Rote Fahne 05/2026

Rote Fahne 05/2026

Umstellung zur Illustrierten – Geht es vor allem um eine bessere Gestaltung?

Ein Leser aus Schwäbisch Gmünd hat sich gründliche Überlegungen zur geplanten Umstellung des Rote Fahne Magazins zu einer proletarischen Illustrierten gemacht und teilt seine Vorschläge und Kritiken dazu mit (Auszüge):

Umstellung zur Illustrierten – Geht es vor allem um eine bessere Gestaltung?
Es ist verwirrend, wenn die Überschrift eines Artikels nicht so recht zum Inhalt passt

Wir sind bei uns am Ort gerade mitten in der Diskussion eines Vorschlags des Zentralkomitees (ZK) der MLPD zur geplanten Umstellung des Rote Fahne Magazins. Unter dem etwas sperrigen, aber voll zutreffenden Titel „Die Selbstveränderung für ein dem Kampf gegen die gesellschaftliche Verwirrung angemessenes Zentralorgan“ beschreibt das ZK – wie ich finde, sehr schön – die Aufgabe des Rote Fahne Magazins im System des Zentralorgans. Der schöne und bildhafte erste Satz lautet: „Die Rote Fahne als Zentralorgan in seinen drei Seiten (Print, RF-News, Video) muss ein breit geöffnetes Tor der Partei zu den Massen werden.“

 

Das mit dem „breit geöffneten Tor“ trifft ja insofern zu, als dass die Massen nicht nur verwirrt sind, sondern auch nach Klarheit suchen. … Deshalb wird die Aufgabe beschrieben, „die Massen dort abzuholen, wo sie stehen, und sie durch einen vielschichtigen Kampf um die Denkweise an die Partei und ihre ideologisch-politische Linie heranzuführen“.

Was ist das Wesen der Veränderung der Roten Fahne?

An anderer Stelle heißt es: „Rote Fahne Print soll zu einer proletarischen Illus­trierten werden, zu einem Flaggschiff der populären Propaganda.“ Und: „Die Rote Fahne ist auch noch zu sehr auf die MLPD eingeengt und zu wenig mit fortschrittlichem Kulturgut, Autoren und Gestaltern verbunden.“ Ich möchte nicht das ganze gute Kapitel hier zitieren, aber die genannten Stellen bringen wichtige Seiten auf den Punkt: Da ist vor allem und zuerst vom ideologischen Kampf, von Propaganda die Rede. Und wie der in der Roten Fahne verbessert werden muss, das sollte Thema für alle Korrespondenten und Redakteure sein. Vor diesem Hintergrund erscheint mir der Artikel im Rote Fahne Magazin 3/2026, Seite 32, eher noch an der Ausrichtung des ZK vorbeizugehen. …

 

Ich finde die im Artikel genannten Elemente für die Selbstveränderung des Rote Fahne Magazins richtig und begrüße sie. Sie müssen tatsächlich umgesetzt werden. Meine Fragen gehen dahin:

  • Glaubt ihr, dass damit das Wesen der Selbstveränderung des Rote Fahne Magazins getroffen ist? Ich habe da meine Bedenken: Während nämlich das ZK von „populärer Propaganda“, von „vielschichtigem Kampf um die Denkweise“ und von „an die ideologisch-politische Linie heranführen“ spricht, geht es im Artikel praktisch hauptsächlich um die Form: Collagen, Fotomontagen, „Frage der Woche“, „Spaßfaktor“ und so weiter.
  • Die ganze Partei spricht andauernd von „bewusstseinsbildender Arbeit“ – aber die Korrespondentinnen und Korrespondenten, die Fotografinnen und Fotografen, Gestalterinnen und Gestalter werden mit keinem Wort darauf ausgerichtet.

Es braucht Informationen und Auseinandersetzung

Eine Illustrierte ist, wie das Wort schon sagt, von der Form her ein reichlich bebildertes Magazin. Eine Arbeiterillustrierte ist ein reichlich bebildertes Magazin, das auf der Grundlage der proletarischen Denkweise Themen der Gesellschaft und des täglichen Lebens behandelt. Eine Arbeiterillustrierte, die „den Kampf gegen die gesellschaftliche Verwirrung“ aufnehmen will, kommt um reichlich bebilderte Hintergrundartikel nicht herum. „Reichlich bebildert“ würde ich in diesem Zusammenhang definieren als: mit Bildern, in einer bildhaften Sprache, mit einer anschaulichen Aufarbeitung eines Themas, mit Wissenschaftlichkeit, neuen Erkenntnissen und Fragen und so weiter.

 

Das ZK fordert die Redaktion auf, „aus der ,Weisheit‘ und den vielfältigen Fähigkeiten der ganzen Partei, ihres Umfeldes und der internationalen revolutionären und Arbeiterbewegung zu schöpfen“. Und es gibt sie ja auch, die Autoren, die Hintergrundwissen haben und darüber schreiben.

 

Zum Beispiel im Rote Fahne Magazin 3/2026, Seite 30: „Die phantastische Theorie der ‚kreativen Zerstörung‘“ … – der Artikel müsste eigentlich „Die marxistisch-leninistische Theorie vom kapitalistischen Grundwiderspruch“ heißen. Weil er hauptsächlich diesen erklärt, anstatt die skurrile Theorie der „kreativen Zerstörung“ für jemanden, der sich für uns interessiert, in ihrer Absurdheit nachvollziehbar zu zerpflücken. Solche Theorien, so absurd sie sind, schwirren ja immer um einen scheinbar „einleuchtenden“ Begriff: „Egoistisches Gen“, „Urknall“, „kreative Zerstörung“, „Out-of-Africa“-Theorie und so weiter …

 

Unter den Arbeitern ist das Bedürfnis nach Klarheit das Bestimmende, bei aller Verwirrung. Aber kein Arbeiter will sich sagen lassen, wie er zu denken hat. Das ist auch eine Reaktion darauf, dass sich das System der kleinbürgerlichen Denkweise der Regierungen überlebt hat. Die Rote Fahne (Rote Fahne Magazin, Rote Fahne News, Rote Fahne TV) läuft Gefahr, hier in die gleiche Schublade hineingesteckt zu werden, wenn wir nicht verstehen: Die Kolleginnen und Kollegen wollen selber denken. Dazu brauchen sie Informationen und die Auseinandersetzung.