Rote Fahne 03/2026

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„Nobody’s Girl“ – Biographie einer mutigen Frau

Virginia Roberts Giuffre ist das wohl bekannteste Opfer von Jeffrey Epstein und seiner Komplizin. Diese führten jahrzehntelang einem Pädophilenring vor allem minderjährige Frauen zu – und waren eng vernetzt mit den Reichsten und Mächtigsten der Welt

Von einem Korrespondenten aus Thüringen
„Nobody’s Girl“ – Biographie einer mutigen Frau
"Sie hat ihr Leben dem gewidmet, Gerechtigkeit zu bekommen" - Screenshot von einer Nachrichtensendung zum Tode von Virginia Giuffre (foto: Screenshot Youtub).

Bekannt wurde das Foto von Virginia Giuffre mit dem britischen Prinzen Andrew. Sie war nicht die einzige, die sich traute, gegen diese Peiniger vorzugehen. Aber sie war die mutigste, hartnäckigste und stand dabei an der Spitze.

 

Virginia Giuffre nimmt uns in ihrer Biographie mit in ihr Leben, lässt uns in die Abgründe der Zerstörungskraft des Imperialismus und seiner Kultur blicken. Als Kind wird sie missbraucht und vergewaltigt. Sie landet mit 15 auf der Straße von Miami (Florida) und gerät an einen „Modelagenten“, der sie in seinen Harem aufnimmt.

 

Als dieser verhaftet wird, fängt sie einen Job auf Donald Trumps Golfplatz „Mar a Lago“ an. Dort spricht sie Ghislaine Maxwell, Jeffrey Epsteins Vertraute darauf an, ob sie nicht mit „Massagen“ Geld verdienen will. Schließlich wird sie bei Epstein zur Sexsklavin.

Von der Wehrlosen zur Kämpferin

Sie hatte es bis dahin nie gelernt, „nein“ zu sagen. Durch die Verwahrlosung als Kind fehlten ihr grundlegende Fähigkeiten, allein zurechtzukommen. Dennoch gelingt ihr die Flucht nach Australien, zusammen mit ihrem späteren Mann.

 

Man lernt in dem Buch eine Frau kennen, welche ihr ganzes Leben darum kämpft, „etwas wert zu sein“. Mehr und mehr wächst in ihr das Bewusstsein, sich zu wehren, ihre Täter öffentlich vor Gericht zu ziehen. Erst für ihre Kinder, dann für alle Opfer von sexueller Gewalt. Dabei arbeitet sie mit Anwältinnen und Anwälten zusammen, die ebenfalls Gerechtigkeit durchsetzen wollen. Am Ende gründet sie eine Organisation, die den Opfern helfen und sie zusammenbringen soll („Survivor Sisters“).

Tragischer Suizid, rebellisches Vermächtnis

Den Fesseln der bürgerlichen Staats- und Familienordnung kann sie ihr ganzes Leben nicht entkommen. Auch ihr Mann in Australien schlägt sie. Stark geschwächt, mit mehreren chronischen Krankheiten, trifft sie die persönliche Entscheidung, sich das Leben zu nehmen. Gegen einige Peiniger hat sie es noch nicht geschafft, vorzugehen („Milliardär 1, 2 und 3 sowie den ehemaligen Premierminister“). Übrig bleibt dieses Vermächtnis sowie ihre Forderungen und Lehren:

  • Sei kein braves Mädchen!
  • Keine Verjährungsfrist für Kindesmissbrauch!
  • Volle Aufklärung über den Missbrauchsfall Epstein!
  • Nicht alle Männer sind Monster!