Rote Fahne 17/2026
21. September: Gewerkschaftlicher Streiktag aller Autoarbeiter und Arbeiter in Zulieferbetrieben
Die IG Metall ruft im Aktivistenportal bundesweit auf: „Sparprogramme, Stellenabbau, Werkschließungen. Der Angriff auf die Beschäftigung an den deutschen Automobilstandorten und bei den Zulieferern ist beispiellos! Jetzt reicht’s! Am 21. September machen wir gemeinsam Druck beim bundesweiten Aktionstag"¹ Ein gemeinsamer Streik aller Arbeiterinnen und Arbeiter in der Automobilbranche – bei Herstellern und Zulieferbetrieben – das gab es so noch nie in Deutschland. Ein branchenweiter Generalstreik setzt die Konzerne und die Regierung unter Druck! Daraus kann der nächste mächtige Schritt werden, um gegen den Generalangriff von Monopolen und Staat in die Offensive zu kommen. Mit einem solchen Streiktag können die Automobilarbeiter gemeinsam kämpfen, statt vereinzelt erpresst zu werden, ihre Kampfkraft zeigen, ihr Selbstvertrauen stärken und ihre Erfahrungen austauschen.
Bei einer Pausenversammlung im VW-Werk in Wolfsburg meinte ein Kollege: „Wir müssten doch in allen Werken was machen.“ (Mehr auf Seite 24/25) So wie er fordern das immer mehr Automobilarbeiter. Bis zu 120.000 Arbeitsplätze will VW vernichten, Porsche 9.000, BMW 8.000 und Opel 650. Bei Ford steht das Kölner Werk schon seit längerem auf der Kippe. Wie bei Mercedes wird überall die Ausbeutungsschraube angezogen – auch durch Lohnkürzungen, Arbeitszeitverlängerung und vieles mehr.
Noch dramatischer sieht es bei Zulieferkonzernen wie Bosch, ZF, Schaeffler, SKF oder Mahle aus. Drastisch betroffen sind auch die mittleren oder kleinen Zulieferbetriebe, ohne dass das große Schlagzeilen macht. Viele Werke werden geschlossen, ganze Regionen bluten aus. Nach dem Kahlschlag im Bergbau und in der Stahlindustrie traf das Saarland im letzten Jahr auch noch die Schließung des Ford-Werks in Saarlouis mit zeitweise bis zu 6.000 Beschäftigten. Jetzt ist das ZF-Werk in Saarbrücken dran. Nach den Leiharbeitern will der Vorstand 800 befristet Beschäftigte entlassen. Das hinterlässt „verbrannte Erde“ für viele Arbeiterfamilien, Kommunen und Gewerbetreibende.
Deshalb ist es genau richtig, wenn alle Arbeiterinnen und Arbeiter in der ganzen Autobranche gemeinsam kämpfen. Gewerkschaftliche Aktions- und Kampftage für einzelne Konzerne der Autoindustrie gab es schon öfter. So zuletzt am 3. Juli bei Mercedes, am 29.7.2025 bei ZF oder am 21.11.2024 bei VW. Alle Arbeiter von Hersteller- und Zulieferbetrieben gemeinsam – das ist etwas Neues und wird Maßstäbe setzen. 720.000 Beschäftigte gibt es in der Automobilbranche – davon 447.000 bei den Herstellern und rund 275.000 bei den klassischen Zulieferern. Sie sind eine gewaltige Kraft, wenn sie vereint kämpfen.
Ein solcher Streiktag ist auch die offensive Antwort auf die Erpressungsversuche der Autokonzerne durch das Ausspielen der Belegschaften untereinander. Er wird ein machtvolles Signal senden an die Arbeiterinnen und Arbeiter anderer Branchen sowie an die gesamte Bevölkerung. Wer uns provoziert, wird Sturm ernten! Wir sind es, die die Werte schaffen! Wir sind die Arbeiterklasse! Wie schon bei der „Ruhrpott-Rebellion“: „Sie sagen: zu faul, zu krank, zu alt, zu teuer. Wir sagen: Ohne die ‚Faulen, Kranken, Halbzeit- und Pyjama-Beschäftigten, Freizeit-Manager und Berufs-Faulenzer‘ - ohne uns steht alles still.“
Das kommt genau richtig in einer Zeit, in der die Unzufriedenheit mit der Regierung so groß ist wie nie und die Suche nach einer gesellschaftlichen Alternative wächst. In einer Zeit, in der auch international die Augen vieler Menschen auf die Arbeiter in der deutschen Autoindustrie gerichtet sind: Wie werden sie auf die beispiellosen Angriffe der Konzerne antworten? Ein gemeinsamer Streiktag wird den Übergang zur Arbeiteroffensive beflügeln und die Bereitschaft, gegebenenfalls mit selbständigen Streiks die Konzernpläne zu durchkreuzen. Dahinter gibt es kein Zurück mehr!
Intelligente Lösungen“?
