Rote Fahne 12/2026
Klassenkampf und Kunst – die Entstehung des Impressionismus
Impressionistische Bilder erfreuen sich großer Beliebtheit. Zu Recht heißt es, dass sie „Weltfreude, Verständlichkeit und Farbenschönheit“ ausstrahlen. Der Impressionismus entstand in Frankreich in den Jahren vor und nach der Pariser Kommune 1871:
Bei der „Künstlichen Intelligenz“ und bei Wikipedia wird unter dem Schlagwort „Impressionismus“ keinerlei Zusammenhang zwischen der Entstehung des Impressionismus in der Malerei und der Pariser Kommune hergestellt. Zahlreiche der später „Impressionisten“ genannten Künstler waren in den deutsch-französischen Krieg 1870/1871 oder die Pariser Kommune verstrickt: Zum Beispiel Pierre-Auguste Renoir entkam 1871 in der Zeit der Kommune bei Paris nur knapp einem Todesurteil als angeblicher Spion. Édouard Manet trat als überzeugter Republikaner in die Nationalgarde ein. Er erlebte einen Teil der Massaker an den Kommunarden persönlich mit. Edgar Degas diente ebenfalls in der Nationalgarde. Camille Pissarro und Claude Monet flohen nach London. Angesichts der Niederlage der Kommune schrieb Monet 1871: „Ich habe zu nichts mehr Lust. Es ist alles entsetzlich.“ Paul Cézanne versteckte sich als „Fahnenflüchtiger“ in Südfrankreich.
Und diese tiefen Einschnitte in ihr Leben inmitten grundlegender gesellschaftlicher Umwälzungen sollen die Malerei dieser Künstler laut KI und Wiki nicht beeinflusst haben? Das ist doch absurd!
Die später als „Impressionisten“ bezeichneten Maler grenzten sich in den 1860er-Jahren von der damals vorherrschenden „Atelierkunst“ mit ihren erhabenen Themen aus Historie und Mythologie ab. Sie bildeten Schritt für Schritt die Formensprache des späteren „Impressionismus“ heraus, in dem gerade die Bewegung, die Veränderbarkeit der Gegenstände und ihr unterschiedliches Aussehen bei wechselnden Lichtverhältnissen in den Vordergrund rückten. Gesellschaftlicher Hintergrund waren die rasanten Veränderungen in Frankreich – der Kapitalismus entwickelte sich schnell.
Manet war der einzige der späteren Impressionisten, von dem Skizzen aus der Zeit der Kommune erhalten sind. Allerdings wagte er nicht, sie zu veröffentlichen.
Die Reaktion bezeichnete die Impressionisten in den Jahren nach 1871 immer wieder als „Kommunisten“, und zwar unabhängig davon, ob einer von ihnen mit den Kommunarden sympathisierte oder nicht. Ein Zurück zu der Stabilität vortäuschenden kaiserlichen „Atelierkunst“ hatte keine Perspektive.
Spätestens mit ihrer ersten gemeinsamen Ausstellung in Paris 1874 hatte sich der Stil des Impressionismus fertig herausgebildet. Die Impressionisten bewerteten die Pariser Kommune überwiegend als Niederlage. Sie waren nicht in der Lage, die perspektivische welthistorische Bedeutung der Pariser Kommune zu erfassen. Deshalb waren sie von der Form her revolutionär, vom Inhalt war der Impressionismus keine revolutionäre Kunst.
Karl Marx zog dagegen mit Hilfe der dialektischen Methode optimistische Schlussfolgerungen aus der Kommune und schrieb:
„Der Kampf der Arbeiterklasse mit der Kapitalistenklasse und ihrem Staat ist durch den Pariser Kampf in eine neue Phase getreten. Wie die Sache auch unmittelbar verlaufe, ein neuer Ausgangspunkt von welthistorischer Wichtigkeit ist gewonnen.“ Heute können wir die Lebensfreude und die Schönheit der Natur in den Werken der Impressionisten genießen. Zugleich ist ihre Kunst auch eine Herausforderung, gesellschaftliche Veränderungen bewusst und tiefgehend mit Hilfe der dialektischen Methode zu verarbeiten.