Rote Fahne 22/2020

Rote Fahne 22/2020

Der Regenwald vor dem Aus?

30 000 Feuer brennen im brasilianischen Regenwald. Hinzu kommen die Großbrände im Westen der USA oder Brände in Sibirien und anderen Gegenden

Von (hl)
Der Regenwald vor dem Aus?
... durch das Abbrennen des Regenwalds – mit weltweit verheerende Auswirkungen auf Mensch und Natur, Foto: Pixabay pixundfertig

Durch diese Brände werden nicht nur CO2-Senken vernichtet, sondern es gelangt massiv zusätzliches CO2 in die Atmosphäre. 2019 verursachten allein die Flächenbrände in Australien 13 Proeznt des weltweiten menschengemachten CO2-Ausstoßes.


Die Zerstörung der Regenwälder ist das vielleicht deutlichste Beispiel der mutwilligen Zerstörung der Einheit von Mensch und Natur. Die Regenwälder waren bis vor kurzem nach den Ozeanen die wichtigsten CO2-Senken. Inzwischen sind sie gegenüber den borealen Wäldern (nördlichen Nadelwäldern) zurückgefallen. Diese negative Entwicklung wurde verursacht durch (Brand-)rodung und Waldvernichtung in Afrika (Kongo), Asien (besonders Indonesien) und vor allem Südamerika.


Kipppunkte stehen kurz bevor

Der brasilianische Regenwald strebt auf einen Kipppunkt zu, der bereits 2021 erreicht werden kann. Der südamerikanische Regenwald bildet ein System: Die Meereswolken regnen auf dem dichten Pflanzenteppich der Urwaldriesen ab, die Feuchtigkeit verdunstet wieder und wird weiter ins Landesinnere transportiert, bis es durch die Anden abgeschlossen wird. Wird der Regenwald durch Abholzung oder Brandrodung in größerem Umfang unterbrochen, bricht dieses System zusammen. Der Feuchtigkeitstransport stagniert und damit nach und nach der Regenwald selbst.


Der Regenwald ist heute bereits zu 20 Prozent vernichtet und kann sich nicht von selbst regenerieren. Wenn nicht in kürzester Zeit die kriminellen Machenschaften des Bolsonaro-Regimes und internationaler Konzerne gestoppt werden, wird aus dem Regenwald bis spätestens 2100 eine Steppenlandschaft.1


Vier elementare Folgen der Regenwald-Zerstörung


Dies hat nach heutigen Erkenntnissen vor allem vier elementare Folgen:


* Der Lebensraum der indigenen Völker wird zerstört. Zusammen mit der zum Teil mutwilligen Übertragung von Krankheiten (Covid-19) und den Machenschaften von Bolsonaros Mordbanden entwickelt sich dies zum Völkermord. Auch die tapferen brasilianischen Umweltkämpfer werden von faschistischen Milizen verfolgt und bekämpft. Ihnen gebührt unsere volle Solidarität und Unterstützung im Kampf dagegen!


* Durch die Zerstörung einer der wesentlichsten CO2-Senken und Sauerstoffproduzenten, der „Lunge der Welt“, wird die Erderwärmung noch weiter angeheizt und die Zusammensetzung der Atmosphäre verändert.


* Der südamerikanische Regenwald beheimatet die größte Artenvielfalt der Erde. Die Zerstörung der Lebensräume führt zu einer ungeheuren Zerstörung der Biodiversität und hat massive Auswirkung auf die Evolution insgesamt.


* In den gerodeten Gebieten tritt gewaltige Erosion ein. Damit werden die Erdmassen ausgewaschen und durch den Amazonas in den Atlantik transportiert. Auch diese Auswirkung kann erheblichen Anteil an einer globalen Umweltkatastrophe haben. Bereits jetzt hat sich auf Grundlage dieser Schwebstoffe und Erwärmung des Meerwassers ein Algenteppich gebildet, der zeitweise von der Karibik bis Afrika reicht.


Hauptverursacher: das internationale Finanzkapital

 

Die Abholzung erfolgt nicht in erster Linie, wie gerne dargestellt, durch Glückssucher, Goldgräber und Banditen. Zwei Drittel der Entwaldung in Brasilien gingen 2019 auf die Rechnung der Monopole und Übermonopole der Fleischindustrie. Exportiert wurden 1,64 Millionen Tonnen, davon in die EU (drittwichtigster Abnehmer) im Wert von 640 Millionen Euro. Sven Plöger schreibt dazu in seinem Buch „Zieht euch warm an!“: „Wie aktuelle Recherchen erstmalig nachweisen können, ging von den über 40 000 Tonnen Rindfleisch, die deutsche Handels- und Steakhausketten binnen der letzten fünf Jahre importiert haben, viel auf illegale Brandrodung und Abholzung zurück. Dahinter stehen Lieferanten wie Minerva, Marfing Foods und JBS S.A. … Partner auf deutscher Seite waren beispielsweise Block House, der Fleischkonzern Tönnies oder Frostmeat ...“2 8 Prozent der Abholzungen sind durch EU-Importe bedingt.

 

Mit dem Mercosur-Abkommen zwischen der EU und Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruquay, das im Herbst 2020 ratifiziert werden soll, würde die größte Freihandelszone der Welt errichtet und insbesondere der Agrarhandel massiv ausgeweitet. Dieses Abkommen zur Überausbeutung von Mensch und Natur muss verhindert werden.

 

Rettet den Regenwald! Schützen wir die indigenen Völker! Solidarität mit den brasilianischen Umweltkämpfern! Weg mit dem Mercosur-Abkommen!