Rote Fahne 13/2026

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Das „Schwarzbuch des Kommunismus“ und frei erfundene „Opferzahlen“

Vor kurzem erboste sich die Neue Zürcher Zeitung: „Bis heute gibt es im Westen auch Hardcore-Kommunisten wie die deutsche Partei MLPD, die regelmäßig an Klimastreiks und Demos ,gegen rechts‘ mitläuft. Für deren Anhänger ist bis heute klar, dass die Kulturrevolution eine Glanzleistung von Mao war. Die auch von Wissenschaftlern recherchierten Opferzahlen bezeichnete die Partei 2016 als ,frei erfunden‘.“¹ Bei genauerer Betrachtung sind solche Opferzahlen tatsächlich alles andere als wissenschaftlich

Von dk
Das „Schwarzbuch des Kommunismus“ und frei erfundene „Opferzahlen“
Massenversammlung während der Kulturrevolution: Der Parteibeschluss zur Kulturrevolution richtete die chinesischen Massen gegen Gewalt oder Terror aus: „Die in Diskussionen anzuwendende Methode ist … die Überzeugung. Es ist unzulässig, eine Minderheit, die anderer Ansicht ist, mit Gewalt zum Nachgeben zwingen“. Die Gräuelpropaganda von Millionen Opfern der Kulturrevolution ist ursprünglich eine Erfindung der sowjetischen Verräter am Marxismus-Leninismus, die von dem Revisionisten Leonid Breschnew in die Welt gesetzt wurde. (Foto: Public Domain)

Vor 60 Jahren, am 8. August 1966, hatte die Kommunistische Partei Chinas unter Leitung Mao Zedongs den Beschluss zur Großen Proletarischen Kulturrevolution gefasst: „Gegenwärtig besteht unser Ziel darin, gegen den kapitalistischen Weg gehende Machthaber zu kämpfen und sie niederzuschlagen …, die Ideologie der Bourgeoisie und aller anderen Ausbeuterklassen zu kritisieren und zu verurteilen sowie die Erziehung, Literatur und Kunst und alle anderen Teile des Überbaus, die nicht der sozialistischen Wirtschaftsbasis entsprechen, umzuformen, damit die Konsolidierung und Entwicklung des sozialistischen Systems gefördert werden.“²

 

Damit sollte eine Entwicklung wie in der Sowjetunion verhindert werden, wo eine kleinbürgerlich entartete Bürokratie die Macht ergriffen hatte und den Kapitalismus wiederherstellte.

Sowjetische Machthaber schäumen

Postwendend begannen die sowjetischen Macht­haber eine wütende Hetze und erfanden das Lügenmärchen der „Millionen Opfer der ,Kampagne zur sozialistischen Erziehung‘“: „Die maoistische Ideologie ist eine Ideologie des politischen Abenteurertums, der Demagogie, der Gewalt und des Massenterrors.“³


Als nach Maos Tod 1976 seine in der Kulturrevolution unterdrückten bürokratischen Gegner mit Deng Xiaoping an der Spitze wieder zur Macht gelangten und wie in der Sowjetunion die kapitalistische Restauration einleiteten, stimmten auch die westlichen Medien in die Hetze mit ein. Der kapitalistische Weg ­Chinas wurde bejubelt und die Verleumdungen der Kulturrevolution von Deng und Co. übernommen. Allerdings brachten weder der Untergang der Sowjetunion 1991 noch die reaktionäre Entwicklung in China dem Weltkapitalismus den von seinen Ideologen verkündeten Sieg im Systemwettkampf. Die Klassenkämpfe hörten nicht auf und der Wunsch der Unterdrückten nach einer besseren Gesellschaft bestand weiter.

Antikommunistisches Machwerk sorgt für Streit

Dem Versuch, die sozialistische Alternative im Denken der Massen möglichst bleibend zu verdunkeln, diente das 1997 am 80. Jahrestag der Oktoberrevolution in Paris erschienene „Schwarzbuch des Kommunismus“.⁴


Die Kulturrevolution wurde darin als „anarchischer Totalitarismus“ beschrieben. Allerdings zerstritten sich die Autoren und verpatzten damit die Herausgabe: Ursprünglich sollte eine Einleitung von dem führenden französischen Historiker François Furret verfasst werden, der jedoch überraschend verstarb. Furret, von 1947 bis 1959 Mitglied der Kommunistischen Partei, war Anhänger der Totalitarismustheorie geworden. Nun schrieb der Hauptautor Stéphane Courtois, der 1968 bis 1971 als „Maoist“ aktiv gewesen war, selbst das Vorwort und provozierte damit Meinungsverschiedenheiten, die die Krise des Antikommunismus offenbarten: Nicolas Werth und Karel Bartosek distanzierten sich noch vor dem Erscheinungsdatum öffentlich von ihm. Jean Louis Margolin stimmte der Veröffentlichung erst nach Drohungen der Verleger mit Entschädigungsklagen zu.

Besessen von erlogenen „Opferzahlen“

In der Presse deckten diese Mitautoren dann die fehlende Wissenschaftlichkeit des „Schwarzbuchs“ auf: Ob Massenverbrechen zu den zentralen Merkmalen kommunistischer Regime gehörten, aus der Ideologie selbst hervorgingen und diese mit dem National­sozialismus wesensverwandt sei, würde nirgends mit der gebotenen Gründlichkeit behandelt. Vielmehr vernachlässige Courtois einen wesentlichen Unterschied: Der Kommunismus sei eine emanzipatorische Ideologie. So habe es in der Sowjetunion auch keine Vernichtungslager gegeben. Courtois‘ Opferschätzungen widersprächen offiziellen Untersuchungen und augenscheinlich sei er davon besessen, seine Gesamtschätzung von 100 Millionen Opfern erreichen zu wollen⁵ – die „Hardcore-Kommunisten“ lassen grüßen!