Rote Fahne 07/2020

Rote Fahne 07/2020

Arbeit, Leben und Kampf in der Krise

Streik in Mettingen strahlt aus

Arbeit, Leben und Kampf in der  Krise
Kämpferische Daimler-Arbeiter bei einem Warnstreik zur Tarifrunde, Foto: RF

Kollegen von Daimler in Mettingen und Bad Cannstatt berichten am Donnerstag, den 19. März:

 

Bis zum Streik bei Daimler in Mettingen oder einigen Teamversammlungen bei Porsche in Zuffenhausen hatte noch die Aussage von Führungskräften bei VW und Daimler gegolten, bis Freitag „normal“ zu arbeiten.

 

Aber im Laufe des Mittwoch muss wohl die Werkleitung, auch durch den Streik in Mettingen, von der Stimmung in den Werken Wind bekommen und die rechtliche Seite „neu bewertet“ haben. Denn Mittwoch um 13 Uhr, kurz vor Schichtwechsel, kam dann doch die Meldung : „ab morgen zu“.

 

Woher kam der plötzliche Sinneswandel? Das müssen wir noch weiter analysieren, auch das, was die Kollegen denken.

 

Unsere Kolleginnen und Kollegen in Bad Cannstatt waren noch nicht so weit, selbständig zu streiken, … da dies im Kern ja auch ein politi(sierter)scher Streik ist …

 

Wir fordern Stilllegung der Produktion statt Ausgangssperren!

 

Am 20. März schreiben Kollegen aus Berlin:

 

Die Forderung nach der zeitweiligen Stilllegung der Produktion wird massenhaft unter den Kolleginnen und Kollegen verschiedenster Betriebe in Berlin, unter anderem bei Siemens, diskutiert. Seit Anfang dieser Woche herrscht in vielen Büros der Betriebe eine Leere, von der in den Produktionswerkstätten keine Rede sein kann. Völlig berechtigt wurden die Angestellten aufgefordert, wo möglich von zu Hause zu arbeiten.

 

Für uns ist das aber nicht möglich, die Maschinen sind schlecht nach Hause transportierbar – auch ist es in vielen Bereichen, wie zum Beispiel der Instandhaltung, unmöglich, den geforderten Abstand von 1,5 bis 2 Metern einzuhalten.

 

Ein Kollege bei Siemens Berlin erzählt: „Ich bin empört, wie unsere Gesundheit der Aufrechterhaltung der Produktion und den Profiten ständig untergeordnet wird. Nicht mal ausreichend Desinfektionsmittel, Handschuhe oder Schutzmasken werden zur Verfügung gestellt, wenn wir auf kleinstem Raum zum Beispiel die Lkws be- beziehungsweise entladen. Das wäre ja wohl das Mindeste.“

 

Viele Kollegen kritisieren, dass Regierung und Monopole fordern, die sozialen Kontakte einzuschränken, und dass die zunehmend über Ausgangssperren diskutieren, aber kein Wort über unsere Situation in der Produktion verlieren. Immer mehr Kollegen fordern die Stilllegung der Produktion bei vollem Lohnausgleich.

 

Mehrere Kollegen sind aktuell aufgrund von Erkrankungen/Verdachtsfällen in ihren Familien, ihrem Umfeld zu Hause. Eine Kollegin berichtet: „Aufgrund eines Verdachtsfall in meinem Umfeld muss ich zu Hause in Quarantäne. Da ich selbst aber keine Krankheitssymptome habe, werde ich weder getestet noch für die Zeit krankgeschrieben. Es ist unverschämt, dass ich dafür jetzt geleistete Überstunden oder Urlaub verwenden soll.“

 

Ob Kollegen nach Hause geschickt werden, ist dabei oft sehr unterschiedlich. So berichtet die Kollegin weiter, dass ihr Mann trotz gleicher Umstände laut seinem Chef zur Arbeit muss, da er aktuell in Nachtschicht ist und die ansonsten abgesagt werden müsste. Wir werden weiter intensiv mit den Kolleginnen und Kollegen über die Stilllegung der Produktion und unseren Gesundheitsschutz diskutieren.