Rote Fahne 23/2020

Rote Fahne 23/2020

VW: Corona-Streik für besseren Arbeitsschutz

Am 23. Oktober legten in der Endmontage bei VW in Hannover 27 Kolleginnen und Kollegen für wirksamen Gesundheitsschutz die Arbeit nieder

VW: Corona-Streik für besseren Arbeitsschutz
Arbeitsniederlegung! Kollegen bestehen auf Schutzmaßnahmen (Grafik: Harm Bengen)

In der Produktion bei VW in Hannover gibt es eine große Unzufriedenheit und viel Diskussionen über die augenblickliche Situation. Auf der einen Seite machen sich die Kolleginnen und Kollegen Sorgen um ihre Gesundheit und die ihrer Familien wegen der steigenden Corona-Infektionen – auch im Betrieb. Auf der anderen Seite versucht die Geschäftsleitung, auf Teufel komm raus wenigstens einen Teil der ausgefallenen Produktion wieder reinzuholen. Dazu planen sie Zusatzschichten und fahren hohes Tempo an den Linien. Alle Maßnahmen, die während der Hochfahrphase zum Gesundheitsschutz eingeführt worden sind, wurden wieder abgeschafft: Entkopplung der Schichten, langsamere Bandgeschwindigkeit, zusätzliche Kollegen, längere Pausen. Der Schutz unserer Gesundheit wird rücksichtslos der Produktion und Gewinnmacherei von VW untergeordnet.

 

Auch im Betrieb ist es wie in Berlin: Das Corona-Krisenmanagement ist in eine Krise geraten. Die entlud sich am 23. Oktober an einem Band in der Endmontage. Am Tag zuvor war bekannt geworden, dass ein Kollege positiv auf Corona getestet worden war. Statt wie vom RKI vorgeschrieben, sofort alle Kontaktpersonen festzustellen, entsprechend nach Hause zu schicken und zu testen, ordnete der Meister lediglich an, dass alle Kolleginnen und Kollegen der Abteilung Masken tragen sollten. Daraufhin weigerte sich eine Gruppe von rund 27 Kollegen, die Arbeit aufzunehmen. Sie forderten, dass die Kontaktpersonen festgestellt, sofort nach Hause geschickt, getestet und wirksame Schutzmaßnahmen in der Abteilung umgesetzt werden. Die Mehrzahl der Kollegen ließen sich auch durch einen wütenden Schichtleiter nicht einschüchtern. Das Ergebnis war, dass einige Kollegen als Kontaktpersonen nach Hause gehen konnten. Nach circa 25 Minuten gingen die Kolleginnen und Kollegen wieder an die Arbeit. Die meisten waren stolz darauf, es mal VW gezeigt zu haben!

 

Die Aktion stieß in der gesamten Produktion auf große Zustimmung. Eine breite Mehrheit fordert inzwischen wirksame Gesundheitsschutzmaßnahmen, wie sie während der Hochfahrphase galten. Obwohl das RKI vorschreibt, dass Kontaktpersonen zweimal negativ getestet werden müssen, wurden die Kontaktpersonen bereits nach dem ersten negativen Test wieder zur Arbeit bestellt. Einige Kollegen ziehen deshalb eine Parallele zum kriminellen Abgasbetrug durch VW. „Wir müssen Strafe zahlen, wenn wir in der Innenstadt keine Maske tragen – und VW macht sich seine eigenen Gesetze.“ Kritik gibt es auch an der Haltung der Mehrheit im Betriebsrat. Statt die Kolleginnen und Kollegen zu unterstützen, wird das Vorgehen von VW unter anderem mit dem Argument gedeckt, dass das der Werksarzt entscheiden müsse.

 

Arbeits- und Ausbildungsplätze, Gesundheit, das Leben unserer Familien, die Umwelt – alles soll nach dem Willen des VW-Vorstandes dem Kampf um die Weltmarktführerschaft untergeordnet werden. Deshalb wächst nicht nur die Kritik am Kapitalismus, sondern ein wachsender, wenn auch noch kleiner Teil der Kolleginnen und Kollegen ist offen für eine grundsätzliche Alternative und sucht das Gespräch mit der MLPD.