Rote Fahne 02/2026

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Ein Operngenuss erster Güte: „Die Hochzeit des Figaro“ von Wolfgang Amadeus Mozart

Es ist Tradition, dass wir einmal im Jahr und zwar an den Weihnachtstagen eine Oper aus der Zeit der Aufklärung besuchen. „Die Hochzeit des Figaro“ von Mozart, die er zusammen mit seinem Dichterkollegen Lorenzo Da Ponte erarbeitet hat, gehört in diese Zeit. Sie richtet sich gegen den Feudalismus.

Von einem Korrespondenten aus Witten
Ein Operngenuss erster Güte: „Die Hochzeit des Figaro“ von Wolfgang Amadeus Mozart
Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791): genialer Musiker und Komponist mit rebellischen Werken (grafik: Dreamstime /73726179)

Der Text der Oper beruht auf der französischen Komödie mit gleichem Titel. Der ins Deutsche übersetzte Text dieses Theaterstücks war nicht nur in Österreich verboten. Er galt als Verhöhnung des Adels und Offenlegung dessen feudalen Machtmissbrauchs. Das galt im 18. Jahrhundert als subversiv. Mozart verfasste diese Oper genau in diesem Sinne – als ein Beitrag zur Veränderung dieser Verhältnisse.

Affront gegen Adel

Die Oper präsentiert eine kritische, aber komödiantisch verpackte Verachtung gegenüber Standesdünkel und Willkürherrschaft der Feudalherren. Sie agiert mit bürgerlichen und aufklärerischen Werten von Freiheit und Gleichheit. Dazu wird das Spannungsverhältnis zwischen dem Grafen Almaviva und seinem Diener Figaro thematisiert.

 

Der Diener ist seinem Herrn intellektuell überlegen. Verstand und Charakter haben nichts mit Geburtsprivilegien zu tun. Die Primitivität dieser Privilegien wird genüsslich vorgeführt. Gegen die patriarchalen Besitzansprüche auf Ehe und Sexualität stellt die Oper den Anspruch auf partnerschaftliche Treue mit gegenseitigem Respekt in der Ehe. Die Sympathie liegt klar bei den Dienern und Untergebenen. Das war in der damaligen Zeit eine echte Provokation gegen den Adel.

 

Dass der österreichische Kaiser Joseph II. dennoch der Uraufführung von „Die Hochzeit des Figaro“ am 1. Mai 1786 im Burgtheater in Wien zustimmte, hatte wohl zwei Gründe. Er verstand sich als aufgeklärter Absolutist und förderte die Aufhebung von Privilegien wie dem „Recht der ersten Nacht“, das auch in der Oper Thema ist. In dem Sinne wollte er sich als Reformer präsentieren. Zudem hatte sich der Dichter Da Ponte die Argumentation zurechtgelegt, die Oper sei ja auf italienisch gesungen und das Publikum würde das nicht verstehen. Die politisch aufklärerische Wirkung der Oper war für den Kaiser damit wohl unter Kontrolle. Das war jedoch ein Irrtum, nicht nur weil der deutsche Text kursierte.

Musikalischer Hochgenuss

Die Musik, in die Mozart seine Botschaft verpackt hat, ergriff uns voll und ganz. Die Sängerinnen und Sänger der Oper Dortmund haben uns sehr beeindruckt. Dreieinhalb Stunden vergingen wie im Flug. Dem Regisseur Vincent Boussard ist es gut gelungen, uns diese Oper „durch Mozarts Augen“ näherzubringen.