Rote Fahne 24/18
E-Mobilität – was wird aus den Arbeitsplätzen?
Die Ankündigung des VW-Vorstands, Emden und Hannover künftig zu einem Standort zur Produktion von E-Autos zu machen, wird in bürgerlichen Medien als „Befreiungsschlag“ gefeiert. Ganz anders sehen es die Kolleginnen und Kollegen
Auf einer außerordentlichen Belegschaftsversammlung am 14. November in Hannover versuchte der neue Vorstandschef der VW-Sparte Nutzfahrzeuge, Thomas Sedran, die Belegschaft vor vollendete Tatsachen zu stellen.
„Nach den Plänen des Vorstands soll die Produktion des Nutzfahrzeug-Transporters Variante T7 ab 2024 in die Ford-Fabrik Türkei verlagert werden“, berichtet ein Kollege. „Das betrifft 66 Prozent der heutigen Produktion in Hannover. Um uns zu beruhigen, versprach Sedran die Neuproduktion von zwei Elektrofahrzeugen ab 2022. Bis 2028 sollen 38 Prozent der 16.000 Arbeitsplätze vernichtet werden.“
Hier wird deutlich, welche Dimension die Arbeitsplatzvernichtung bei der Umstellung auf die E-Mobilität bekommen kann. Dabei sind die Arbeitsplätze, die bei den Autozulieferern und Autowerkstätten vernichtet werden, noch gar nicht berücksichtigt. Sedran versuchte der Belegschaft, die Pläne des Vorstands als „Zukunftssicherung des Standortes“ zu verkaufen.
„Aber was nützt uns eine Standortsicherung, wenn Tausende Arbeitsplätze vernichtet werden“, fragt eine Kollegin aus Hannover. „Vor allem, was wird aus der Jugend, was ist mit Leiharbeitern und den befristet Beschäftigten? Davon spricht der Vorstand nicht. Seit 2005 wurden uns in Hannover mehrmals vertraglich Modelle zugesagt, die dann alle nicht eingehalten wurden. Wir haben aber auch die Erfahrungen anderer Belegschaften, wie bei Opel Bochum, verarbeitet. Eine große Mehrheit glaubt nicht mehr an solche Betriebsvereinbarungen.
Sedran redet viel von Vertrauen. Aber die Kollegen erkennen immer deutlicher seine Rolle: die Arbeitsplatzvernichtung bis zur Werksschließung durchzuziehen, so wie er das bei Opel Bochum gemacht hat. Die Zusage, bis 2028 auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten, hat aber auch eine dämpfende Wirkung. Die große Mehrzahl von uns begrüßt die Produktion von E-Fahrzeugen. Dass aber schärfere Grenzwerte für die CO2-Emission als Begründung für die Arbeitsplatzvernichtung genannt wird, ist ein plumpes Ablenkungsmanöver!“
Umso bedeutsamer ist die Diskussion in der Belegschaft über die Forderung nach der 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich, wie sie von der MLPD und der Arbeiterplattform im Internationalistischen Bündnis vorgeschlagen wird und auch in der Gewerkschaft aufgegriffen wird. Vor allem kommt es jetzt darauf an, die Kräfte zu sammeln, um die Pläne des VW-Vorstands zu Fall zu bringen. Die Erfahrungen anderer Belegschaften zeigen, dass sich die Belegschaft dazu auf einen selbständigen Streik vorbereiten muss. Dazu gehört auch, die Gewerkschaft als Kampforganisation zu stärken. Und es kommt auf die Stärkung der Betriebsgruppen der MLPD an, die über das Know-how für solche Auseinandersetzungen verfügen.
Die VW-Belegschaften haben die Verantwortung, jetzt den Kampf zur Verteidigung ihrer Arbeitsplätze und gegen die Umweltverbrechen des Vorstandes zu führen, als Teil des Kampfes gegen die Rechtsentwicklung der Regierung.