Rote Fahne 26/2023

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Das Märchen vom linken Antisemitismus – wer ist die ADL?

Seit Beginn des Gazakriegs nimmt auch die Hetze gegen einen angeblichen „linken Antisemitismus“ deutlich zu. Damit wird jegliche Kritik an der israelischen Politik als „antisemitisch“ diffamiert und das antikommunistische „Links-gleich-Rechts“-Grundmuster bedient:

Von einem Korrespondenten aus Bochum
Das Märchen vom linken Antisemitismus – wer ist die ADL?
„Linker Antisemitismus“: ein Maulkorb für jede Kritik am israelischen Staat (foto: Andres Carlo/Pixabay/CC0 )

Einen wesentlichen Ursprung hat das Narrativ vom „linken Antisemitismus“ bei der Antidefamation League (ADL)¹ aus den USA. Sie wurde 1913 gegründet, ursprünglich zum Kampf gegen Antisemitismus und Rassismus. So präsentiert sie sich auch selbst mit dem Slogan „Fighting Hate For Good“. Mittlerweile gilt sie als die „größte pro-israelische Lobbyorganisation in den USA“.² Sie ist Mitglied des American Israel Public Affairs Committee (AIPAC), das eng mit der israelischen Regierung zusammenarbeitet.

Zutiefst antikommunistisch

Die ADL präsentiert sich dabei als moralisch unantastbare Instanz, die sich angeblich den Rechten aller Menschen verpflichtet sieht. Dabei deckte Robert Friedman schon 1993 auf, dass die ADL tatsächliche und vermeintliche Kommunisten bespitzelt und die gewonnenen Daten unter anderem an das frühere faschistische Regime in Südafrika sowie an den israelischen Geheimdienst weitergegeben hat. Darunter waren Anti-Apartheids-Aktivisten, die NAACP³, die ACLU⁴, palästinensische und arabische Organisationen sowie Unterstützer der israelischen Gruppe Schalom Achschaw.⁵ Das offenbart den zutiefst antikommunistischen Charakter der ADL.

 

In einer Liste der Top Ten der antiisraelischen Organisationen in den USA führte sie 2013 auch die „Jewish Voice for Peace“ auf, eine Friedensinitiative die sich für eine diplomatische Lösung des Konflikts zwischen Israel und Palästina einsetzte. Ganz offensichtlich geht es der ADL also nicht um den Schutz der Rechte aller Menschen, sondern vielmehr um den Schutz der Interessen und Rechte des israelischen Imperialismus.

Zusammenarbeit mit Amadeu-Antonio-Stiftung

Was hat das alles mit Deutschland zu tun? Hier arbeitet die ADL eng mit der Amadeu-Antonio-Stiftung zusammen, dem deutschen Thinktank des verleumderischen Narrativs eines „linken Antisemitismus“. Gemeinsam beeinflussen sie die Bildungsarbeit an Schulen und Hochschulen zum Thema Antisemitismus. So waren beide Institutionen mit Vorträgen bei der diesjährigen Antisemitismus-Woche an der Ruhr-Universität Bochum vertreten. Die ADL hatte sogar die Abschlussveranstaltung unter dem Titel „Antisemitismus verstehen und Widerstand leisten“.

 

Statt dabei den dringend notwendigen Kampf gegen den Antisemitismus der Ultrareaktionäre und Faschisten zu führen, die bewaffnete Anschläge auf Synagogen begehen oder Jüdinnen und Juden auf offener Straße überfallen, wird die ganze Gesellschaft unter Generalverdacht gestellt. Das Narrativ des „linken Antisemitismus“ ist nichts weiter als ein Maulkorb für alle diejenigen, die sich gegen den israelischen Imperialismus und auf die Seite des palästinensischen Befreiungskampfs stellen, im Auftrag und in enger Zusammenarbeit mit dem israelischen Staat.