Rote Fahne 23/2019
Was ist los bei den Autozulieferern?
Die Wechselwirkung verschiedener Krisen hat gravierende Folgen für die Beschäftigten der Autozulieferbranche
Am 25. Oktober schreibt die Süddeutsche Zeitung über die Entwicklung in der Autozulieferindustrie: „Continental, Bosch, ZF, Mahle, Brose – überall droht massiver Jobabbau, Fabriken sind von Schließungen bedroht. Dazu kommen, fast unbemerkt von der Öffentlichkeit, die Insolvenzen der kleinen, oft unbekannten Zulieferfirmen.“1
In Deutschland haben sich mit Bosch, Continental und ZF auch in der Zuliefererindustrie starke internationale Übermonopole herausgebildet. Neben diesen dominierenden Monopolen gibt es zahlreiche kleinere Monopole und mittelständische Firmen – allein in Nordrhein-Westfalen gibt es 250 Autozulieferer. Insgesamt zählt die deutsche Automobilzulieferindustrie nach Angaben des VDA2 300.000 Beschäftigte. Dazu kommen 190.000 Beschäftigte der Nutzfahrzeugindustrie.
Angesichts des Übergangs in eine neue Weltwirtschaftskrise kommt es zu einer nicht mehr klar zu trennenden Wechselwirkung zwischen der zyklischen Überproduktionskrise und den drei gegenwärtig wirkenden Strukturkrisen auf der Grundlage der Neuorganisation der internationalen Produktion, der Digitalisierung und der Umstellung von Verbrennungsmotoren auf Elektromobilität.
Continental spaltet seine Antriebssparte Vitesco mit weltweit 40.000 Beschäftigten ab. Finanzvorstand Wolfgang Schäfer sagte am 22. Oktober: „Das Powertrain-Geschäft (Antriebsstrang bei Fahrzeugen – Anm. d. Verf.) muss sich schnell anpassen. Da werden sich neue Spieler zusammenfinden.“ 3 Das heißt, es geht um Fusionen und Übernahmen in der Neuaufteilung der Weltmarktanteile, bezogen auf die alte Technik, aber auch um Fusionen und Zusammenschlüsse bei den Elektroauto-Antrieben.
Die Folgen der Wirtschaftskrise und der verschiedenen Strukturkrisen schmälern die Profite der Zulieferer. Zugleich sind sie gezwungen, in neue Technologien zu investieren. Dazu kommt, dass die Automonopole zur Sicherung ihrer Profite auf diesem Hintergrund ihrerseits den Druck auf die Zulieferer steigern. Deshalb sind die Folgen der krisenhaften wirtschaftlichen Entwicklung bei den Kolleginnen und Kollegen in den verschiedenen Betrieben der Autozulieferer besonders gravierend. Neben den bereits Tausenden entlassenen Leiharbeitern nimmt die Kurzarbeit beschleunigt zu. Die Kolleginnen und Kollegen müssen sich über die bereits jetzt angekündigten Werksschließungen hinaus auf erhebliche Arbeitsplatzvernichtungen, Insolvenzen, Schließungen und eine Steigerung der Überausbeutung einstellen. Umso wichtiger ist, dass sich jetzt die Arbeiterinnen und Arbeiter im Kampf zur Verteidigung ihrer Arbeitsplätze und zum Schutz der Umwelt zusammenschließen. Mit der 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich können Arbeitsplätze erhalten werden, kann der Kampf gegen die Profitinteressen der Monopole offensiv geführt werden. Dazu braucht es starke Gewerkschaften als Kampforganisationen. Und eine starke MLPD, damit die Kämpfe sich nicht nur gegen die Folgen, sondern mehr und mehr gegen die gesellschaftlichen Ursachen der kapitalistischen Krisen richten.