Rote Fahne 13/2020
Erfolgsgeschichte einer revolutionären Partei
Als die MLPD gegründet wurde, bescheinigten ihr die bürgerlichen Medien eine nur kurze Lebensdauer. Am 20. Juni wird sie 38 Jahre alt
Vom 17. bis 20. Juni 1982 beendete der 5. Zentrale Delegiertentag des Kommunistischen Arbeiterbunds Deutschlands die 14-jährige Vorbereitungsphase zur Schaffung einer neuen revolutionären Arbeiterpartei. Zugleich wurde diese Partei mit dem direkt anschließenden I. Parteitag der MLPD gegründet. Programm, Statut und die Richtlinien für die Zentrale Kontrollkommission wurden beschlossen.
Verblüfft schrieb Der Spiegel von „der einzigen derzeit links von der DKP intakten kommunistischen Organisation in der Bundesrepublik“.1 Die Reihe der allesamt gescheiterten kleinbürgerlichen K-Gruppen wurde der MLPD-Gründung gegenübergestellt. Dabei stieß die Analyse der neuen Partei auf offensichtliches Unverständnis: „Was da sonst in China neuerdings und in der Sowjet-Union schon länger getrieben wird, gilt als ,revisionistische Entartung‘; was in der DDR, in Polen und sonstwo im Ostblock vor sich geht, ,das ist‘, sagen die KABD-Funktionäre, ,kein Sozialismus. Da ist ein neuer Typ des Kapitalismus wiederhergestellt worden‘.“ 2
Noch rätselhafter war für die bürgerlichen Beobachter die Herausstellung der „proletarischen Denkweise“ als Ursache der klaren und unerschütterlichen Haltung. Ihr Unverständnis äußerte sich in der absurden Schlussfolgerung, dass – da die Arbeiter in der Partei das Sagen haben – „alles Theoretische also erst an zweiter Stelle kommt“.3
Ganz im Gegenteil war es die mit der proletarischen Denkweise hergestellte Einheit von revolutionärer Theorie und revolutionärer Praxis, die die Entwicklung der MLPD seitdem zu einer Erfolgsgeschichte machte!
Drei Monate nach der Parteigründung erfolgte mit der Wahl Helmut Kohls zum Bundeskanzler eine politische Wende. Die Partei führte den Kampf gegen den Bonner Rechtsblock aus CDU/CSU und FDP und den im Auftrag der Monopole geplanten Sozialabbau. In der Friedensbewegung gegen die Stationierung von Atomraketen auf bundesdeutschem Boden wurde sie aktiv und wirkte gezielt in Betrieben und Gewerkschaften. Gegen den Einfluss der revisionistischen DKP, die mit über 40 000 Mitgliedern damals ihre größte Blüte hatte, vertrat sie die revolutionäre Linie zur Frage Krieg und Frieden. Oft wurden MLPD-Mitglieder beschimpft und verlacht, wenn sie das bürokratisch-kapitalistische System der Sowjetunion als Koloss auf tönernen Füßen bezeichneten. Keine neun Jahre später erfolgte sein Zusammenbruch – und mit ihm der Bankrott der DKP!
Ihre Verwirklichung und Weiterentwicklung der dialektisch-materialistischen Weltanschauung, ihre systematische Kleinarbeit in Betrieben und Gewerkschaften, ihre ausschlaggebende Rolle bei der Förderung und Organisierung von Arbeiterkämpfen, ihr maßgeblicher Beitrag zum Aufbau der kämpferischen Frauenbewegung und zur Organisation der Rebellion der Jugend, ihre wachsende internationalistische Tätigkeit, ihr System der Kontrolle, ihre einzigartige Parteikultur und ihr erfolgreicher Generationswechsel – all das ermöglichte, dass sich die MLPD in bewegten Zeiten eine mittlerweile gesamtgesellschaftliche Rolle erkämpft hat.