Rote Fahne 03/2026
Militaristische Propaganda im Gewand der Homophobie-Kritik
Am 9. Oktober 2025 lief die neue Netflix-Serie „Boots“ („Stiefel“) an und war lange Zeit unter den Top Ten:
Einen Schub bekam die Serie ausgerechnet, als US-Kriegsminister Pete Hegseth sie als „woken Müll“¹ betitelte. Die Serie basiert auf „The Pink Marine“, den Memoiren eines jungen schwulen Rekruten bei den US-Marines zu der Zeit, als Homosexualität im Militär illegal war. Besondere Spannung wird dadurch erzeugt, dass die Geschichte von 1979 ins Jahr 1990 – kurz vor dem ersten Golfkrieg – verlegt wurde.
Kritik an Homophobie
Der junge Cameron Cope lässt sich spontan gemeinsam mit seinem besten Freund zum Militär verpflichten und erfährt über die ganze Serienstaffel die volle Härte des „Boot Camps“, also der Grundausbildung. Dabei setzt er sich immer wieder mit sich selbst darüber auseinander, eine Lüge zu leben.
Die Serie ist lustig, spannend und die Schauspielleistung ist grandios. Nicht zu kurz kommen die Themen mentale Gesundheit, Menschlichkeit, Liebe und Freundschaft – aber alles unter der Prämisse, ein „richtiger“ Mann und ein guter Soldat zu werden.
Immer wieder wird dabei auch Kritik am Militarismus, Kadavergehorsam, Rassismus in der Armee und Homophobie geübt. Aber im Endeffekt erscheint das alles als notwendiges Übel oder als reformierbar.
Werbefilm für die Marines
In der bisherigen Medienkritik wird einseitig auf die Hetze von Hegseth abgehoben. Die FAZ stellt sich sogar schützend vor die Serie und titelt: „Hey Mister Hegseth, diese Serie ist kein ‚woker Müll‘“.² Es wird sogar lobend erwähnt, „das Stück ließe sich leicht als Werbefilm für die Marines lesen …“.³
Die Serie will berechtigt darauf aufmerksam machen, dass schwule, lesbische und Transmenschen in den USA – und besonders im Militär – jetzt wieder immer aggressiver unterdrückt werden. Doch am Ende bleibt die Message: „Imperialistische Kriege sind okay, solange Schwule mitmachen dürfen.“
Auch das Internetportal queer.de titelte kritisch: „,Boots‘: Queere Dramödie und Propagandafilm zugleich.“⁴ Aus bisher unbekannten Gründen wurde die Serie im Dezember nach der ersten Staffel eingestellt.⁵