Rote Fahne 26/2018
Abschied von Anne Slave
Fast 160 Menschen nahmen am 17. November auf dem Dresdner Heidefriedhof Abschied von Anne. Sie war mit nur 60 Jahren an einer Krebserkrankung gestorben
Die Wege, die Du beschritten hast, um für mehr Gerechtigkeit auf der Welt zu sorgen, waren selten die bequemen“, schrieben die IGBCE-Vertrauensleute von Global Foundries. Gemeinsam mit Anne hatten sie in diesem US-Betrieb, der möglichst gewerkschaftsfrei bleiben sollte, einen Betriebsrat durchgesetzt. Sie würdigten Anne: „Das Wort Solidarität ist untrennbar mit Annes Person verbunden.“
Viele Trauergäste hoben vor allem Annes Geradlinigkeit, ihre unbedingte Verlässlichkeit, ihre Streitbarkeit und Herzlichkeit hervor. Und viele erinnerten sich an ihr verschmitztes Lächeln. Anne entschied sich früh in ihrer Jugend für die Rebellion gegen die herrschenden Verhältnisse. Nie hat sie geschwankt.
Anne lebte seit 1993 in Ostdeutschland. Ihr Mann Günter ist seit der Parteigründung Mitglied im Zentralkomitee der MLPD. Beide waren ein aufs Engste verbundenes Team. Und Anne war eine stets solidarische und impulsgebende Partnerin – gerade in Situationen, die auch schwierig waren. Anne hatte ein unerschütterliches Vertrauen in die Menschen, mit denen sie zu tun hatte. Sie war erfüllt vom Kampf um den echten Sozialismus. Wir Genossinnen und Genossen in Dresden waren über 20 Jahre eng mit ihr verbunden. Immer suchte sie nach Wegen, unsere Arbeit zu verbessern. Sie sparte nicht mit Kritik und war zugleich immer mittendrin. Wir waren eng mit ihr verbunden und konnten manchmal auch helfen, Züge zur Sturheit zu überwinden.
Es war ein Schock, als 2004 zum ersten Mal ihre Krebserkrankung auftrat. Anne blieb eine Kämpfernatur und ließ sich nicht kleinkriegen. Der Kampf gegen die Krankheit wurde von da an Annes und Günters ständiger Begleiter. Sich ins Glashaus zurückziehen, so sagte sie selbst, wollte sie nie! Anne war ein Beispiel proletarischer Kampfmoral. Beide machten kein großes Aufhebens um sich, setzten sich aber immer genau mit der Situation und dem Krankheitsverlauf auseinander – „offenherzig und optimistisch“, erinnern sich Genossen.
Annes letzte Lebensphase begann mit der dritten Krebserkrankung 2016. Nach und nach versagten alle Behandlungsmöglichkeiten. Uns wird in Erinnerung bleiben, wie Anne im Team mit Günter diesen letzten Lebensabschnitt gestaltete, Besuche erhielt, Grüße las und solange sie konnte – mit uns diskutierte. Einer der letzten Termine, die sie neugierig und engagiert wahrnahm, war eine Beratung über die Entwicklung unseres Jugendverbandes im Kreis. Das lag ihr besonders am Herzen.
Annes Lust am Leben und am Kämpfen war bis in die letzten Tage zu spüren. Dann erlahmten ihre Kräfte. Am frühen Morgen des 24. Oktobers starb sie zu Hause bei Günter. Von Anne Slave bleibt viel in unseren Reihen.
Ein Arbeitskollege schreibt:
„Du warst nicht nur eine Kollegin, sondern eine Genossin, eine Kämpferin, eine Partisanin, die an allen Fronten, überall auf der Welt für Frieden und Gerechtigkeit gekämpft hat! ... du warst ein Mensch!“
Anne schrieb ihre Erinnerungen auf. „Mittendrin in sechs bewegten Jahrzehnten“ kann als Fotobuch (ca. 30 Euro) bei uns bestellt werden:
fotobuch-anne@web.de