Rote Fahne 07/2026
Warum werden so wenig neue Wohnungen gebaut?
Die Stadt Stuttgart hat bis 2030 einen Bedarf von 22 000 neuen Wohnungen errechnet. Doch 2024 wurden nur 1321 Wohnungen neu gebaut und nur noch 961 genehmigt. 5400 Mietsuchende sind für Sozialwohnungen vorgemerkt, über 4000 sind in der Notfallkartei – ohne Hoffnung auf eine baldige Lösung. Warum geht es immer mehr bergab beim Wohnungsbau?
Es gibt große Gebiete in Stuttgart, auf denen schon längst Wohnungen hätten gebaut werden können. Auf dem ehemaligen Areal der EnBW (Energieversorgung Baden-Württemberg) in Stuttgart-Ost 800 Wohnungen. Auf dem verwaisten Büro-Campus der IBM 2000 Wohnungen – die Planung steht seit 15 Jahren. Neben dem neuen Sportbad Neckarpark sollen auf 8400 Quadratmetern seit 2020 Wohnungen entstehen, doch die Fläche liegt brach. Zur Zeit campiert dort ein Wanderzirkus.
Darüber hinaus gibt es zahlreiche leer stehende Büroquartiere in der Stadt, die sofort zu Wohnungen umgebaut werden könnten.
Horrende Grundstückspreise
Der Grund für den Stillstand ist ganz einfach: Der Bau- inklusive Grundstückspreis für eine neue 80-Quadratmeter-Wohnung liegt bei 670 000 Euro im Durchschnitt. Das verspricht keinen „auskömmlichen“ Profit für die Baugesellschaften. Die Mieten müssten da in astronomische Höhen gehen, unbezahlbar für die Massen. Folglich erobern Öko-Oasen die Brachflächen.
Dieses besondere Übel nahm seinen Lauf Anfang der 1980er-Jahre. Da wurde Sozialwohnungsbau im kommunalen Bestand abgewürgt. An Stelle von Betriebs- und städtischen Wohnungen wurde das System auf Förderung von öffentlichen und privaten Wohnbaugesellschaften umgestellt, um Investoren anzulocken. Das bedeutete öffentliche Zuschüsse zu den Baukosten mit der Auflage einer Mietpreisbindung. Doch diese läuft nach 15 bis 25 Jahren aus. Jährlich betrifft das etwa 40 000 Wohnungen in Deutschland. 2006 waren noch zwei Millionen in der Sozialbindung, derzeit sind es nur noch knapp über eine Million.
Es muss durchgesetzt werden, dass Sozialwohnungen wieder in kommunaler Hand gebaut werden.
Gemeineigentum dem Privatbesitz überlegen
Das Grundübel ist jedoch der Privatbesitz an Grund und Boden. Das ist das Allerheiligste, welches im Kapitalismus durch die Verfassung Artikel 14 geschützt ist. Grund und Boden ist knapp, kann nur einmal verkauft werden und wird so zur Voraussetzung und zum Objekt des Profits und der Spekulation. Es gibt keinen Grund, warum das ewig so bleiben soll, auch wenn das Hauptproblem sicher nicht kleine Wohneigentümer sind.
Die Vergesellschaftung von Grund und Boden im Sozialismus ist dem Privatbesitz überlegen. Sie schafft die Voraussetzung für günstigen und qualitätsvollen Wohnungsbau nach den Bedürfnissen der Masse der Menschen.