Rote Fahne 14/2026

Rote Fahne 14/2026

Ab 8. Juli Mitbestimmung durch Streik!

In der letzten Woche platzte mit der Ankündigung im Manager-Magazin offiziell die Bombe: Der VW Vorstand will weltweit 100 000 seiner knapp 675 000 Arbeitsplätze vernichten und mindestens vier Werke in Deutschland schließen. Dazu würden mindestens noch rund 500 000 mittelbar und unmittelbar abhängige Arbeitsplätze etwa in der ­Zulieferindustrie kommen, mit dramatischen Folgen für die Lebenslage in ganzen Städten und Regionen. Weitere Autokonzerne verkündigen ebenfalls Angriffe auf die Belegschaften wie Mercedes und schon seit längerem Ford, Stellantis oder der Zulieferer Bosch:

Von gp
Ab 8. Juli Mitbestimmung durch Streik!
Guter Trainingslauf: Der konzernweite gewerkschaftliche Streik von Hunderttausend VW-Arbeitern 2024 (Wolfsburg, 21. November 2024)

Die Bombe war von langer Hand vorbereitet worden. Zwei Beraterfirmen, McKinsey und Boston Consulting Group, hatten im Jahr 2025 im Auftrag von VW Vorarbeit geleistet.

Rückfall in der zwischenimperialis­tischen Vernichtungsschlacht

Ein Übermonopol wie VW, Toyota oder BYD muss heute eine weltmarktbeherrschende Stellung einnehmen. Nur dann nämlich kann es Monopolpreise diktieren, um den ökonomisch notwendigen Maximalprofit zu erzielen. In der weltweiten Vernichtungsschlacht ist VW voll beteiligt, ist aber wie auch Mercedes Benz und BMW bezüglich der Inlandsproduktion insbesondere gegenüber der chinesischen Konkurrenz zurückgefallen. Diese hat bei der Aufholjagd voll auf die E-Mobilität und Digitalisierung gesetzt. VW profitiert zwar durch verschiedene Beteiligungen selbst davon, ist zugleich in Zugzwang geraten. Sechs von neun Vorstandsmitgliedern bei VW äußerten Mitte Juni, der Konzern sei in seiner Existenz gefährdet. Die Existenz eines Konzerns im imperialistischen Weltsystem hat aus monopolistischer Sicht nur Sinn und Zweck wenn Maximalprofite zu erzielen sind. Bereiche in denen man dabei der Konkurrenz unterliegt, werden, in der Vernichtungsschlacht zwischen imperialistischen Ländern und internationalen Monopolen gnadenlos abgestoßen. Mit dieser Logik wurde schon der Steinkohlebergbau in Deutschland geschlossen oder plant ThyssenKrupp sein Stahlgeschäft abzustoßen. Schon ziehen erste Großaktionäre von VW ihr Kapital ab und investieren es in chinesische Autokonzerne oder die lukrativere Rüstungsindustrie, der staatlich subventioniert die Dollarzeichen in den Augen blinken.


Es sind Gesetzmäßigkeiten des Kapitalismus, die diese Situation herbeigerufen haben, weshalb er auch ins Visier genommen werden muss! Davon lenken Forderungen bürgerlicher Politiker oder auch mancher reformistischer Gewerkschaftsführer nach einem besseren Management ab oder sie folgen gar der Profitlogik, dass deutsche Konzerne „konkurrenzfähig“ gemacht werden sollen. Man kann die Vernichtung der Arbeitsplätze nicht mit der gleichen Logik und Denkweise abwenden, mit der sie verursacht wurde!

 

Der ökonomische und politische Druck zwingen den VW-Vorstand nun dazu, den Tarifabschluss von 2024 nach nur etwas mehr als einem Jahr wieder aufzukündigen. Er wurde Ende 2024 nur mühsam zusammengezimmert, um eine Ausweitung der sich damals entwickelnden Streiks von hunderttausend VW-Arbeitern, die konzernweit gewerkschaftlich streikten, zu verhindern.

Streik als Mitbestimmung

Jetzt ist nicht die Zeit von Illusionen in die längst gescheiterte Mitbestimmung. Die neue Form der Mitbestimmung ist der Streik, die Kampfkraft der organisierten Arbeiterklasse in die Waagschale zu werfen. Der 8. Juli ist ein guter Tag, um deutlich zu machen, welchen Preis der VW-Vorstand zahlen muss, wenn am 9. Juli mit der Aufsichtsratssitzung die Angriffe auf die Belegschaft besiegelt werden sollen. Dann heißt es: Konzernweit, branchenübergreifend und international zu streiken!

