Rote Fahne 02/2019

Rote Fahne 02/2019

Die Geldgeber der AfD

Wie wenig die AfD mit einer „Partei der kleinen Leute“ zu tun hat – was sie gerne vorgibt –, zeigt ein Blick auf ihr ehemaliges oder amtierendes Führungspersonal

Von (sr/ms)
Die Geldgeber der AfD
Viel Geld steht hinter der AfD – allein von einer Schweizer Firma illegale 132.000 Euro nur für den Wahlkampf von Alice Weidel

Arbeiter und „kleine Leute“ sind darunter weit und breit nicht zu finden. Unter den Gründern der AfD befanden sich mit Hans Olaf Henkel und Heinrich Weiß stattdessen gleich zwei ehemalige Präsidenten des mächtigen Unternehmerverbands BDI1. Weiß war darüber hinaus jahrelang Bundesvorsitzender des CDU-Wirtschaftsrats. AfD-Chefin Alice Weidel kommt aus der Vermögensverwaltung des Allianz-Konzerns. Vorher hat sie bei Goldman Sachs gelernt, studiert und als Unternehmensberaterin gearbeitet.

 

Im Wahlkampf wollte Weidel die AfD als „saubere Partei“ ohne große Geldgeber verkaufen. Zugleich flossen mehrere illegale Spenden einer Schweizer Pharmafirma während des Bundestagswahlkampfes zwischen Juli und September 2017 auf das Konto von Weidels AfD-Kreisverband Bodensee.

 

Insgesamt handelte es sich um 18 Tranchen im Wert von 132.000 Euro. Als Zweck der Spenden gab der Geldgeber an: „Wahlkampfspende Alice Weidel“. Nach Aussagen von Weidels Sprecher wurde das Geld zumindest zum Teil im Bundestagswahlkampf 2017 eingesetzt, besonders im Internetwahlkampf unter anderem für den Kauf von Facebook-Likes. Mehr als ein halbes Jahr später, im April 2018, überwies die AfD rund 124.000 Euro an die Schweizer Firma zurück und wollte sich so aus der Affäre ziehen. Der tatsächliche Spender, für den die Schweizer Pharmafirma „treuhänderisch“ das Geld überwies, blieb bisher unbekannt. Es handelt sich vermutlich um August von Finck junior, einem deutschen Milliardär mit Wohnsitz in der Schweiz. Auf der „Forbes“-Liste der reichsten Milliardäre der Welt steht er mit einem Vermögen von geschätzten 8,6 Milliarden US-Dollar auf Platz 167. August von Finck senior war ein Bewunderer Hitlers und finanzierte die Hitler-Faschisten. Finck ging schon durch die „Mövenpick-Spende“ an die FDP in die Affärengeschichte ein. In seinem Auftrag setzte sich die FDP damals in den Koalitionsverhandlungen erfolgreich für die Senkung des Mehrwertsteuersatzes auf Übernachtungen in Hotels ein: von 19 auf 7 Prozent. Von Finck erwarb die Namensrechte für den Degussa-Konzern, um diesen für seinen Goldhandel zu nutzen. Die AfD warb im letzten Jahr mit dem Goldhandel von Degussa. Zutiefst abstoßend, wenn man bedenkt, dass eine frühere Tochterfirma der Degussa die Firma Zyklon B war, die das gleichnamige Gas für die Gaskammern der Vernichtungslager im Faschismus herstellte. Damals wurde in den Schmelzöfen das Zahngold der Juden eingeschmolzen.

 

Ganze 16 Millionen Euro stehen der Bundestagsfraktion der AfD im Jahr zur Verfügung. Auch im Bundestag wird ihnen von den Buchprüfern sachfremde Verwendung der Gelder vorgeworfen.

 

Das zeigt, dass sich die Finanzpraxis der AfD in keiner Weise von den Gepflogenheiten der anderen bürgerlichen Parteien unterscheidet, sowohl was ihre Abhängigkeit von Geldgebern aus Kreisen des Finanzkapitals, als auch was ihre Bereitschaft zu allen möglichen Finanztricks betrifft. Ein Kontrastprogramm zum durchschnittlichen Haushalt einer Arbeiterfamilie, die vom mühsam verdienten Lohn sparsam leben muss.     

 

1 Bundesverband der Deutschen Industrie