Rote Fahne 17/2026
Lehrstellenangebot in NRW auf „historischem Tiefstand“
In Nordrhein-Westfalen meldeten Betriebe bis Ende Juli an die Agentur für Arbeit 89.661 betriebliche Ausbildungsplätze. Das waren 7.543 weniger als 2025:
„Ein historischer Tiefstand“, so Roland Schüßler, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Nordrhein-Westfalen der Bundesagentur für Arbeit. Dieser Zahl stehen 101.774 junge Menschen gegenüber, die auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz sind. Dass es trotz des Überhangs an Bewerberinnen und Bewerbern noch 34.227 unbesetzte Stellen gibt, bezeichnet man als „Passungsproblem“. Eine beschönigende Umschreibung für die Tatsache, dass viele ausbildende Betriebe, trotz Nachfrage nach Ausbildung, keine „geeigneten Bewerber“ fänden. Defizite in mentaler Leistungsfähigkeit oder Sozialkompetenzen sind oft genannte „Gründe“. Doch anstatt den suchenden Jugendlichen eine Perspektive zu eröffnen und sie zu fördern und zu erziehen, zieht man es lieber vor, noch mehr aus der bisherigen Belegschaft auszupressen, um im kapitalistischen Konkurrenzkampf zu bestehen.
Freie Berufswahl – ein frommer Wunsch
Das im Grundgesetz proklamierte „Recht auf freie Berufswahl“ bleibt für Tausende von Jugendlichen eine Lebenslüge. Viele schlagen sich mit vom Staat geförderten Praktika oder Berufsbildungsmaßnahmen durch, bis sie eventuell ihren Wunschausbildungsberuf bekommen oder zu Niedriglöhnen arbeiten. Alarmierend: 2025 verließen 64.000 junge Menschen die Schule ohne Abschluss. Ein Anstieg um ein Drittel binnen drei Jahren. Die Hauptursache dieser Bildungsmisere ist das kapitalistische Ausbeutersystem. Die Großbetriebe picken sich die Rosinen unter den Bewerbern heraus. Eine Reservearmee an weniger qualifizierten jungen Leuten dient als ständiges Druckmittel. Nicht wenige sehen mitunter eine Perspektive in der Bundeswehr oder in der Rüstungsindustrie¹. Die MLPD fordert seit Jahrzehnten, dass Großbetriebe 10 Prozent ihrer Belegschaftsstärke an Ausbildungsplätzen schaffen.
„Mitbestimmung durch Streik“gilt auch für die Jugend
Der gemeinsame Kampf von Jung und Alt für die Zukunft der Jugend ist wichtiger Bestandteil der Bewegung „Mitbestimmung durch Streik“.
Schluss mit der kapitalistischen Verwertungslogik, die für kurzfristige Rendite die Zukunft ganzer Generationen verbaut! Wem nützt heute ein Ausbildungsplatz in der sogenannten Rüstungsindustrie, wenn morgen damit ein Dritter Weltkrieg begonnen wird, für den die Jugend eingezogen würde?