Rote Fahne 11/2026

Rote Fahne 11/2026

USA: „So haben wir den 1. Mai wieder aufleben lassen“

Frank Hammer, ehemaliger internationaler Vertreter der UAW bei GM und Präsident und Vorsitzender der UAW-Ortsgruppe 909 in Warren, Michigan, unterstützt die United Front. In Detroit nahm er am Internationalen Kampftag der Arbeiterklasse teil:

USA: „So haben wir den 1. Mai wieder aufleben lassen“
Frank Hammer

Rote Fahne: Was zeichnete den 1. Mai 2026 in den USA aus?

Frank Hammer: Am auffälligsten war die veränderte Zusammensetzung der Teilnehmer. Vor zwei Jahren war die Arbeiterklasse am 1. Mai in Detroit nicht beteiligt und hatte auch keine eigene Veranstaltung. Das hat sich nun geändert. Erfahrene Aktivisten, die tief in den Massenkämpfen verwurzelt sind, waren entschlossen, hier Abhilfe zu schaffen, da wir an vielen Fronten – international, national und lokal – mit einer sich verschärfenden Krise konfrontiert sind. Ähnliche Mobilisierungen fanden auch in anderen Städten und Gemeinden statt.

 

Es wurden Strukturen aufgebaut, aus denen eine neue nationale Koalition hervorging – „May Day Strong“.


Wie wurde dieser Fortschritt erreicht?

Letztes Jahr haben wir dazu beigetragen, alle linken Gruppen in Detroit – von denen viele aus jungen Revolutionären bestehen – unter einem Dach zu vereinen, und gemeinsam haben wir einige Gewerkschaften angesprochen, sich daran zu beteiligen. Dem Planungsausschuss gehörten einige der progressiven Organisatoren der May Day Coalition an, sowie lokale Gewerkschaftsvertreter und Vertreter von Bürgerinitiativen.

 

Wie wir erfuhren, taten andere zentrale Gewerkschaftsräte im ganzen Land dasselbe. Schließlich gaben der Sekretär und Schatzmeister der natio­nalen AFL-CIO1 sowie weitere Gewerkschaftsfunktio­näre ihre jahrzehntelange Missachtung des 1. Mai auf und unterstützten die landesweit laufende Mobilisierung – alles unter dem Motto „Arbeiter vor Milliardären“.


Die Arbeiterbewegung war also dieses Jahr „zurück“?

Hunderttausende versammelten sich an schätzungsweise 5000 Orten, was zum Teil auf die Werbung für den 1. Mai durch die Organisatoren des neun Millionen starken „No Kings Day“ zurückzuführen war.

 

Diese wiederum waren inspiriert vom massiven Widerstand gegen die faschistischen ICE-Beamten in Minneapolis – einschließlich des Aufrufs „Keine Arbeit, keine Schule, kein Einkaufen“ an dem Tag, an dem Zehntausende marschierten. Hintergrund für das wiederauflebende Interesse am 1. Mai war die zunehmende Präsenz von Bewegungen, die sich selbst als „sozialistisch“ bezeichnen. Die Solidarität aller Versammelten war trotz ideologischer Differenzen deutlich zu spüren. Das Planungskomitee blickt bereits auf das Jahr 2027 voraus.


Vielen Dank für dieses Interview!