Rote Fahne 14/2026
Deniz Undav – gefeiert und gehasst
Deniz Undav hat ohne Zweifel mit seinen Toren einen großen Anteil daran, dass die deutsche Mannschaft bei der Fußball-Weltmeisterschaft bereits nach zwei Spielen die nächste Runde erreichte.¹ Der gefeierte Stürmer des VfB Stuttgart ist in den Schlagzeilen in Deutschland. Da gerät fast völlig aus den Augen, dass dem in Niedersachsen geborenen Undav auch massiver Hass entgegenschlägt:
Deniz bekennt sich zu seinen kurdisch-jesidischen Wurzeln. Die Heimatregion der Jesiden (oder Yeziden) liegt vor allem in der Türkei, Syrien und im Irak und sie werden seit langem verfolgt. Sie gehören zu einer alten religiösen Minderheit der Kurden. Sie wurden 2014 Opfer eines Genozids im Nordirak durch den faschistischen Islamischen Staat (IS). Dieser hat tausende Jesiden ermordet, versklavt oder vertrieben. Und auch in der Türkei leiden jesidische Familien unter Diskriminierung, weshalb viele nach Deutschland flohen – so auch Deniz‘ Großvater.
Während eines Europa-League-Spiels des VfB Stuttgart im Oktober 2025 bei Fenerbahce Istanbul wurde Deniz Undav massiv rassistisch beleidigt. Auf Videos sind Sprechchöre wie „Verräter“ und „Terrorist“ aus dem Publikum zu hören und Fans, die auf obszöne Weise auch Undavs Mutter beleidigen. Im Internet sieht man türkische Nationalflaggen und ein Wolf-Emoji der faschistischen „Grauen Wölfe“.
Üble Hetzkampagne gegen Undav
Von einem „neuen Höhepunkt“ einer Hetzkampagne gegen den 29-Jährigen schrieb unter anderen die Informationsstelle Antikurdischer Rassismus (IAKR). Undav sei demnach „seit Monaten gezielten rassistischen und ethnisch motivierten Anfeindungen ausgesetzt – insbesondere aus Teilen der türkischen Community und Fangemeinschaft“.²
Aber Deniz lässt sich nicht einschüchtern: Nach seinem Tor bei der WM 2026 gegen Curaçao begann er einen traditionellen kurdischen Halay bzw. Govend-Tanz, dem sich auch Antonio Rüdiger anschloss – ein Zeichen der Solidarität des dunkelhäutigen Real-Madrid-Stars. Eine Solidarität, die man allerdings schmerzlich von der UEFA und der FIFA vermisst.
UEFA und FIFA ducken sich weg
„No to racism“ heißt die schöne Kampagne, die die UEFA seit 15 Jahren durchführt mit dem Ziel, Diskriminierungen rund um das schöne Spiel den Kampf anzusagen. Aber nicht nur die faschistischen Beleidigungen gegenüber Deniz werden von UEFA und FIFA einfach ignoriert.
Weder im Bericht von Schiedsrichter Jakob Kehlet noch in den Ausführungen des Matchdelegierten sind die Vorfälle erwähnt, was eine Verfolgung des Themas unmöglich mache, heißt es. Dabei kann man alles im Internet verfolgen!
Die UEFA und die FIFA erwarten von den Spielern und den Zuschauern, dass sie den Fußball als „unpolitisch“ sehen sollen. Wenn sie aber selbst nicht gegen faschistische Beleidigungen vorgehen, dann ist das keineswegs unpolitisch, sondern sie lassen solchen Äußerungen und Handlungen Spielraum.