Rote Fahne 10/2026
Generalangriff auf die VW - Konzernbelegschaft
Auf der Aufsichtsratssitzung am 27. April stellte der VW-Vorstand sein neues „Zielbild Volkswagen Konzern 2023“ vor. Grundlage ist ein 160-seitiges „Sanierungskonzept“ des Vorstands und der Berater von BCG¹
Der Ausbau der weltweiten Kapazitäten zur Produktion von jährlich zwölf Millionen Fahrzeugen hat sich inzwischen als völlig unrealistisch erwiesen. 2025 produzierte VW nur noch 8,98 Millionen Autos. Vor allem durch den Aufstieg neuer chinesischer Autokonzerne wie BYD entwickelt sich ein gnadenloser Konkurrenzkampf um die Weltmarktführerschaft.
In China hat VW seit 2023 bereits Produktionskapazitäten für über eine Million Autos reduziert und dabei 20 000 Arbeitsplätze vernichtet. Gleichzeitig baut VW Werke in China und in den USA – wie ein „neues Wolfsburg“ – zu großen Zentren der internationalisierten Produktion aus, die die umliegenden Märkte und Weltregionen beliefern sollen.
Das geht mit einer entsprechend massenhaften Vernichtung von Arbeitsplätzen in Deutschland einher. Zynisch heißt es in kalter Kapitalistenlogik im Handelsblatt dazu: „VW leistet sich vier komplette Werke, die eigentlich nichts beitragen.“ Wozu, wenn nicht zur Steigerung des Maximalprofits? Dabei werden in dem „Sanierungskonzept“ die VW-Werke Emden und Zwickau, das Nutzfahrzeugwerk in Hannover und das Audi-Werk in Neckarsulm genannt – das sind Produktionskapazitäten für eine Million Autos.
VW musste schon mal zurückstecken
Dazu schreibt das Handelsblatt: „Die nahezu gleichen Probleme sollte bereits ein Sparprogramm 2024 lösen. Passiert ist seitdem in der Substanz eher wenig.“ Das lag aber nicht etwa an der zögerlichen Haltung Blumes. Es war die hohe Kampf- und Streikbereitschaft der VW-Belegschaften, die den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen oder Werksschließungen durchgesetzt hat. Zehntausende Kolleginnen und Kollegen beteiligten sich an Protest- und Streikaktionen. Es war unter anderem eine Extraausgabe der Kollegenzeitung „Vorwärtsgang“, die mit der Enthüllung der bereits beschlossenen Stilllegung des Werks in Emden diese Kampfbereitschaft weiter anschwellen ließ, so dass der Vorstand zunächst von seinen Plänen abließ.
„Die ziehen gerade die Daumenschrauben an“
Auffällig war die relative dünne Information über die Ergebnisse der Aufsichtsratssitzung. Über die konkreten Überlegungen und Pläne wird nichts berichtet. Eine Kollegin aus Wolfsburg zum „Sanierungskonzept“: „Hab ich noch nichts davon mitbekommen. Na, hallejula! Dann hat das Verzichten ja nichts gebracht. Die ziehen gerade die Daumenschrauben an bei uns.“
Blume schweben allerdings auch „intelligentere Lösungen“ als Stilllegungen vor. Das Beispiel Osnabrück zeigt, dass er damit insbesondere den Einstieg in das Rüstungsgeschäft plant: „Wir werden unser Know-how dort einbringen, wo wir am besten sind. Fahrzeuge für den militärischen Transport könnten eine Richtung sein.“² Damit kündigt er eine Neuausrichtung des Konzerns zur Umstellung auf Kriegswirtschaft an. Die Kolleginnen und Kollegen sollen dafür gewonnen werden, indem diese als Beitrag zur „Sicherung“ der Arbeitsplätze verkauft wird. Ein Kollege am Tor von VW Braunschweig sieht das aus Erfahrung zu Recht kritisch: „Letzte Woche stand in der Braunschweiger Zeitung, dass auch in Braunschweig Kriegsproduktion laufen soll. Manch ein Kollege glaubt noch, dass das unsere Arbeitsplätze rettet. Ich glaub denen gar nichts mehr.“
Auf den Erfahrungen von 2024 aufbauen
Jetzt sind die Belegschaften gefordert. Die Vernichtung von 42 000 Arbeitsplätzen wird ohne Massenentlassungen nicht möglich sein. Ein Vertrauensmann aus Kassel: „Viele haben gedacht, wir hätten jetzt fünf Jahre Ruhe. Jetzt kommt der Vorstand mit der Ankündigung des offenen Tarifbruchs. Ich schlage vor, wir machen da weiter, wo wir 2024 aufgehört haben. Da hilft nur Streik. Wir brauchen Versammlungen und Erklärungen dazu.“
Die Belegschaften können dabei auf den Kampferfahrungen von 2024 aufbauen. Aufgrund der Verweigerung eines allseitigen und vollständigen gesetzlichen Streikrechts braucht es einen konzernweiten Streik und internationalen Zusammenschluss in allen VW-Werken, nicht nur den betroffenen, bis die Pläne vom Tisch sind! Die notwendige offensive Forderung dafür ist die nach der 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich als Konzernvereinbarung.
Verlassen können sich die Kolleginnen und Kollegen zu hundert Prozent auf die MLPD. Sie steht dafür, dass solche Kämpfe erfolgreich geführt werden können, dass Organisiertheit und Bewusstheit wachsen, auch darüber, dass wir eine grundsätzlich andere, eine befreite Gesellschaft brauchen: den echten Sozialismus!