Rote Fahne 03/2020
Greenwashing der Stahlkonzerne – Umweltschutz geht anders
2,5 Prozent der CO2-Emissionen Deutschlands stammen aus den Hochöfen von Thyssenkrupp in Duisburg. Technisch ist die Umstellung auf CO2-freie Stahlerzeugung heute schon gelöst. Thyssenkrupp will sich dafür aber noch 30 Jahre Zeit lassen
Die erste Pilotanlage für das Wasserstoff-Direktreduktionsverfahren im schwedischen Luleå startet in diesem Jahr. In Schweden soll bis 2035 komplett auf diese neue, umweltfreundliche Technologie umgestellt werden.1 Thyssenkrupp Stahl (TKS) plant die Umstellung bis 2050. „Klimaschutz ist Teil unserer unternehmerischen DNA. Mit unserer Strategie wird eine klimaneutrale Stahlerzeugung schrittweise Realität“ – so tönt Premal Desai, Sprecher des TKS-Vorstands.2
Die „Schritte“, die Thyssenkrupp gehen will, sind aber viel zu klein, zu spät und teils auch falsch. 300 Kilogramm Koks und 200 Kilogramm Kohlenstaub werden im Hochofen zur Herstellung von einer Tonne Rohstahl benötigt. TKS geht seit 11. November lediglich den Weg, an einer von 28 Blasformen am „Hochofen 9“ statt Kohlenstaub Wasserstoff einzublasen. Dies soll in langsamen Schritten dann erweitert werden.3 Einer der Großhochöfen („Schwarzer Riese“) müsste neu zugestellt werden – das wäre doch die Gelegenheit, hier gleich eine neue Anlage für das Wasserstoff-Verfahren zu bauen.
Doch Thyssenkrupp handelt nach der Devise: Umweltschutz nur, soweit er dem Profit nicht schadet, oder wenn damit gar neuer Profit zu machen ist. Der Konzern geht immer nur so weit, wie es Subventionen oder Vorteile im Konkurrenzkampf bringt. Bisher 1,6 Millionen Euro vom Land NRW sind TKS zu wenig, sie drängen auf Milliarden-Subventionen. Für das Forschungsprojekt „Carbon to Chem“(C2C)4 hat TKS schon 60 Millionen Bundes-Subventionen bekommen. Hüttengase sollen dann nicht nur für die Stromerzeugung verwendet werden, sondern auch als Ausgangsprodukt für die Chemieindustrie. So will TKS Subventionen und Profite weiterhin aus dem Geschäft mit Hüttengasen kassieren, aber auch aus einem Minimal-Einstieg in die Wasserstoff-Technologie. Bei einer wirklichen Umstellung auf CO2-freie Stahlprodukte wäre das C2C-Geschäft jedoch im Eimer. Auch das steckt hinter dem Greenwashing des Konzerns.
Bis vor Kurzem hielten viele Kolleginnen und Kollegen die CO2-basierte Stahlproduktion für „alternativlos“, das hat sich geändert. Heute wird heftig diskutiert: „Wer soll das denn bezahlen, was wird aus meinem Arbeitsplatz, das geht doch alles nicht so schnell.“ Kämpferische Kolleginnen und Kollegen argumentieren, dass nicht die Umstellung auf CO2-freie Stahlerzeugung die Arbeitsplätze vernichtet, sondern das Profitstreben der Stahlkonzerne. Schon jetzt planen diese – ganz ohne Wasserstoff-Direktreduktionsverfahren – die Vernichtung Tausender Arbeitsplätze.
Der Kampf dagegen steht auf der Tagesordnung. Intensiv wird in den Belegschaften diskutiert, wie ein dafür notwendiger konzernweiter selbständiger Kampf vorbereitet und organisiert wird. Das muss von vornherein mit dem Eintreten für umweltschonende Produktionsverfahren verbunden werden. Umweltschutz und Erhalt der Arbeitsplätze – beides kann nur im Kampf auf Kosten der Monopolprofite durchgesetzt werden.