Rote Fahne 14/2026
Reaktionen auf die ungeheuren Angriffe bei VW und Mercedes-Benz
Die Rote Fahne Redaktion dokumentiert Reaktionen auf die ungeheuren Angriffe bei VW und Mercedes-Benz:
VW Zwickau:
Die Ankündigung Blumes zur Vernichtung von rund 100 000 Arbeitsplätzen und Schließung von vier Werken haben wir erst während unserer Betriebsversammlung über Handy-Nachrichten erfahren. Es entstand Unruhe. Der Betriebsratsvorsitzende ging im Schlussstatement auf die Artikel im Manager Magazin ein: „Wieder so eine Schweinerei, wieder Verunsicherung usw. – wenn das stimmt, werden wir uns hier mit allem wehren, was wir können“ (Applaus) Hinterher diskutierten wir untereinander. Da gab es die unterschiedlichsten Reaktionen: „Wir trauen keinem mehr, die verarschen uns!“ „Alles zu spät, das ist schon abgekartet.“ Werksstilllegungen sind aber kein unabwendbarer „Schicksalsschlag“, gegen die man nichts machen kann. „Was machen wir jetzt, die IG Metall muss endlich aus der Deckung kommen, wir müssen sofort was machen.“ Wer ist denn die IG Metall? Das sind doch wir, nicht nur der Vorstand. Wir haben doch gar keine andere Wahl, als jetzt selbst aktiv zu werden. Zur Organisierung wirksamer gewerkschaftlicher Aktivitäten. Vor allem aber werden wir uns auf einen selbständigen Streik vorbereiten müssen. Und zwar gemeinsam, alle Standorte zusammen! Dazu machten Kollegen verschiedene Vorschläge wie: Zusammenkunft mit Vertrauensleuten aller Standorte einfordern, aber auch selber organisieren, Aktionstag an allen Standorten einfordern und angehen, sich auf Kämpfe einstellen und – wir brauchen einen langen Atem.
Mercedes-Benz Stuttgart:
Am 26.Juni wurde der Belegschaft per 30 Minuten Videobotschaft die neue „Produktivitätsoffensive“ des Vorstands vorgestellt. Nicht zeitgleich, aber es ging rum wie ein Lauffeuer. Die Reaktion der Kollegen war sehr verärgert. Man hat schon etwas in die Richtung erwartet, aber es herrscht großer Unmut. Ola Källenius¹ ist gar nicht gut angekommen.
VW Wolfsburg:
Aufruf der Gruppe der Internationalen Automobilarbeiterkoordinierung Wolfsburg/Braunschweig an alle Bereiche und Abteilungen im Werk Wolfsburg:
Macht Pausenversammlungen! Kein Auto verlässt das Werk, bis die Kahlschlagspläne des Vorstandes vom Tisch sind.
Für die 30 Stunden woche bei vollem Lohnausgleich! Für ausreichende Hitzeschutzmaßnahmen! (gestern waren 35°C in einer Halle)
Stimmt darüber ab und verbreitet das auf allen Kanälen in den Werken und in allen Bereichen!
Setzt am Montag überall Pausenversammlungen fort!
Stimmen von Kolleginnen/Kollegen aus Kassel und Braunschweig
Vertrauensmann Kassel: Ich bin 45 Jahre Arbeiter, habe schon einige Krisen bei VW überstanden. So schlecht, wie die Performance des Unternehmens ist, die Gier derer, die viel haben, war noch nie so krass wie die letzten Jahre. Was wir allein für den Erhalt unserer Arbeitsplätze hergegeben haben um nun, direkt vor den nächsten Lohnverhandlungen, wer weiß was erneut hinzunehmen. Vor zwei Jahren haben wir schon so viel geschluckt und sind über den Tisch gezogen worden. Die Belegschaft war bereit. Jetzt mit dem, was der Staat ausgeheckt hat, hätte das ganze Land einige Tage komplett stillstehen müssen, um denen, die so viel Vermögen haben, weh zu tun.
Vertrauensmann Kassel
Ich glaube, das ist erst der Anfang mit den 100 000 Stellen, die gestrichen werden sollen. Da werden wir uns auf was gefasst machen müssen …
Vertrauensmann Braunschweig
Niemand will Kolleginnen und Kollegen in arbeitsrechtlich riskante Situationen bringen. Das wäre falsch und würde am Ende denen helfen, die uns angreifbar machen wollen. Gleichzeitig kann die Antwort auch nicht sein, jetzt einfach abzuwarten … Wir brauchen einen Weg, der Druck aufbaut, aber die Kolleginnen und Kollegen schützt. Keine wilden Aktionen, kein Schweigen, keine Spaltung. Klare Information, klare Haltung und ein gemeinsames Vorgehen.
Dokumentiert:
Vorwärtsgang extra, Nr. 2/26
„Beispielloser Angriff! Jetzt gilt: Kein Auto, kein Getriebe, keine Achse verlässt die Werke! Streik!
… Wir haben viele Trümpfe in der Hand: In 2024 haben wir trainiert, standortweit und konzernübergreifend zu kämpfen. Wir haben die Grenze gewerkschaftlicher, tarifvertraglicher Kämpfe kennengelernt und am eigenen Leib erfahren, wie mickrig unser Streikrecht in Deutschland ist. Wir haben begonnen, Widerstandskomitees und Solidaritätskreise aufzubauen, Streikversammlungen mit Abstimmung durchzuführen, die gewerkschaftliche Struktur für weitere Kämpfe weiter aufgebaut. Dass gewerkschaftliche und selbständige Kämpfe zusammenkommen, ist jetzt Trumpf!“