Rote Fahne 18/2026

Rote Fahne 18/2026

Berichte aus den Automobilbelegschaften

Die Rote Fahne Redaktion erreichten die folgenden Berichte:

Von Korrespondenten aus Berlin und Bremen
Berichte aus den Automobilbelegschaften
Fließbandarbeit ließ die Produktivität explodieren – das galt schon 1913 beim Ford Model T

Tesla/Grünheide: „Wir sind jetzt schon am Limit“

Vor ein paar Wochen verkündete unser Werksleiter André Thierig, dass wir ab Oktober 50 Prozent mehr Autos produzieren sollen, das sind wöchentlich 7500. Eigentlich eine gute Meldung, bedeutet das doch zusätzliche Arbeit. Doch die Begeisterung blieb mir und meinen Kolleginnen und Kollegen im Hals stecken, als wir erfuhren, dass das Personal nur um 20 Prozent aufgestockt werden soll. Wir sind jetzt schon am Limit unserer Belastbarkeit. Manche bekommen regelrecht Panik: „Wie soll ich das schaffen?“ Während vorher eine Kollegin beziehungsweise ein Kollege rein rechnerisch fünf Autos in der Woche produzierte, sollen es ab Oktober 6,25 Autos sein. Das ist eine Steigerung der Ausbeutung um 25 Prozent. Und zwar ausschließlich durch Steigerung der Arbeitshetze, indem die Taktzeiten fast halbiert werden sollen! Hat sich Elon Musk 2024 schon 200000 Euro von jeder Kollegin und jedem Kollegen als Profit unentgeltlich angeeignet, sieht der neue Produktionsplan eine Steigerung auf 300000 Euro vor. Selbst Ingenieure haben Zweifel, ob die Stückzahl technisch überhaupt zu verwirklichen ist. Entscheidend aber wird sein, ob die Belegschaft da mitmacht.

Mercedes Bremen: „Die zwei Wochen Urlaub kannste schon wieder vergessen“

Beim Umkleiden regt sich mein Spindnachbar auf. „Die zwei Wochen Urlaub kannste schon wieder vergessen. Die Arbeit bei der Hitze ist mörderisch. Ich wette, die Leute in Berlin, die das Renteneintrittsalter erhöhen wollen, die würden keine zwei Stunden durchhalten. Und so was nennt sich Volksvertreter. Aus gesundheitlichen Gründen müsste das Band langsamer laufen oder es müsste mehrere längere Pausen geben. Die drei mal fünf Minuten Extrapause werden höchstens einmal die Woche zugestanden. Und dann nicht mal wegen der Hitze, sondern weil Leute fehlen. Dazu kommt, dass wir nach den Ferien neue Leiharbeiter bekommen haben. Das heißt, 25 Prozent unserer Arbeitsplätze sind mit Leiharbeitern belegt. Die müssen gleich voll ran. Das schaffen viele nicht und bleiben gleich wieder zuhause.“ Das kann ich bestätigen! Auch gut die Hälfte der Ferienarbeiter meldet sich krankheitsbedingt vorzeitig ab, weil sie die Arbeit nicht schaffen!


Ich habe ausgerechnet, was eine Arbeitszeitverlängerung ohne Lohnausgleich bei unseren Schichtlängen von sieben bis 7,5 Stunden bedeuten würde: Bei sieben Stunden jedes Jahr 100 Stunden Minus auf das Freischichtkonto oder 14 Samstage „umsonst“ kommen. Bei 7,25 Stunden: Streichung der acht Freischichten im Jahr und sieben Samstage „umsonst“ kommen. Bei 7,5 Stunden: Streichung der 14 Freischichten pro Jahr. Zu den geplanten realen Lohnkürzungen würde unser Stundenlohn rechnerisch um rund 13 Prozent gekürzt. Das können wir uns auf keinen Fall bieten lassen!