Rote Fahne 01/2021

Rote Fahne 01/2021

Wie der Schein trügen kann

Der deutsche Aktienindex (DAX) erreichte Ende Dezember zeitweise einen Höchstwert von über 13.800 Punkten. Seit dem Einbruch im März – auf unter 8442 Punkte – sind die Kurse um 63 Prozent gestiegen. Das wird von bürgerlichen Finanzanalysten als Vorausnahme der beginnenden wirtschaftlichen Erholung für 2021 gesehen. Was ist davon zu halten?

Von (ac)
Wie der Schein trügen kann
Bulle und Bär stehen in der Börsenwelt für steigende und fallende Kurse – beides basiert heute stark auf Spekulation. Grafik: pixabay geralt

Die anziehenden Kurse spekulieren darauf, dass mit den jetzt begonnenen Impfungen gegen das Coronavirus die Weltwirtschafts- und Finanzkrise überwunden werden könne.  Das folgt der falschen Theorie, die Weltwirtschaftskrise hätte rein äußere Ursachen, wäre lediglich der Pandemie geschuldet und würde mit dieser verschwinden. Aber das ist ein typischer Trugschluss der bürgerlichen Ökonomie, die innere, dem Gesellschaftssystem immanente Ursachen der kapitalistischen Krisen nicht wahrhaben will. Daher wird dann auf einmal auch die Wahl des neuen US-Präsidenten Joe Biden zum positiven Anstoß für die Wirtschaft. Nach dem Motto: Mit den richtigen Leuten läuft der Laden wieder.

 

Der Höhenflug des DAX sagt wenig aus über den künftigen Krisenverlauf. Zum einen bezieht sich die Hausse nur auf die Aktien weniger Monopole, die aber ein erhebliches Gewicht bei der Ermittlung der Indizes haben. Amazon beispielsweise hat einen 40-Prozent-Anteil im Bereich Standard-Konsumgüter. Beim DAX sind es sechs Monopole, die 50 Prozent des Index ausfüllen – darunter SAP, Siemens und Deutsche Telekom. Die breite Masse der Aktien liegt immer noch unter ihren früheren Höchstständen. Das gilt auch für Touristikunternehmen, Fluggesellschaften, Flugzeughersteller, Stahlproduzenten, einige Großbanken und Versicherungsgesellschaften sowie die Ölmonopole.

 

Die Spekulation mit der Konzentration auf bestimmte Aktien, die als mögliche Krisengewinner gelten, wird erst durch das billige Geld der Zentralbanken ermöglicht. Die zur Verfügung stehenden zinslosen Kredite, die der bürgerlichen Theorie nach die Konjunktur antreiben sollen, haben die Überakkumulation des Kapitals erweitert. Diese Kapitalmassen flüchten zunehmend in die Spekulation.

 

2020 gingen nicht nur die weltweiten Warenexporte um 9,2 Prozent zurück.1 Die grenzüberschreitenden Fusionen und Übernahmen brachen bis Oktober 2020 gegenüber 2019 um 15 Prozent ein, Investitionen in Neubauprojekte sogar um 37 Prozent und die Finanzierung internationaler Projekte um 25 Prozent.2

 

Die spekulativ steigenden Börsenkurse stehen im wachsenden Gegensatz zur realen Entwicklung der industriellen Produktion. Aufgrund des erneuten Lockdowns ist eher zu erwarten, dass die Wirtschaft Anfang 2021 nochmal erneut einbricht. Seit dem Ende der letzten Krise 2014 beträgt die Kursentwicklung an den Börsen das Acht- bis Zehnfache der Produktionsentwicklung. Die steigenden Börsenkurse sind also eher Vorboten eines erneuten Börsenkrachs.

 

Die Weltwirtschaftskrise kann nicht „weggeimpft“ werden und endet nicht mit der Corona-Pandemie. Sie wird enden, wenn das überschüssige Kapital abgebaut, wenn genügend Waren vernichtet und genügend Produktionsanlagen zerstört sind, sodass der Kreislauf von neuem beginnen kann und eine neue Krise vorbereitet. Das ist nun mal ein Gesetz der kapitalistischen Produktionsweise.