Rote Fahne 25/18
„Gegen die Schmach der Judenpogrome“
Mit einer Sonderausgabe ihres illegal erscheinenden Zentralorgans Rote Fahne nahm die während des Hitler-Faschismus verfolgte KPD1 nach der Reichspogromnacht im November 1938 Stellung². Wir dokumentieren Auszüge, die die konsequente Haltung der Kommunisten zur Frage des Antisemitismus belegen
Getreu den stolzen Traditionen der deutschen Arbeiterbewegung, im wahren Geiste der größten deutschen Dichter und Denker erhebt die Kommunistische Partei Deutschlands ihre Stimme gegen die Judenpogrome Hitlers, die vor der gesamten Menschheit die Ehre Deutschlands mit tiefster Schmach bedeckt haben. …
Es ist eine elende Lüge, daß die Pogrome ein Ausbruch des Volkszornes gewesen seien. Sie wurden von langer Hand vorbereitet, befohlen und organisiert allein von den nationalsozialistischen Führern. …
Es sind … nicht die Juden, die den Arbeitern die Löhne niedrig halten, den Achtstundentag vernichtet haben, die unerhörteste Ausbeutung betreiben, die Männer aus ihren Familien reißen und zur Zwangsarbeit für den Krieg verschicken. Es sind die nationalsozialistischen Führer im Auftrag des Großkapitals, die diese brutalste Unterdrückung und Ausbeutung der deutschen Arbeiterklasse betreiben.
Es sind nicht die Juden, die den deutschen Mittelständler mit riesigen Steuern und Abgaben vernichten, den Handwerker der notwendigsten Rohstoffe berauben, den Bauern unter die Fuchtel einer unkontrollierten korrupten Bürokratie gezwungen haben. Es sind die nationalsozialistischen Führer als Agenten der Rüstungsgewinnler, die diese Politik durchführen.
Es sind nicht die Juden, die heute in Deutschland jedes freie Wort verfolgen, Hunderttausende in die Konzentrationslager und Zuchthäuser sperren, Zehntausende von Kommunisten, Sozialisten, Demokraten, Katholiken, Evangelischen, Menschen aus allen Ständen und Schichten unseres Volkes gefoltert und ermordet haben. All diese Verbrechen wurden und werden von den nationalsozialistischen Führern im Interesse einer hauchdünnen Oberschicht von Monopolkapitalisten vollbracht. An der Ausraubung der Juden bereichern sich nur diese Rüstungsmillionäre und braunen Bonzen. …
Immer in der Vergangenheit hat die Reaktion, wenn sie ein Volk aufs Schlimmste ausplünderte und die Erbitterung des Volkes fürchtete, sich der schmutzigen Mittel der Judenhetze und der Pogrome zum Zwecke der Ablenkung von den wahren Schuldigen am Volkselend bedient. So war es im Mittelalter. So war es unter dem russischen Zarismus. ... Lenin prangerte im zaristischen Rußland die Pogrome der Schwarzen Hundert als einen Teil des Bürgerkriegs der Herrschenden gegen die Werktätigen an. Stalin sagte im Jahre 1931: „Als konsequente Internationalisten sind die Kommunisten überzeugte und unversöhnliche Feinde des Antisemitismus.“ Es ist kein Zufall, daß in der Sowjetunion, dem Lande des Sozialismus und des wahren Völkerfriedens, wo jede Ausbeutung beseitigt wurde, es keinen Antisemitismus gibt. Es ist ebenso wenig ein Zufall, daß in Hitlerdeutschland, wo das ganze Volk von einem Klüngel von Großkapitalisten beherrscht wird, der Antisemitismus und das Judenpogrom eines der wichtigsten Mittel der Nazidiktatur zur Verteidigung der Ausbeuterherrschaft und der Inszenierung der Kriegshetze gegen andere Völker geworden ist. Der Kampf gegen die Judenpogrome ist deshalb ein untrennbarer Teil des deutschen Freiheits- und Friedenskampfes gegen die nationalsozialistische Diktatur.
1 Kommunistische Partei Deutschlands
2 Die Sonderausgabe kam unter schwierigsten Bedingungen in Berlin und im Ruhrgebiet zur Verteilung