Rote Fahne 19/2020
„Es gab erstaunliche Diskussionen ...“
Ein Korrespondent berichtet, wie er die Bewegung „Gib Antikommunismus keine Chance!“ unter seinen Kollegen bekannt macht
Im Vorfeld des Gewerkschaftstages hatten sich einige Kollegen gemeinsam gegen die Unvereinbarkeitsbeschlüsse positioniert. Ich bezog mich auf die damalige Auseinandersetzung und stellte den Bezug zur aktuellen Entwicklung mit der allseitig krisenhaften Entwicklung her. „Wir brauchen die Einheit der Belegschaft gegen jegliche Spaltung. Der Antikommunismus soll uns spalten, dazu wird er – gestützt auf Lügen und Halbwahrheiten – beständig geschürt. Wir brauchen eine sachliche Auseinandersetzung über die weitere gesellschaftliche Entwicklung. Das geht nur, wenn auf antifaschistischer Grundlage um den weiteren Weg gerungen wird und in der IG Metall wirkliche Überparteilichkeit praktiziert wird.
Alle Kollegen diskutierten offen, unabhängig davon, ob sie bereit waren, die Bewegung zu ihrer Sache zu machen oder nicht. Es gab zum Teil erstaunliche Diskussionen, die zeigten, dass sich die Kollegen zum Teil tiefgehende Gedanken machen. Das nicht nur über die weitere betriebliche Entwicklung mit Kurzarbeit und angekündigtem Personalabbau, sondern auch über die politischen Fragen – wie Kriegsgefahr, Migration oder Rechtsentwicklung der Regierung und mit der AfD. Die Polarisierung widerspiegelte sich dabei auch bei einem Kollegen, selbst Migrant aus einem osteuropäischen Land. Bei ihm war im Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise ein Konkurrenzdenken vorgedrungen. Inzwischen hängt er rechten Internetkanälen und Verschwörungstheorien an, obwohl früher Montagsdemonstrant und Unterstützer verschiedener fortschrittlicher Aktivitäten.
Die Mehrzahl der Kollegen grenzte sich klar ab von Faschismus und Antikommunismus. Einer berichtete, dass ihm schon bei den letzten Wahlen die Plakate der Internationalistischen Liste/MLPD gut gefallen hätten.
Fast 60 Prozent der Kollegen unterschrieben die Liste und direkt im Anschluss auch die Wahlzulassung für die Internationalistische Liste/MLPD zur Bundestagswahl. Knapp 30 Prozent nahmen die Liste erst mal mit zum Überlegen. Entscheidend bei allen war jedoch die offene Auseinandersetzung mit dem Antikommunismus und seinen Methoden. So wurde einem im Gespräch klar, dass er selbst aufgrund politischer Aktivitäten schon in der Schule Opfer des Antikommunismus geworden war. Das war ihm zum damaligen Zeitpunkt aber gar nicht bewusst.
Wir würden uns über mehr Erfahrungen und Zuschriften zu diesem Thema in der Roten Fahne freuen!