Rote Fahne 06/2024

Rote Fahne 06/2024

Beschleunigte Aufrüstung in Marokko

Nach der Militärübung „African Lion“, die 2023 in Marokko stattfand, hinterließ die US-Armee 500 Militärfahrzeuge.¹ Weitere 200 gepanzerte Fahrzeuge bestellte die Regierung bei der türkischen Firma Otokar.² Die marokkanischen Streitkräfte treiben auch die Aufrüstung der digitalen Kriegsführung voran³.

Von einem Korrespondenten
Beschleunigte Aufrüstung in Marokko
Beunruhigende Zusammenarbeit für imperialistische Ziele – Soldaten aus USA und Marokko und deren Panzer. Foto: Idaho National Guard and Moroccan tankers by SSG Ariel Solomon, DVIDS / public domain

Seit 2020 produziert Marokko eigene Rüstungsgüter in Kooperation mit den USA.⁴ Im Gegenzug unterzeichnete Marokko ein „Investitionsabkommen“ der USA namens „Prosper Africa“. Es organisiert den Kapitalexport in afrikanische Länder, um sie auszuplündern. Die Webseite wirbt unter anderem für Indaba, das „größte Bergbau-Investitionen-Event Afrikas“.⁵ ⁶ Kurzum: Auf dem afrikanischen Kontinent gibt nur noch Algerien mehr Geld für Aufrüstung aus.⁷

Zunehmende Militärbewegungen in der Westsahara

Umso besorgniserregender sind Meldungen, die auf verstärkte Aktivitäten des marokkanischen Militärs in der Westsahara hindeuten. Es gibt Spekulationen darüber, dass es Militäroperationen in der „Pufferzone“ geben soll. Gemeint ist das östliche Gebiet einer der wohl weltweit größten Militäranlagen: den 2500 Kilometer langen Wall, der die Westsahara von Norden nach Süden teilt. Vermint und mit militärischen Stützpunkten versehen, zementiert er den Machtanspruch über die Westsahara.


Mauretaniens Regierung zeigt sich offenbar besorgt über eine „erhöhte Gefahrenlage“. Die Sicherheit könne in dem Gebiet nicht gewährleistet werden. In der Vergangenheit wurden immer wieder Goldschürfer vom militärischen Militär getötet. Zuletzt starben vier Goldschürfer nach einem Drohnenangriff, der wahrscheinlich von den marokkanischen Streitkräften ausgeführt wurde.⁸ So sicher sind „entmilitarisierte Pufferzonen“.


Nun verlegt Marokko offenbar schwere Artillerie in die Nähe von Bir Gandouz.⁹ Gleichzeitig berichtet Rheinmetall von einem Großauftrag von 980 Radpanzern in der Panzerfabrik im Süden Algeriens − mehr als die Bundeswehr selbst hat. Das Fahrzeug wird zur „Sicherung“ der Grenze zu Marokko genutzt.¹⁰

Westlicher Militärpartner mit eigenen Interessen

Im Kontext des sich zuspitzenden imperialistischen Kampfs um Einfluss in Westafrika und der Sahelzone könnte sich hier eine größere militärische Auseinandersetzung anbahnen. Nachdem westliche Armeen ihre Truppen aus der Region abgezogen haben, wächst die Bedeutung des Militärpartners Marokko. Das nordafrikanische Königreich verfolgt dabei eigene Interessen.


Den Völkern Nord- und Westafrikas sowie in der Sahelzone steht ein komplizierter antiimperialistischer Friedenskampf bevor. Zwischen ECOWAS, EU, USA, BRICS, MIST, der Union des Arabischen Maghreb, Wagner-Söldnern des russischen Imperialismus und NATO-Truppen ist der einzige zukunftsträchtige Bund die Einheit der Arbeiterklasse, die gemeinsam mit allen Unterdrückten für wirkliche Sicherheit sorgen kann. Der Zusammenschluss kämpferischer Kräfte in der 2023 gegründeten United Front wird sich in diesen Kämpfen stärken und siegen!