Rote Fahne 26/2020

Rote Fahne 26/2020

Eine Hommage an den „systemrelevanten Arbeiter“

Der Karlsruher Bildhauer Rainer Günther stellt sich vor

Eine Hommage an den „systemrelevanten Arbeiter“
Der „Corona Held – systemrelevanter Arbeiter“ ist aus Douglasie gehauen und 215 cm hoch, Foto: RF

Kannst du dich unseren Lesern vorstellen?

 

Nach meinem Bildhauer-Studium an der Kunstakademie Stuttgart bei Professor Hrdlicka von 1976 bis 1981 habe ich an zahlreichen Gruppenausstellungen und Bildhauersymposien teilgenommen und auch Einzelausstellungen bestritten. Die wichtigsten waren für mich die Einzelausstellungen in der Städtischen Galerie Isny, im Arbeiterbildungszentrum Stuttgart, im Künstlerhaus Karlsruhe zu Dietrich Bonhoeffer und die beiden großen Skulpturen- und Bilderausstellungen an der Landesakademie in Bad Wildbad und im Rathaus sowie Sophie-Park in Bad Liebenzell.


Die Corona-Krise hat dich in diesem Jahr besonders inspiriert …

 

In der öffentlichen Debatte haben mich die Titel „Corona-Helden“ und „systemrelevanter Arbeiter“ für Menschen, die mit Maske und ohne zusätzliche Pausen ihren harten Arbeitsalltag mit hohem Ansteckungsrisiko bewältigen, herausgefordert. So gesehen sind sie wirklich Helden, die auch in der Lage sind, ihre Systemrelevanz so zu nutzen, dass sie vereint dieses ausbeuterische kapitalistische System zerschlagen und eine neue Gesellschaft, den echten Sozialismus, aufbauen können. Zu meinem abgebildeten systemrelevanten Arbeiter gehört noch eine Skulptur, die eine alleinerziehende Frau im Homeoffice mit zwei Kindern zeigt. Sie ist noch nicht fertig ausgearbeitet. Bei der Eröffnung der Ausstellung der Werke des Bildhauersymposiums hat die Kunsthistorikerin Frau Simone Dietz bei meiner Arbeit die Ambivalenz des Begriffes „systemrelevant“ in den Mittelpunkt gerückt. Er erlaube direkt die Frage, wer oder was systemrelevant sei und in welchem System wir leben würden.


Du kennst die Lenin-Statue vor der Horster Mitte in Gelsenkirchen?

 

Ja, die Lenin-Statue ist beeindruckend und „fotogen“. Das fällt mir immer wieder auf, wenn ich sie in Publikationen sehe. Dem Bildhauer Vladimir Kyn ist es gelungen, Lenin lebendig, lehrend und lernend, in Zwiesprache mit dem Betrachter darzustellen. Bei der Gestaltung des Faltenwurfs und der leichten Körperdrehung orientiert er sich am Futurismus, eine in erster Linie fortschrittliche Kunstströmung, die leider von den italienischen Faschisten missbraucht wurde. Selbstverständlich gehört zur Statue von Lenin auch eine von Marx, da beide Namensgeber der MLPD sind. Bei der Gestaltung der Marx-Statue kommt es darauf an, dass die beiden Skulpturen miteinander korrespondieren. Es sollte zum Ausdruck kommen, dass Marx das philosophische Fundament gelegt hat, auf dem Lenin aufbauen konnte.


Was erwartest du für 2021?

 

Ich wünsche den Lesern der Roten Fahne für das neue Jahr Gesundheit und revolutionären Optimismus. Er soll uns beflügeln, dem kalten Wind von rechts mit einem scharfen Wind von links zu begegnen. Die Rote Fahne ist dabei Informations-, Diskussions- und Orientierungspunkt. Mit vereinter Kraft wird sie 2021 viele neue Leser gewinnen.


Vielen Dank für das Gespräch.