Rote Fahne 01/2026
„Dumm gelaufen“ für „Friedenspolitiker“ Trump?
Bekanntlich war sich Donald Trump vor seinem zweiten Amtsantritt als US-Präsident im Januar 2025 sicher, den Ukrainekrieg binnen 24 Stunden zu beenden. Fast ein Jahr später ist er um großartige Ankündigungen genauso wenig verlegen wie damals:
Nach seinem Gespräch mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj am 29. Dezember war sich Trump sicher: „Wir kommen (einer Einigung) viel näher, vielleicht sogar sehr nahe.“ Es gebe nur noch ein oder zwei schwierige Fragen. Dazu gehört die Kleinigkeit, dass Russland bisher zu keinerlei Abstrichen bei seinen Gebietsansprüchen über die Ostukraine bereit ist, die Ukraine den Verlust der gesamten Donbas-Region aber ebenfalls auf keinen Fall hinnehmen will. Für „Dealmaker“ Trump kein wirkliches Problem: „Es ist noch nicht gelöst, aber wir kommen dem Ziel immer näher.“ Auf die Frage, bis wann das der Fall sein könne, kam die präzise Antwort: „Wenn es wirklich gut läuft, vielleicht in ein paar Wochen. Und wenn es schlechter läuft, länger. Und wenn es wirklich schlecht läuft, dann wird es nicht passieren.“ „Dumm gelaufen“, wenn der Krieg dann halt weitergeht.
Imperialistische Realität
Gegen Krieg als solches hat Trump auch gar nichts einzuwenden. Nur den in der Ukraine hätte er gern beendet, um an Stelle der EU von ihren Rohstoffen und ihrem Wiederaufbau zu profitieren, wieder Geschäfte mit Russland zu machen und die Hände für andere Schauplätze frei zu bekommen. Selbst die größten Verhandlungstricks mit getrennten Gesprächen und dem Einsatz abgezockter Immobilienmakler können aber die Unversöhnlichkeit imperialistischer Interessen nicht aus der Welt schaffen. Da mag Trump den Faschisten Putin noch so sehr bewundern und sein Wunsch nach raschem Zugriff auf die Rohstoffe der Ukraine noch so groß sein – das letzte Mittel zur Entscheidung konkurrierender Interessen bleibt im Imperialismus der Krieg.
Erst Nigeria, dann Venezuela und Grönland?
Davor schreckt der selbst ernannte „Friedenspolitiker“ auch keineswegs zurück, wenn es im Interesse des US-Imperialismus ist. Das zeigt der Einsatz der US-Luftwaffe in Nigeria am 25. Dezember. Angeblich kam sie damit der Regierung gegen die islamistisch-faschistische Miliz Boko Haram zu Hilfe, in Wirklichkeit geht es um den Zugriff auf nigerianisches Erdöl und Erdgas. Aus ähnlichen Gründen zündelt Trump auch mit einem Überfall auf Venezuela und einer Annektion von Grönland. Auch von dieser aggressiven und faschistischen Außenpolitik soll das Verhandlungsspektakel zum Ukrainekrieg ablenken. Es sind vor allem die Völker der Welt, die diesem brutalen Krieg ein Ende bereiten können und müssen. Treffend heißt es im „Solidaritätslied“: „Reden erst die Völker selber, werden sie schnell einig sein!“