisch geführte EAM aufzunehmen. Der folgende Bürgerkrieg dauerte bis 1949 und endete auch auf Kreta mit der Niederlage der linken Kräfte. Die Insel trägt damit nicht nur die Erinnerung an den Kampf gegen die deutsche Besatzung in sich, sondern auch an die blutigen Konflikte der Nachkriegszeit um die gesellschaftliche Perspektive.


Unser Urlaub auf Kreta war deshalb mehr als Erholung. Wir haben eine wunderschöne Insel erlebt, aber auch eine Gesellschaft kennengelernt, in der die Geschichte der Besatzung, die sozialen Gegensätze der Gegenwart und der Widerstand gegen Krieg und Faschismus eng miteinander verbunden sind.