Rote Fahne 18/2026
„Zentrum“: Was bleibt von der Kritik am Vorstand von Mercedes?
Die AfD-Betriebsorganisation „Zentrum“ hat vor kurzem vor den Mercedes-Werken in Stuttgart-Untertürkheim und Sindelfingen ihre Zeitung „Kompass“ verteilt. Darin kritisieren die Betriebsräte Benjamin Teupe (Sindelfingen) und Oliver Hilburger (Stuttgart-Untertürkheim) scheinheilig die Pläne des Mercedes-Vorstands:
Der Artikel von „Zentrum“-Chef Oliver Hilburger ist überschrieben: „Wir zahlen nicht für eure Krise!“ Diese Losung kennt man bisher eher von linken Publikationen. Angesichts der weitgehenden Angriffe des Mercedes-Vorstands sieht sich Hilburger offenbar zu solcher Scheinkritik gezwungen. Bisher hat er nur die IG Metall, aber nie die Kapitalseite attackiert. Beide Autoren lehnen die Forderungen des Vorstands mit der Begründung ab, „Schuld hat nicht die Belegschaft“. Und: „Es gibt keinen Millimeter Spielraum für weiteren Verzicht“. Die teilweise Übernahme kämpferischer gewerkschaftlicher Losungen und Argumente folgt ganz der demagogischen Methode der modernen Faschisten, mit der sie ihren wahren Charakter verbergen. Es ist vor allem eine Reaktion auf das gewachsene Klassenbewusstsein.
Gewerkschaftsfeinde bleiben Gewerkschaftsfeinde
Doch Hilburger schafft den Dreh. Verantwortlich für die von Mercedes angekündigten Lohnkürzungen und Arbeitszeitverlängerung sind für ihn „Fehler bei den Konzernführungen, der Politik und … auch der Gewerkschaftsspitze in Frankfurt“. So wird der Konzern doch wieder aus der Schusslinie genommen. Es waren ja nur Management-“Fehler“. Dass nicht nur Mercedes, sondern alle Automobilkonzerne eine gnadenlose Ausbeutungsoffensive starten, um im internationalen Konkurrenzkampf die Nase vorn zu haben, blendet Hilburger bewusst aus. Und damit auch den Kapitalismus und seine Gesetzmäßigkeiten als tiefere Ursache.
Mit dem nebulösen Begriff „Politik“ lenkt Hilburger davon ab, dass die Regierungen eben Politik im Interesse der Monopole betreiben. Und indem er die „Gewerkschaftsspitze“ in einem Atemzug mit der Konzernführung nennt, ohne vor allem das Co-Management zu kritisieren, landet er wieder bei seiner gewerkschaftsfeindlichen Stimmungsmache.
Auf die „Ansprache“ kommt‘s an
Was Hilburger und Teupe an Stelle des reformistischen Co-Managements vorschwebt, ist ihre faschistische Variante einer völkischen Klassenzusammenarbeit. Originalton Teupe: „Ich rate dem Vorstand dringend, die Ansprache zu ändern, und sich vielleicht einen hochbezahlten Coach für gelingende und motivierende Unternehmenskommunikation ins Haus zu holen.“ Da haben wir‘s: Nichts gegen Lohnkürzungen und Arbeitszeitverlängerung - nur erklärt werden müssen sie den Arbeiterinnen und Arbeitern vernünftig! Auf solche Schein-Gewerkschafter können die Mercedes-Belegschaften wahrlich verzichten!