Rote Fahne 08/2020
Zentrum Automobil im nationalen Phantasia-Land
Worüber sich die faschistoide Betriebsorganisation „Zentrum Automobil“ in Zeiten von Corona wirklich sorgt
Es dauerte, bis sich die faschistoide Betriebsorganisation „Zentrum Automobil“1 bei Daimler in Stuttgart zur Corona-Pandemie und deren Folgen äußerte. Denn wie die AfD, gerät auch das Zentrum in die Defensive angesichts der massenhaften Forderung nach Auflösung und Verbot des faschistischen AfD-Höcke-Flügels, die in der Belegschaft wächst.
Mit einem Video wenden sich Oliver Hilburger, Zentrum-Betriebsrat bei Daimler, und Tom Mechsner, Betriebsrat bei Porsche in Leipzig, jetzt an die Belegschaften und die Öffentlichkeit. Doch darin kein Wort zum skandalösen Umgang des Kapitals und der Regierung mit der Gesundheit der Arbeiter und Massen. Keinerlei Kritik daran, dass die zweiwöchige Betriebsruhe, die von Daimler angeordnet wurde, mit Unterstützung maßgeblicher Teile der Betriebsratsspitze voll auf Kosten der Arbeitszeit und des Urlaubs der Kolleginnen und Kollegen geht. Auch die Einkommensverluste durch die Kurzarbeit oder die Nullrunde beim Tarifabschluss sind den Ultrarechten keine Silbe wert.
Sorgen machen Mechsner dagegen die „immensen Auswirkungen auf die Wirtschaft“ und der Absturz des Dax.2 Und Hilburger: „Die momentane Situation zwingt uns, die globale Wirtschaftsordnung kritisch zu hinterfragen.“ Scheinbar übt er Kritik am „globalistisch-liberalistischen Wirtschaftssystem (das) einzig und allein wirtschaftlichen Gesichtspunkten“ dienen würde.
Tatsächlich stört Zentrum aber nicht der Kapitalismus, sondern nur die Internationalisierung der kapitalistischen Produktionsweise. Sie würde den „auf Solidarität ihrer Bürger gegründeten Nationen“ schaden. In welchem Phantasia-Land leben die beiden denn?
Zu keinem Zeitpunkt ihrer Geschichte haben die deutschen Monopole Solidarität mit der Arbeiterklasse geübt. Die völkisch begründete „Solidarität der Bürger“ war nie mehr als die Unterordnung der Arbeiterklasse unter die Monopole.
Das hat sich mit der Internationalisierung der kapitalistischen Produktionsweise nicht geändert. Neu ist, dass dabei ein internationales Industrieproletariat entstanden ist, das in der Lage ist, an der Spitze des Kampfs zur revolutionären Überwindung des Kapitalismus zu stehen. Der heuchlerischen Mär von der „Solidarität der Bürger“ setzen wir die Losung entgegen: „Proletarier aller, Länder vereinigt euch!“ Auch und gerade in Zeiten von Corona.