Rote Fahne 20/2023

Rote Fahne 20/2023

Stahltarifrunde 2023: Offensives Forderungspaket jetzt durchsetzen!

Für Ende November ist der Lohn- und Gehaltstarifvertrag in der Eisen- und Stahlindustrie gekündigt, die IG Metall hat die Forderungen beschlossen: 8,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt auf 12 Monate, eine 32-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich, die Verlängerung der Tarifverträge zur Altersteilzeit und Beschäftigungssicherung sowie eine soziale Komponente für IG-Metall-Mitglieder

Von MLPD-Landesleitung Nordrhein-Westfalen
Stahltarifrunde 2023: Offensives Forderungspaket jetzt durchsetzen!
Warnstreik in Duisburg im Jahr 2022

Die Stahlkonzerne lehnen dieses Paket rundweg ab. Gerade die Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich passe „überhaupt nicht in diese Zeit“, so ThyssenKrupp-Stahlvorstand Bernhard Osburg. Angeblich wegen dem Fachkräftemangel. Dabei verschweigt er, dass in den letzten drei Jahren 6000 Arbeitsplätze in der Stahlindustrie vernichtet wurden. Offensive Forderungen sind die richtige Antwort auf die anhaltend hohe Inflation und die Vernichtung von Arbeitsplätzen aufgrund des verschärften Konkurrenzkampfs sowie der Umstellung auf die Direktreduktion¹. Dazu wird die Entfaltung der vollen gewerkschaftlichen Kampfkraft notwendig sein!

„Fairer“ Lohn – und dazu noch „realistisch“?

Die IG-Metall-Führung versucht, unter den Kolleginnen und Kollegen die Illusion zu verankern, dass es um einen „fairen Lohn“ ginge, mahnt aber gleichzeitig, dabei „realistisch“ zu bleiben. So wurde die berechtigte Forderung vieler Kollegen nach einer mindestens zweistelligen Lohnerhöhung als „unrealistisch“ abgetan, um sie dann auf 8,5 Prozent einzudampfen. „Realistisch“ ist demnach für den IG-Metall-Vorstand nicht, was die Stahlarbeiter brauchen, sondern was den Stahlkonzernen gerade noch zuzumuten ist. Dazu gibt es heiße Diskussionen und massenhaft Kritik in den Betrieben. Umso wichtiger, dass es von den 8,5 Prozent und auch der Laufzeit von 12 Monaten keine Abstriche geben darf!

 

Einen „fairen“ Lohn kann es im Kapitalismus nicht geben. Was soll „fair“ daran sein, wenn sich die Kapitalisten den größten Teil der von den Arbeitern neugeschaffenen Werte aneignen und ihnen als Lohn nur das auszahlen, was sie zur Wiederherstellung ihrer Arbeitskraft benötigen? „Nieder mit dem Lohnsystem!“ Diese Losung von Karl Marx kann erst mit der Abschaffung von kapitalistischer Ausbeutung und Unterdrückung im Sozialismus Wirklichkeit werden. Auch um solche Fragen geht es zur Zeit bei den Diskussionen in den Stahlbetrieben.

Für Lohnnachschlag statt „Brückenstrompreis“!

Statt nun kämpferische Aktionen für die aufgestellten Forderungen zu organisieren, ruft die IG-Metall-Führung zu Aktionen für einen „Brückenstrompreis“ von 0,05 Euro für die energieintensive Industrie auf. Ein Kollege aus Duisburg kritisiert die am 26. September vor Tor 1 von ThyssenKrupp geplante Aktion: „Es ist nicht zu fassen, dass wir wieder für billigen Industriestrom auf die Straße gehen sollen, während wir das über unsere hohen Strompreise auch noch bezahlen sollen!“ Dagegen gibt es Überlegungen, noch vor der Tarifrunde selbstständige Aktionen für eine Einmalzahlung von 1000 Euro Netto und einen monatlichen Lohnnachschlag von 500 Euro zu organisieren. Das ist auch eine gute Vorbereitung auf die Tarifrunde und stärkt das Selbstbewusstsein!