Manche hoffen noch, dass doch nicht so heiß gegessen wie gekocht wird. Auf was läuft es aber raus, wenn VW-Chef Oliver Blume jetzt von „intelligenteren Lösungen“ als Werksschließungen fabuliert? Er meint damit unter anderem den Verkauf von Werken an chinesische Autokonzerne, dass in China entwickelte Modelle in deutschen Werken produziert werden oder den Umstieg auf Rüstungsproduktion. Blums „intelligentere Lösungen“ bedeuten nichts anderes, als dass VW sich aus diesen Werken zurückzieht, massenhaft Arbeitsplätze vernichtet und die Beschäftigten zu drastischen Verschlechterungen erpresst. Sie ändern nichts daran, dass alle Autokonzerne spekulativ gewaltige Überkapazitäten aufgebaut haben. Damit könnten weltweit 25 bis 35 Millionen Autos zusätzlich pro Jahr gebaut werden, ein Drittel mehr als 2024 real hergestellt wurde. Ursache für diesen Irrsinn ist die kapitalistische Konkurrenz. Jeder Konzern baut so viele Fabriken, als könne er selbst den Weltmarktanteil maximal ausdehnen. Jetzt drückt besonders die chinesische Konkurrenz auf die Monopolpreise und die Profitrate. Hinzu kommt, dass infolge der Umstellung auf Elektroantriebe 40 Prozent weniger Material und Arbeitszeit gebraucht werden. Statt deshalb die Arbeitszeit bei vollem Lohnausgleich zu verkürzen, kennen die Kapitalisten nur: Vernichtung des überschüssigen Kapitals, Werksschließungen und Entlassungen (mehr ab Seite 16).
Auch die Produktion für den Krieg kann für die Arbeiterklasse kein Ausweg zum Erhalt ihrer Arbeitsplätze sein. Mit der Vorbereitung eines neuen Weltkriegs wollen die imperialistischen Mächte – auch im Interesse der Autokonzerne – die Neuaufteilung ihrer Einflussgebiete gewaltsam lösen. Das hat die Menschheit schon zweimal ins Desaster geführt. Ein atomarer Dritter Weltkrieg wird zu ihrem Untergang führen! Das kann nur im länderübergreifenden Widerstand verhindert werden.
Die Rechnung mit Monopolen und Regierung aufmachen!
Die Merz/Klingbeil-Regierung ist zu Recht angezählt. Ob sie die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September übersteht oder schon vorher zerbricht, steht in den Sternen. Wenn die Arbeiterbewegung mit einem Streiktag am 21. September machtvoll auf die Tribüne tritt, zeigt das die wirkliche gesellschaftliche Gegenkraft sowohl gegen die volksfeindliche Regierung als auch gegen die faschistische AfD. Es geht darum, die Rechnung mit der ganzen arbeiter- und volksfeindlichen Politik der Herrschenden aufzumachen. Dazu braucht es klare Forderungen gegen den Generalangriff von Staat und Monopolen, gegen die faschistische Gefahr und die imperialistische Kriegsvorbereitung: Kampf um jeden Arbeitsplatz! Für die 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich! Gegen die Ausbeutung durch Monopole und Staat – vorwärts zur Arbeiteroffensive! Nein zu Rüstungsproduktion – Kriegsvorbereitung ist keine Alternative! Sofortiges Verbot der AfD! Dazu passt auch die breite Massenmobilisierung gegen die Regierung beim darauffolgenden DGB-Aktionstag am 26. September.
Symbolische Aktionen oder richtig streiken?
Bei der Mobilisierung und Vorbereitung kommt es auf die selbständige Initiative aller Gewerkschaftsmitglieder an. In Pausenversammlungen, bei Treffen der gewerkschaftlichen Vertrauensleute und Delegiertenversammlungen gilt es, Resolutionen und Beschlüsse zu fassen: Für einen ganztägigen Streiktag, statt nur früher Schluss zu machen oder nach Feierabend in die Stadt zu ziehen. Das gilt es jetzt vorzubereiten: Von Anfang an die Produktion stilllegen und die Tore dichtmachen, gemeinsam in die Innenstädte ziehen, sich breit an die Bevölkerung wenden, sich verbrüdern, kennenlernen und gegenseitig austauschen. Dazu sollten unbedingt verschiedenste Rednerinnen und Redner aus den Betrieben zu Wort kommen. Dabei sein müssen auch Delegationen von anderen Gewerkschaften sowie sozialen Bewegungen. Die Kontakte zu Automobilarbeitern aus anderen Ländern Europas sollten genutzt werden, damit sie sich am 21. September beteiligen.
Aber darf die IG Metall überhaupt zu einem Streik aufrufen, der sich nicht auf Tariffragen bezieht? Die Monopole sollen es nur wagen, unsere IG Metall deshalb anzugreifen. Sie werden sehen: Wer Wind säht, wird Sturm ernten! Wenn es darauf ankommt, müssen sich die Arbeiterinnen und Arbeiter das Streikrecht nehmen. Und zugleich den politischen Kampf für ein allseitiges und vollständiges gesetzliches Streikrecht aufnehmen, wie es die MLPD und viele andere kämpferische Gewerkschafter seit Jahren fordern. Auch weil es immer wichtiger wird, gegen die Regierung, die akute faschistische Gefahr und die eines Weltkriegs in den Streik zu treten. Für die volle Entfaltung der gewerkschaftlichen Kampfkraft am 21. September! Bei jeder weiteren Provokation: Selbständiger Streik! Wir bringen die Konzernpläne zu Fall! Die MLPD wird sich entschlossen dafür einsetzen.