Kein Problem von VW allein

Die Ankündigung des Mercedes-Benz-Vorstandes mit der Forderung nach Rückkehr zur 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich und gleichzeitiger Prämienstreichung, was schon im Juli Lohnverluste von 18 Prozent hervorrufen wird, von Stellantis, die Schließung von fünf Werken in Europa zu prüfen usw. zeigen, dass VW nur der Vorreiter eines viel umfassenderen Angriffs auf die Automobilarbeiter in Europa ist. Und nicht nur die deutsche Belegschaft wird angegriffen. Dreist und frech soll nun zum Beispiel die Produktion des Porsche Cayenne von Bratislava/Slowakei nach Dresden verlagert werden – aber nur, wenn die Dresdner Belegschaft sich auf das Lohnniveau von Bratislava drücken lässt! Eine gnadenlose Spirale nach unten für die Arbeiter und ihre Familien.

Die Zeit der Ruhe ist vorbei

Für die Herrschenden ist das aber auch ein Spiel mit dem Feuer. Denn diese Angriffe auf die Industriearbeiterschaft kommen mitten in einer Situation eines vorrevolutionären Gärungsprozesses, in einem beispiellosen Loslösungsprozes der breiten Massen von den bürgerlichen Parteien und der Regierung. Gerade beginnen Kämpfe gegen die Angriffe der Regierung auf erkämpfte soziale Errungenschaften. Die Gewerkschaften verweigern der Regierung offen die Gefolgschaft bei Rente, Sozialversicherung, Arbeitszeit (8-Stunden-Tag). Im Ruhrgebiet und inzwischen ganz NRW rufen IG Metall und andere Gewerkschaften in immer mehr Städten unter der Losung „Ruhrpott-Rebellion“ zu Kundgebungen und Demonstrationen auf. Aktivposten ist dabei auch die Arbeiterjugend im Bündnis mit verschiedenen fortschrittlichen und revolutionären Jugendverbänden. Die Umstellung auf Kriegswirtschaft stößt auf Widerstand. Gegen die akute faschistische Gefahr einer AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt werden mit zehntausenden Gesprächen Massenproteste in Erfurt vorbereitet. Die nun angekündigten Massenentlassungen, Werksschließungen und offener Lohnraub sind der bisherige Höhepunkt dieser Entwicklung.


Das Klassenbewusstsein muss nun systematisch in allen seinen Seiten gefestigt, die Klassenselbstständigkeit gestärkt und Organisiertheit erheblich ausgebaut werden. Denn eines ist klar, harte Klassenkämpfe wird und kann die Gewerkschaftsführung nicht führen. Die Gewerkschaft muss von der Basis zur Kampforganisation gemacht, aber zugleich die revolutionäre Arbeiterpartei MLPD und insbesondere ihre Betriebsgruppen gestärkt werden.

Konzernspitze kriminalisiert Arbeitersolidarität

Die Konzernführungen fürchten sich davor, dass sich diese einzige Menschheitsperspektive in und mit einer Arbeiteroffensive stärkt und durchsetzt. Eine neue Qualität, dies zu unterdrücken, geschah jüngst am 29. Juni vor Audi Neckarsulm. Gegen sieben Verteiler einer Kollegenzeitung und bekannte Repräsentantinnen der MLPD setzte die VW/Audi-Geschäftsleitung Polizei ein. Die Solidarität mit der VW/Audi-Belegschaft wurde brutal unterdrückt. Die sieben wurden in Handschellen und mit auf dem Rücken verschränkten Armen einzeln in Autos abtransportiert, einer zuvor noch brutal mit dem Kopf gegen einen Laternenpfahl gedrückt, eine weitere an den Händen über den Boden geschleift und alle danach in einer extra eingerichteten „Bearbeitungsstraße“ vor dem Polizeigebäude erkennungsdienstlich behandelt und zeitweise in Haft gesetzt.

 

Eine solche offene brutale Unterdrückung von Arbeiterkämpfen und ihrer Solidarität ist eine neue Qualität der Faschisierung und zeigt die Diktatur der Monopole, die der Staat willfährig ausführt. Das soll auch einschüchtern. Doch damit dürfen sie nicht durchkommen. Jetzt erst recht muss der Kampf der Belegschaften entwickelt und weiter geführt werden. Die MLPD wird als einzige und konsequente Arbeiterpartei in Deutschland ihre Arbeit noch verstärken.

 

Eine kleinbürgerliche Denkweise, zu hoffen dass man gut raus kommt, dass es doch nicht so schlimm kommt, warten, dass es jemand für uns macht, Skepsis in die Kollegen, negative Meckerei, das hat jahrelang oft noch gelähmt und muss jetzt überwunden werden. Jetzt braucht es die proletarische Denkweise ohne wenn und aber: Solidarität, Kampf, Opferbereitschaft, Vertrauen in die Kolleginnen und Kollegen, Zuversicht.