Rote Fahne 03/2026

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Die fantastische Theorie der „kreativen Zerstörung“

Wirtschaftswissenschaftler mit „bahnbrechenden“ Erkenntnissen werden alljährlich mit dem „Alfred-Nobel-Gedächtnispreis“ ausgezeichnet. Aktuell haben Joel Mokyr, Philippe Aghion und Peter Howitt diesen Preis erhalten:

Von ba
Die fantastische Theorie der „kreativen Zerstörung“
Zunehmender Wohlstand durch endlosen Kreislauf von Zerstörung und Innovationen? Oder Spirale in den Abgrund der imperialistischen Barbarei?

Begründung: Die drei Ökonomen hätten mit ihrer Theorie der „kreativen Zerstörung“ aufgedeckt, dass durch einen endlosen Kreislauf von Zerstörung und Innovationen zunehmender Wohlstand entsteht: „Joel Mokyr macht in seinem Hauptwerk ‚A Culture of Growth‘ … einen grundlegenden kulturellen Wandel seit dem 18. Jahrhundert dafür verantwortlich.“¹

 

In der gesamten Menschheitsgeschichte habe sich bis vor rund 200 Jahren der Lebensstandard der Menschen nur unwesentlich verändert. Erst damals hätte sich eine innovationsfreundliche Grundhaltung durchgesetzt, die „das Potenzial der Wissenschaft als ‚Ideenspeicher‘ erkannte“² und technisch umsetzte. Seitdem gäbe es stetiges Wachstum durch immer neue technologische Innovatio­nen. So treffend es ist, dass die industrielle Revolution mit der Entfesselung der modernen Naturwissenschaften von feudaler Rückständigkeit einherging, ist diese Theorie dennoch eine einzige Gesundbeterei des Kapitalismus. Und auch ein Musterbeispiel für die willkürlichen Methoden der bürgerlichen Ökonomie.

Industrielle Revolution als historischer Umbruch

Als sich der Kapitalismus gegen den Feudalismus durchsetzte, bestand das Neue tatsächlich darin, dass der von der ausbeutenden Klasse angehäufte Reichtum nicht mehr vollständig verprasst wurde, wie während der Sklaverei und im Feudalismus. Die Konkurrenz auf den Märkten zwang die Kapitalisten dazu, ihre Betriebe zu rationalisieren und technisch zu verbessern, um sich durchzusetzen. Das führte zu einer sprunghaften und seitdem andauernden Höherentwicklung der Produktivkräfte.

 

Diese Art zu produzieren entstand aber nicht durch einen ominösen „kulturellen Wandel“. Vielmehr entwickelte sich ausgehend von der damals erreichten Stufe der gesellschaftlichen Arbeitsteilung in Handwerk und Manufaktur die maschinelle Großproduktion, die die modernen Naturwissenschaften nutzte. Sie setzte sich mit der bürgerlichen Revolution gegen den Feudalismus durch.

 

Dabei entstand der Grundwiderspruch des Kapitalismus: Während die Produktion gesellschaftlich organisiert ist, also im höchsten Grad arbeitsteilig zwischen einer Vielzahl von Menschen, eignen sich die Besitzer der Fabriken, die Kapitalisten den geschaffenen Reichtum privat an. Dieser Widerspruch verschärft sich seitdem ständig und ist heute weltweit wirksam.

Blind gegenüber dem kapitalistischen Grundwiderspruch

Der Grundwiderspruch des Kapitalismus äußert sich vor allem im Mehrwertgesetz. Denn die menschliche Arbeitskraft hat die Fähigkeit, viel mehr Werte zu schaffen, als die Arbeiterinnen und Arbeiter mit ihrem Lohn kaufen können. Die Differenz ist der von ihnen erarbeitete Mehrwert, die Quelle des Profits. Der ganze Zweck der kapitalistischen Produktion besteht darin, mittels Ausbeutung der Arbeitskraft immer mehr Kapital anzuhäufen. Die Profite können allerdings nur realisiert werden, wenn die wachsenden Warenmengen im erbitterten Konkurrenzkampf auf dem Weltmarkt abgesetzt werden. Die Kaufkraft der Produzenten bleibt aus dem gleichen Grund beschränkt. Deshalb hält die Entwicklung der Massenkaufkraft mit der Ausdehnung der Produktion nicht Schritt und kann das Kapital ab einem bestimmten Punkt nicht mehr maximalprofitbringend investiert werden. Deshalb kommt es zu periodisch wiederkehrenden, immer tieferen und umfassenderen, heute weltweiten Überproduktionskrisen.

 

Nobelpreisträger Philippe Aghion sieht dagegen die Ursache der gegenwärtigen Wirtschaftskrise in der Schläfrigkeit unserer Politiker: „Europa muss aufwachen. Wir müssen auf den Wachstumspfad zurückkehren …“. Dazu müssten nur die „Rahmenbedingungen für Innovationen verbessert“ werden. Gerade daran scheitern aber die bürgerlicher Politiker ständig, wenn sie durch „Entbürokratisierung“ oder niedrige „Industriestrompreise“ die Wirtschaft wieder in Schwung bringen wollen. Dass das immer weniger funktioniert, hat seine Ursache vor allem darin, dass die übermäßige Anhäufung von Kapital mittlerweile chronisch wurde.

 

Tatsächlich können solche Krisen nur vorübergehend überwunden werden, indem massenhaft Kapital vernichtet wird, um Platz für neue noch profitablere Investitionen zu machen. Das Ganze ist keine „kreative Zerstörung“, sondern eine immer maßlosere Vergeudung gesellschaftlichen Reichtums mit den Folgen weltweit wachsender Arbeitslosigkeit, Armut und Rohstoffplünderung. Der Konkurrenzkampf um Rohstoffe, Absatzmärkte und Einflusssphären wird heute zunehmend mit dem Mittel von Kriegen bis hin zum Weltkrieg ausgetragen. Er funktioniert nur noch mittels einer gesetzmäßigen Zerstörung der natürlichen Umwelt. Diese Seiten der kapitalistischen Produktion blenden unsere Nobelpreisträger bewusst aus. Ihr „kontinuierlicher Prozess“, der zu nachhaltigem Wirtschaftswachstum und Wohlstand führt, ist nur eine illusionäre Fantasterei.

 

Die Verschärfung des Grundwiderspruchs des Kapitalismus drängt dagegen heute zu seiner Lösung: Die gesellschaftlich erzeugten Reichtümer müssen auch gesellschaftlich angeeignet und verteilt werden. Dazu braucht es tatsächlich eine kreative Zerstörung – eine Revolution, die den Kapitalismus weltweit überwindet und den Weg für den Aufbau vereinigter sozialistischer Staaten der Welt freimacht.