Rote Fahne 06/2026

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Luise Dickhut – Vorkämpferin einer revolutionären Sozialarbeit

Nach einem oft entbehrungsreichen, immer kämpferischen und allseitig erfüllten Leben starb Luise Dickhut (geborene Horbach) im Dezember 2000 im Alter von 90 Jahren.

Von cg
Luise Dickhut – Vorkämpferin einer revolutionären Sozialarbeit
Luise Dickhut an ihrem 85. Geburtstag 1995 mit Lisa Gärtner

Luise Horbach war das Kind einer kommunistischen Arbeiterfamilie in Hattingen. Ihre Mutter war eine starke, weit über Hattingen hinaus bekannte kommunistische Persönlichkeit, die sie ihr Leben lang prägte. 1944 boten ihre Eltern und sie Willi Dickhut nach dessen Flucht aus dem Gefängnis einen illegalen Unterschlupf in der Nähe von Solingen. Bis zum Tod von Willi Dickhut 1992 war sie seitdem seine Lebens- und Kampfgefährtin und hielt ihm den Rücken für sein revolutio­näres Lebenswerk frei.

 

Unter seinem Einfluss entwickelte sich Luise Dickhut von einer zunächst stark spontan und gefühlsmäßig geprägten Kommunistin zu einer bewussten Marxistin-Leninistin: „Die intensive Beschäftigung mit diesen Fragen und das Studium dazu hat die Monate des illegalen Aufenthalts von Willi … mit zur wertvollsten Zeit meines Lebens gemacht. Wobei Willi mir immer wieder einschärfte, daß dies alles nur ein Gerüst zum Selbststudium sein könne … .“¹

Gewählte Stadtverordnete der KPD in Solingen

Auf dieser Grundlage engstens verbunden mit ihrem tiefen Klassenbewusstsein, ihrem proletarischen Rückgrat und ihrem ausgeprägten Kampfgeist entwickelte sich Luise Dickhut unter anderem zu einer leidenschaftlichen Agitatorin für den Sozialismus – und in gleichem Maße zur Anklägerin gegen den späteren revisionistischen Verrat und opportunistisches Verhalten. Insbesondere war sie Vorkämpferin für den Kampf um die Befreiung der Frau und für die überparteiliche Frauenarbeit. Ihre Arbeit als gewählte Stadtverordnete der KPD in Solingen ab 1948 ist bis heute eine Fundgrube für den proletarischen Parlamentarismus.²

 

In enger überparteilicher Zusammenarbeit mit einer Masse anderer Frauen prägte sie den Stil einer marxistisch-leninistischen Sozialarbeit: Den Kampf um Ernährung, Kleidung, Kinderbetreuung oder die Wohnungsfrage verband sie immer mit revolutionärer Überzeugungsarbeit.³ So schrieb sie in ihren Wählerrundbrief als „Unabhängige Kandidatin“ (nach dem Verbot der KPD) bei den Landtagswahlen in NRW 1956:

„Wohnungen statt Kasernen!

… Es ist beabsichtigt, 6 Milliarden für Kasernenbau auszugeben. Es leuchtet ohne weiteres ein, daß das auf Kosten des Wohnungsbaus geht. ... Es bedarf wohl keiner Frage, daß jeder Familie ein Eigenheim lieber ist, als irgendein Kriegsinstrument. Darum Schluß mit dem Kasernenbau, die 6 Milliarden müssen den Not leidenden Gemeinden für den Wohnungsbau überwiesen werden. …“⁴