Rote Fahne 15/2026
Warmlaufen für die Arbeiteroffensive
2007: Der einfache Bundestagsabgeordnete Friedrich Merz schreibt ein Buch „Mehr Kapitalismus wagen“. Er meint darin: „Die Deutschen sollten den Kapitalismus verstehen, damit er gerettet werden kann.“ 2026: Friedrich Merz ist der unbeliebteste Bundeskanzler aller Zeiten. Seine Regierung rüstet auf wie nie und will bei Rente, Pflege und Gesundheit kürzen. VW will vier Werke schließen und 100 000 Arbeitsplätze vernichten, abgesprochen mit dem Kanzler. Die Menschen sind brennend unzufrieden. Die Rote Fahne sagt: „Wir müssen den Kapitalismus verstehen, damit die Menschheit vor ihm gerettet werden kann!“:
Kollegen bei Audi in Neckarsulm schüttelten lange den Kopf: „Unser Werk ist modern und gut ausgelastet. Das schließen die nicht.“ Autos bauen und verkaufen – fertig. Aber VW-Chef Oliver Blume will Neckarsulm und auch die mit Milliarden auf E-Mobilität umgebauten Werke in Emden und Zwickau unbedingt schließen. Er sagt: „Mit unseren Produkten … verdienen wir … nicht genug Geld.“ Dabei hat VW 2025 6,9 Milliarden Euro Reingewinn gemacht. Aber: Gewinn an sich reicht nicht. Monopolpreise durchzusetzen, erfordert eine beherrschende Stellung auf dem Weltmarkt. Es geht also weder um die Menschen noch darum, ob ein einzelnes Werk sinnvoll ist und Profite abwirft.
Alte Autokonzerne wie VW kämpfen heute mit vielen neuen aus China, Indien oder Südkorea um den Weltmarkt. Jeder baut Kapazitäten auf, um größere Marktanteile zu erobern. Damit hält die Kaufkraft der Massen auf der Welt nicht mit, im Gegenteil, sie geht zurück. Das Ergebnis ist eine ruinöse gegenseitige Vernichtungsschlacht. VW verlor Marktanteile an chinesische Hersteller. Der Börsenkurs sinkt, die Ratingagentur Moody‘s stufte die Kreditwürdigkeit von VW herab. Geld leihen wird für VW teurer. Investoren beginnen, VW zu meiden. Ein Negativkreislauf. VW-Chef Oliver Blume will die Rendite von aktuell 2,8 auf 9 Prozent steigern.¹ Sechs VW-Vorstände sehen bereits die Existenz von VW in Gefahr. Weltmarktbeherrschende Stellung oder Untergang – das ist die absurde Realität im heutigen Kapitalismus.
Kampfbegriff „Wettbewerbsfähigkeit“
Die Deutschen seien viel krank, sagt Kanzler Merz. Die Belegschaft arbeitet zu wenig, meint auch Mercedes und fordert fünf Stunden mehr die Woche für das gleiche Geld. Alle predigen sie „Wettbewerbsfähigkeit“. Dabei hat kein Arbeiter auch nur irgendwas dabei zu gewinnen. BYD und andere chinesische Hersteller führen den „Wettbewerb“ gerade an. Gut für die Arbeiter in China? Wohl kaum! Sie schuften sechs Tage die Woche jeweils zwölf Stunden, verdienen rund 400 Euro im Monat. Ihre Jobs und Löhne sind trotzdem nicht sicher. BYD drosselt die Produktion in China, sitzt auf 340 000 unverkauften Autos. Im Werk in Xi‘an traten die Arbeiter am 5. Februar gegen eine drastische Kürzung von Stücklohnprämien in den Streik. Dieser „Wettbewerb“ geht darum, wer seine Belegschaften am effektivsten ausbeutet, die meisten staatlichen Subventionen abgreift und am rücksichtslosesten die Umwelt zerstört. Kommt der eine durch, wird der nächste die Schrauben anziehen. Schluss mit dieser Spirale nach unten! Wir müssen die ganze Logik ablehnen und mit den Kollegen in China und auf der ganzen Welt zusammen kämpfen.
Wachsender Reichtum, wachsende Armut
Während der Reichtum in der Gesellschaft wächst, nimmt die Armut immer mehr zu. 320 Milliarden Euro flossen 2025 an direkten staatlichen Subventionen an die Konzerne und Banken.² 2,47 Billionen Euro wurden 2025 weltweit für die Kriegsvorbereitung ausgegeben. Mehr als doppelt so viel als noch vor 25 Jahren. Deutschland steht dabei inzwischen auf dem Platz vier. Es steigerte seine Ausgaben allein in einem Jahr um 24 Prozent auf 97 Milliarden Euro.³ Hunderte Milliarden werden in den nächsten Jahren folgen. Die Bundeswehr soll stärkste Armee in Europa werden. Alles wegen Putin? Russland kann schon die Ukraine kaum besiegen, wie soll es da einen Krieg mit der NATO anzetteln? Alle Imperialisten rüsten zum Weltkrieg, um ihre Konkurrenz in letzter Konsequenz militärisch auszutragen. Sie fördern faschistische Parteien, weil eine offene Diktatur, ohne demokratische Gepflogenheiten und Arbeiterrechte, maximale „Wettbewerbsfähigkeit“ verspricht.
