Rote Fahne 01/2021
„Unsere Gesundheit ist wichtiger als der Profit“
Während in den Medien so getan wird, als ob private Feiern hauptverantwortlich für die Ausbreitung des Coronavirus sind, sind in Wirklichkeit viele Betriebe und Schulen wahre Hotspots
Für die Beschlüsse der Bundesregierung zum „harten Lockdown“ vor Weihnachten gab der Präsident des Unternehmerverbandes BDA, Rainer Dulger, die unmissverständliche Anweisung, „vor allem die Zeit nach Feierabend“ zu berücksichtigen.1 Von Anfang an standen bei den Beschlüssen der Bundesregierung zu Corona die Profitinteressen an erster Stelle. Um die Produktion aufrechtzuerhalten, mussten die Schulen offen bleiben und der öffentliche Nahverkehr funktionieren. Das war letztlich auch die Ursache für die gravierende „zweite Welle“. Eingeschränkt werden vor allem die sozialen und kulturellen Kontakte.
Hotspots Logistikzentren, Schulen und Kitas
Das hat absurde Folgen. So verhängte die Stadt Neckarsulm nach einem starken Anstieg der Infektionszahlen im Dezember eine Ausgangssperre ab 20 Uhr, während gleichzeitig im Autowerk von Audi Zusatzschichten verfahren wurden. Das wissenschaftliche Institut der AOK hat die Statistik der Corona-Krankschreibungen ihrer 13,2 Millionen Versicherten im Zeitraum März bis Oktober nach Berufsgruppen analysiert. Das Ergebnis: An der Spitze stehen Berufe, die mit der Erziehung und Betreuung von Kindern zu tun haben. Sie sind mehr als 2,2-mal häufiger betroffen als andere Berufsgruppen.2
Das widerlegt die gern von bürgerlichen Bildungspolitikern verbreitete These, Kinder wären nicht ansteckend. Ver.di berichtet, dass mehrere Logistikzentren von Amazon, aber auch anderer Logistikunternehmen regelrechte Corona-Hotspots sind. So waren zum Beispiel im Logistik-Zentrum Garben nach Angaben von ver.di von 1500 Kolleginnen und Kollegen 300 mit Corona infiziert.
Corona-Erkrankten mit Abmahnung gedroht
Von Daimler in Mannheim berichtet ein Korrespondent: „Bis heute gibt es kein Händedesinfektionsmittel in den Toiletten oder an den Bändern. Nach und nach wurden ausreichend Masken verteilt, Pausenzonen entzerrt und so weiter.
Kollegen machten Vorschläge:
– Beibehaltung der Hygienezeit, damit sich die Schichten nicht treffen.
– Reduzierung der Schichten (Stückzahl und Mitarbeiter) bei Einführung von mehreren Schichten.
– „Verschnaufpausen“, wenn ein Abstand nicht möglich ist, und die Masken immer getragen werden müssen. Keiner dieser Vorschläge wurde umgesetzt.
Hier wird bewusst in Kauf genommen, dass sich Corona unkontrolliert verbreitet, und die Gesundheit und das Leben der Kollegen und Angehörigen wird aufs Spiel gesetzt. An Corona erkrankten Kollegen wurde vorgeworfen, sie hätten sich nicht an die vorgeschriebenen Maßnahmen gehalten. Man drohte ihnen sogar mit Abmahnungen.
Mittlerweile gibt es Abteilungen, in denen 20 Prozent infiziert sind. Kein Wort davon in der Öffentlichkeit! Der Unmut darüber nimmt zu, ebenso die Forderung nach Schließung von Abteilungen mit Corona-Fällen. Infektionen im Betrieb müssen als Arbeitsunfall anerkannt werden. Unsere Gesundheit ist wichtiger als die Profite!“