Rote Fahne 25/2019
Delikate Schirm„herrschafts“- angelegenheiten
Der Wuppertaler Beigeordnete für Kultur, Sicherheit und mehr, auch CDU-Kreis-Chef, hat dieses Engels-Gedenken „Engels2020“ in seiner Hand: Matthias Nocke.
Da gehört es sich freilich, den Engels in Geleitworten auch wissenschaftlich wegweisend zu ehren! Er sagt also, der junge Engels „führt in Wuppertal (na ja, das gab’s noch nicht, es war Elberfeld – d. Verf.) die weltweit erste (oh, so schön das wäre, es gab vorher schon regional andere, und in Elberfeld war’s schon die vierte!) kommunistische Versammlung durch, die der Oberbürgermeister (ach nö, kein Ober-, damals einfach der Bürgermeister) als Zuhörer protokolliert (klingt gesittet, stattdessen drohte der vorher dem Hotelier mit Lizenzentzug, wenn der den Raum vermietet) – um dann die Polizei zu informieren (auch das zu niedlich – tatsächlich kam er mit einem Trupp bewaffneter Polizisten).“
Natürlich, sagt Engels, „wurden unter solchen Umständen keine öffentlichen Ansprachen gehalten. Die Versammlung befaßte sich mit Beefsteaks und Wein und gab der Polizei keinen Anlaß zum Einschreiten.“1
Jetzt aber hat Nocke selber das Problem: Wieder eine Versammlung. Diesmal wirklich im weltweiten Rahmen. Diesmal eine sprechende Kommunistin, und Arbeiterin – auch noch zu einem Engels-Text! Vielleicht könnte Nocke sich hinbemühen – um zu „protokollieren“? Und nebenbei auch noch etwas mehr über Engels erfahren? Das sonstige Riesenaufgebot professoraler Referenten wird ihm da ja wohl kaum weiterhelfen.
Ja nun, die Einladung steht, 23. April 2020 – in Barmen! Leider vermutlich ohne Nocke. Der entschied „i.V.“, dass „Akteuren, die die Abschaffung des demokratischen Verfassungsstaates verfolgen, keine … Plattform unter der Schirmherrschaft (übrigens auch der NRW-Ministerpräsident Armin Laschet schirmherrscht – d. Verf.) der Stadt Wuppertal“ geboten werden könne. Hui! Friedrich Engels würd’s sicher gleich merken, das geht doch hintenrum ganz schön auch gegen ihn – diesen „Akteur“?!
So schrieb Engels im Kommunistischen Manifest, nur ganz beispielsweise rausgegriffen: „Wenn das Proletariat im Kampfe gegen die Bourgeoisie sich notwendig zur Klasse vereint, durch eine Revolution sich zur herrschenden Klasse macht und als herrschende Klasse gewaltsam die alten Produktionsverhältnisse aufhebt, so hebt es mit diesen Produktionsverhältnissen die Existenzbedingungen des Klassengegensatzes, der Klassen überhaupt, und damit seine eigene Herrschaft als Klasse auf. An die Stelle der alten bürgerlichen Gesellschaft mit ihren Klassen und Klassengegensätzen tritt eine Assoziation, worin die freie Entwicklung eines jeden die Bedingung für die freie Entwicklung aller ist.“ 2
Welch eine verdammt verzwickte Lage für die Schirmherren. Wenn denn nun tatsächlich jemand im Laufe dieses Engels-Jahres den Engels läse, ihn gar ernst nähme, sogar praktische Konsequenzen für heute zöge (!)? – Es könnte nur eins geben: sofortigen Schirmentzug!
Übrigens schreibt Engels weiter über die unterbundene Versammlung: „Diese Maßnahmen konnten jedoch unserer Sache nur dienen. Diejenigen, die noch nichts von ihr gehört hatten, fühlten sich nun veranlaßt, sich über die Sache zu informieren, … und ein großer Teil derjenigen, die, ohne unsere Vorschläge zu kennen oder um sie zu verspotten, zur Diskussion erschienen waren, ging mit größerem Respekt vor dem Kommunismus heim. … Kurz, die Wirkung dieser Versammlungen auf die öffentliche Meinung des gesamten Industriebezirks war wirklich wunderbar … “ 3