Rote Fahne 12/2026
Ungebrochene Solidarität mit Gaza
Im Mai 2026 fand in Gaza die erste internationale Gesundheitskonferenz des palästinensischen Gesundheitsnetzwerks Al Awda statt. Online zugeschaltet waren auch Vertreter der revolutionären Weltorganisation ICOR, darunter die Hauptkoordinatorin Monika Gärtner-Engel. Der Solidaritätspakt der ICOR mit Al Awda ist ein wichtiger Baustein der nachhaltigen und perspektivischen Palästina-Solidarität
Eine Online-Teilnehmerin berichtet:
„Es geht bei der Konferenz weniger um das konkrete Vorgehen in der medizinischen Versorgung und mehr um eine Auswertung und statistische Darstellung der gesundheitlichen Folgen des Krieges. Soweit über die Videoaufnahmen zu sehen ist, nehmen auch viele Frauen an der Konferenz teil, sowohl als Teilnehmende wie auch als Vortragende. Es sind ebenso Vertreter des Gesundheitsministeriums anwesend.
Es werden mehrere Studien vorgestellt, der Großteil der Daten erhoben von Ärztinnen und Ärzten aus Gaza selbst: Neben den Anstrengungen, eine medizinische Versorgung aufrechtzuerhalten, findet also auch eine systematische Datenerhebung- und auswertung in spezifischen Fragestellungen statt. … Zum einen, um daraus die richtigen Schlussfolgerungen für eine optimale Behandlung unter den gegebenen Umständen zu ziehen und konkrete Forderungen für die Gesundheitsversorgung zu priorisieren. Aber auch, um den Genozid mit „Daten zu belegen“, damit Israel zur Rechenschaft gezogen werden kann.
Deutlich wird, … dass das größte Gesundheitsrisiko aktuell die Blockade ist, weil hierdurch eine medizinische Versorgung von Kranken und Verwundeten effektiv verhindert wird und zusätzlich Gesundheitsgefährdungen entstehen. Ein weiteres großes Problem in der medizinischen Versorgung ist nicht nur, dass Materialien, Medikamente, Personal und so weiter fehlen, sondern auch, dass die Menschen sich gar nicht trauen, in die noch verbliebenen Krankenhäuser zu kommen, weil sie fürchten, dass es dort nicht sicher ist.
Die größten Leidtragenden sind Kinder und Neugeborene, Frauen (vor allem werdende Mütter und stillende) und ältere Menschen, weil sie besonders unter den Folgen von Mangelernährung, schlechten hygienischen Bedingungen und dem dadurch deutlich erhöhten Risiko von Infektion leiden.
Nach der Konferenz bedankte sich Monika Gärtner-Engel für die Einladung:
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
wir hatten die Ehre, an eurer ersten internationalen Gesundheitskonferenz teilnehmen zu können und wollen euch zu diesem Riesenerfolg herzlich gratulieren. Wir sind sehr beeindruckt, dass ihr es unter den aktuellen Bedingungen geschafft habt, ein solches Event auf die Beine zu stellen. Nicht nur die Technik und die Simultanübersetzung waren hervorragend organisiert.
Es wurde deutlich, wie breit ihr international vernetzt seid, dass ihr euch internationaler Solidarität sicher sein könnt, aber auch, dass es ein großes Interesse gibt, von euch zu lernen! In Durchhaltevermögen und Standfestigkeit steht euch keiner nach. Es wurde aber auch deutlich, dass ihr trotz der widrigsten Bedingungen den Maßstab an die Versorgung nicht senkt, Medizin auf hohem Niveau praktiziert und dann auch noch eure Erfahrungen systematisch verarbeitet, daraus wissenschaftliche Daten generiert. Mit dieser Konferenz habt ihr ein weiteres Mal bewiesen, dass eure Worte „Wir bleiben, so lange ein einziger Palästinenser unsere Hilfe braucht“ keine leeren sind. Es ist aber auch klar geworden, wie groß die Herausforderung ist, vor der ihr mit dem Wiederaufbau des Gesundheitswesens steht.
Wir sind stolz, im Rahmen des Solidaritätspaktes der ICOR diesen Kampf um den Wiederaufbau zu unterstützen. Eure Standhaftigkeit und Zuversicht sind Vorbild für unsere Arbeit hier in Deutschland und in der Vorbereitung unserer Brigaden!
Wir verbleiben mit herzlichen Grüßen
Monika Gärtner-Engel
Darauf kam prompt die Antwort des Generaldirektors des Al Awda-Krankenhauses, Raafat Al-Majdalawi:
Liebe Monika,
vielen Dank für Ihre Teilnahme an unserer Konferenz und dass Sie unsere Einladung angenommen haben. Auch Ihre freundliche Rückmeldung wissen wir sehr zu schätzen.
Die Teilnehmerzahl, die Tiefe der behandelten medizinischen und gesundheitlichen Themen sowie die lebhafte Interaktion haben alle unsere Erwartungen bei weitem übertroffen. Diese unglaubliche Resonanz und das große Engagement zeigen deutlich das starke Interesse, das Vertrauen und die Zuversicht, die die Gesundheitsgemeinschaft und unsere Stakeholder in Al-Awda sowie in unsere Philosophie und Mission setzen.
Nochmals vielen Dank, dass Sie Teil dieses Erfolgs waren.
Mit freundlichen Grüßen
Raafat Al-Majdalawi