Profit sogar mit Schulen
Die Schulen in Deutschland sind marode, die Toiletten kaputt, der Putz kommt von den Wänden. In der Hitzewelle wurden viele Gebäude zum Brutkasten. Oft fehlt sogar Geld, um eine Tür zu reparieren. 68 Milliarden Euro Investitionsstau! Am 23. Juni berichtet die Frankfurter Rundschau: „Milliarden-Markt Schule: Warum Investoren jetzt auf Bildungsimmobilien setzen.“ Auch wenn sie stets jammern – den Kapitalisten fehlt es nicht an Geld. Sie ersticken daran, wissen nicht, wohin damit. Sie halten „fieberhaft Ausschau nach neuen Anlagemöglichkeiten für ihr überschüssiges Kapital“⁴. Der neueste Dreh: Schulgebäude kaufen, renovieren und an Länder und Kommunen zurückvermieten. Die Investoren schwärmen von „planbaren Einnahmen“ und „langfristigen Mietverträgen über 30 Jahre“. Bahn, Post, Wohnungsbau, Krankenhäuser, Bildungswesen – alles wird privatisiert. Wie ein Krebsgeschwür frisst sich die Profitlogik des Kapitalismus in alle Lebensbereiche.
Staat und Monopole gehören zusammen
Die AfD wettert bei allem nur gegen die Regierung oder den Staat überhaupt. Dabei fällt auf, dass sie die Monopole selbst nie ins Visier nehmen. Im Gegenteil: Alice Weidel beklagt die zu hohen „Arbeitskosten“ bei VW. Also runter mit den Löhnen und weg mit den Arbeitsplätzen! So stimmt die AfD in den Chor der Steigerer der „Wettbewerbsfähigkeit“ ein. Als aggressivste Vertreterin des Kapitals steht sie bereit, dessen System mit offenem Terror gegen die Arbeiterbewegung zu verteidigen. Dafür wird sie dann auch ihre modern faschistische Verkleidung fallen lassen.
„Die Errungenschaften und Erfolge der Arbeiterbewegung seit 1848 sind nicht vom Himmel gefallen – sie wurden erkämpft“, stand im Aufruf zur „Ruhrpott-Rebellion“. Warum also für einen „Sozialstaat“ eintreten, den es im Kapitalismus nie gab? Damit die Arbeiterbewegung in die Offensive kommt, muss sie mit solchen Illusionen fertig werden. Die Monopole haben sich heute den Staatsapparat vollständig untergeordnet, sind mit seinen Organen verschmolzen und haben ihre Alleinherrschaft über die ganze Gesellschaft errichtet.
Sozialismus nächster Schritt vorwärts
Gerechtigkeit kann es im Kapitalismus niemals geben. Dafür braucht es ein anderes System. Die Kapitalismuskritik wächst, aber Kritik allein reicht nicht.
Die Funktionsweise des Kapitalismus zu verstehen, heißt auch zu verstehen, dass der Sozialismus in seinem Schoß vorbereitet wird. Rein rechnerisch erwirtschaftet jeder VW-Beschäftigte in Deutschland 482 500 Euro Umsatz im Jahr. Weit mehr als er oder sie an Löhnen ausbezahlt bekommt. Ein Autoarbeiter braucht heute gerade mal fünf Minuten, dann hat er den Gegenwert seines Stundenlohns geschaffen. Den in den restlichen 55 Minuten geschaffenen Neuwert sackt sich der Kapitalist als Mehrwert ein. Die gewaltig gestiegene Arbeitsproduktivität ermöglicht es allen Menschen, in Wohlstand zu leben. Die Menschheit kann vor dem Untergang in der globalen Umweltkatastrophe gerettet und imperialistische Kriege können beendet werden, wenn wir die Ursache im kapitalistischen Profitstreben überwinden.
Nur die MLPD als revolutionäre Arbeiterpartei sagt klar: Das ganze Ausbeutersystem Kapitalismus muss weg! Sie hat aber auch einen durchdachten Plan für eine sozialistische Zukunft. Dazu gehören gründliche Lehren aus den Errungenschaften, Fehlern und Niederlagen der früheren sozialistischen Länder. Vor allem muss sie entschieden stärker werden. Werdet selbst Mitglied in der MLPD und ihrem Jugendverband REBELL!