Rote Fahne 11/2023

Rote Fahne 11/2023

Stahltarifrunde: Hohe Lohnforderung und 30-Stunden-Woche in der Diskussion

Die Tarifkommission Stahl und der IG-Metall-Bezirksleiter von Nordrhein-Westfalen, Knut Gießler, wollen in der nächsten Tarifrunde eine Forderung nach Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich aufstellen. Das entspricht dem Anliegen vieler Kolleginnen und Kollegen

Von (MLPD-Landesleitung Nordrhein-Westfalen)
Stahltarifrunde: Hohe Lohnforderung und 30-Stunden-Woche in der Diskussion
Seit Jahren fordern kämpferische Stahlarbeiter Arbeitszeitverkürzung – bei vollem Lohnausgleich! (Duisburg, 2017)

Seit Jahren fordern die Stahlbetriebsgruppen der MLPD die 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich als Antwort auf die Vernichtung zahlreicher Arbeitsplätze. In vielen Stahlbetrieben bei tkSE (Thyssenkrupp Steel Europe) gab es sieben Jahre lang bereits eine 31-Stunden-Woche, seit ein paar Jahren die Möglichkeit der Wahlarbeitszeit von 33 bis 35 Stunden pro Woche. Allerdings immer verbunden mit Lohnverlusten.

 

Die 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich ist eine offensive Antwort auf die bevorstehende Arbeitsplatzvernichtung durch die Umstellung vom Kohlebetrieb auf das umweltschonende Direktreduktionsverfahren mit Wasserstoff. Durch den Wegfall des Einsatzes von Kohle würden Arbeitsplätze unter anderem in der Kokerei, den Häfen und den Kraftwerken wegfallen. Die Forderung richtet sich direkt gegen die Interessen des Vorstands, der versucht, Produktivität und Maximalprofit auf Kosten der Belegschaften zu erhöhen.

 

Voller Lohnausgleich nicht bezahlbar?

 

Kein Wunder, dass Markus Grolms, Arbeitsdirektor und Personalvorstand von tkSE, davor warnte, dass dies nicht bezahlbar sei. Stattdessen hält er die Wahlarbeitszeit für das „bessere Instrument“. Klar, das kostet Thyssenkrupp ja nichts, weil der Lohnausgleich wegfällt. Im letzten Jahr steigerte der Konzern seinen offiziellen Gewinn von 800 Millionen sprunghaft auf 2,1 Milliarden Euro – unter anderem durch verschärfte Ausbeutung.

 

Es ist taktisch sinnvoll, dass die IG Metall die Forderung nach weiterer Arbeitszeitverkürzung zuerst im Stahlbereich durchsetzen will. Das ist der Bereich, in dem der gewerkschaftliche Organisationsgrad mit über 80 Prozent am höchsten ist. Die Stahlarbeiter diskutieren derzeit ihre Forderungen. Arbeitszeit, Löhne, Laufzeit der Tarifverträge, für alles sind klare Forderungen notwendig, die unter den IG-Metall-Mitgliedern diskutiert werden. Viele Arbeiter sind bereit, diese auch mit Streik durchzusetzen. Schon in der letzten Tarifrunde war die größte Kritik an der Gewerkschaftsführung, dass auf den Einsatz der vollen gewerkschaftlichen Kampfkraft verzichtet wurde.

 

Kräftige Lohnerhöhung muss ebenfalls her

 

Bei Thyssenkrupp sind viele für die Arbeitszeitverkürzung. Sie wollen aber nicht auf eine ordentliche Lohnerhöhung verzichten. Angesichts der extremen Inflation gibt es Vorschläge von 15 Prozent und mehr. Auch fordern sie, dass Thyssenkrupp die steuer- und abgabenfreie Prämie von 3000 Euro netto als Lohnnachschlag im Vorfeld auszahlt. Das versucht der ­IGM-Vorstand in die Tarifrunde zu schieben. Ohne selbständigen Kampf wird sich ein solcher Lohnnachschlag nicht durchsetzen lassen.