Rote Fahne 10/2019

Rote Fahne 10/2019

PSA-Chef Tavares provoziert Opel-Belegschaft

Auf der kurzfristig einberufenen Belegschaftsversammlung bei Opel in Rüsselsheim am Dienstag, 9. April, informierte der Betriebsrat über weitere massive Angriffe auf die Opel-Belegschaft

Von Redaktion Rote Fahne
PSA-Chef Tavares provoziert Opel-Belegschaft
Foto: Frank Vincentz

Rote Fahne: Um was ging es bei der Versammlung?

 

Kollege: Für uns war das Wichtigste die Bekanntgabe, dass PSA die geplanten Entlassungen der Jungfacharbeiter nach zwölf Monaten zurücknehmen musste. Das gilt für die Auslerner vom Sommer 2018 bis Winter 2019. Das ist ein großer Erfolg der Kampfeinheit von Jung und Alt, der gesamten Belegschaft, die mit verschiedenen Kampfaktionen, Unterschriftensammlungen immer mehr in die Offensive gekommen sind. Der Vorsitzende der Jugend- und Ausbildungsvertretung bedankte sich dafür bei den Kolleginnen und Kollegen. Er überreichte dem Personalchef 5000 Unterschriften und eine Resolution der Jugend-Vertrauensleute, mit der Forderung nach Einstellung von jährlich 190 Azubis. Die ganze Halle stand auf und forderte die Übernahme für alle künftigen Auslerner. Dieser Erfolg unterstreicht, dass die Belegschaft sich erfolgreich gegen die Pläne von PSA durchsetzen kann.

 

Kollegin: Konkreter Anlass der Versammlung war die Bekanntgabe des Ergebnisses der Einigungsstelle über den Verkauf eines Teils des Forschungs- und Entwicklungszentrums an den französischen Konzern Segula. Davon sind 2030 Kolleginnen und Kollegen betroffen. Viele  Kolleginnen und Kollegen sind damit nicht einverstanden. Denn es bedeutet, dass 2030 Kolleginnen und Kollegen entweder zu Segula verschoben werden oder einen Aufhebungsvertrag unterschreiben sollen. Diese Erpressung wurde dreist mit der Übernahme der Jungfacharbeiter verknüpft. Das kann kein Gewerkschafter akzeptieren! Offenbar ist PSA durch den Protest aus dem Entwicklungszentrum dem so einfach nicht mehr Herr geworden! Viele  kritisieren, dass der Betriebsrat nicht auf die vorhandene Kampfbereitschaft gesetzt hat.

 

Kollege: Ein Hammer war die Information des Betriebsrates über die weiteren Pläne des PSA-Chefs Carlos Tavares. So soll eine mögliche Modellzusage des Astra mit weiteren Erpressungen und einem Ausspielen gegen die Belegschaft in Ellesmere Port verbunden sein. Investitionen soll es dafür nur geben, wenn die „Kosten“ pro Fahrzeug auf  950 Euro gesenkt werden. Das geht doch wieder nur auf unsere Knochen! Die weitere Produktion von Pressteilen für Eisenach soll von der Einführung regelmäßiger Samstagsarbeit abhängig gemacht werden. Offensichtlich träumt Tavares sogar davon, unsere Löhne an die Löhne in Ostdeutschland anzugleichen. Laut dem Betriebsratsvorsitzenden Wolfgang Schäfer-Klug gefährden die Pläne insgesamt bis zu 5000 Arbeitsplätze in allen Opel-Standorten. Das Wesen des Zukunftsvertrags von 2018 ist nicht der vermeintliche Schutz vor Kündigungen bis 2023, sondern die Verwirklichung des Plans zur Profitmaximierung.

 

Jetzt bewahrheitet sich, worauf die Kollegenzeitung Blitz sowie die MLPD immer wieder hingewiesen haben: mit Zugeständnissen kann man seine Rechte und Interessen als Arbeiterin und Arbeiter nicht verteidigen und durchsetzen, das geht nur durch offensive Kampfmaßnahmen.

 

Kollegin: Jetzt wird auch deutlich, dass die Hetze und Diffamierung gegen die sogenannten „Roten“ nur PSA nützt. Das dürfen wir als Belegschaft nicht  zulassen! 

 

Wie hat die Belegschaft auf die Pläne von PSA reagiert?

 

Kollege: Wir sind ziemlich empört. Jetzt müssen wir gründliche Schlussfolgerungen ziehen. Es geht jetzt nicht darum, den Zukunftsvertrag zu verteidigen. Wir können nur auf dem Weg des Kampfs Erfolge erzielen. Wir brauchen den Zusammenschluss mit den Belegschaften anderer Autokonzerne über die Ländergrenzen hinweg im gemeinsamen Kampf für die 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich und Sofortmaßnahmen zum Schutz der natürlichen Umwelt. Bei der Jugend müssen wir nachhaken und die unbefristete Übernahme aller Jungfacharbeiter erkämpfen. Ebenso die Aufstockung der Ausbildungsplätze auf zehn Prozent. Der Kampf muss im ganzen Konzern um jeden Arbeitsplatz geführt werden – dafür hat die Diskussion über einen konzernweiten internationalen Aktionstag begonnen.

 

Vielen Dank und viel Erfolg!