Rote Fahne 17/2018
„Wir haben keine Zeit, zu warten“
In den USA formiert sich seit dem letzten Jahr die von Jugendlichen ins Leben gerufene Klimaschutzbewegung „Zero Hour“(1)
Am 21. Juli zogen – unbeeindruckt vom Regen – Hunderte von Jugendlichen durch Washington. Der Marsch war das letzte Ereignis einer dreitägigen Folge von Veranstaltungen gegen Umweltzerstörung und eine drohende Klimakatastrophe. Parallelveranstaltungen gab es in einem Dutzend anderer amerikanischer Städte sowie in São Paulo und London.
Die Idee für den Marsch hatte die 16-jährige Klimaaktivistin Jamie Margolin im Sommer 2017. Eine Hitzewelle hatte ihre Heimatstadt Seattle im Griff. Die heiße Luft war voll von dünnem Rauch von den sommerlichen Waldbränden im Osten des Bundesstaats, als Jamie auf Instagram eine Jugenddemo zum Klimaschutz vorschlug. Wenn der „Women’s March“ zur Amtseinführung Donald Trumps Solidaritätsgefühle und Hoffnung erzeugen konnte, warum sollte das nicht auch beim Thema Erderwärmung funktionieren?2 Die Idee verbreitete sich über das Internet und stieß auf wachsendes Interesse.
Fast alle der etwa 50 Organisatoren sind unter 25 Jahren, viele sogar unter 18 Jahren. Sie wollten eine Bewegung ins Leben rufen, die nicht nur Aktivisten, sondern auch bislang desinteressierte Jugendliche für den Klimaschutz mobilisiert. „Wir wollen den Leuten zeigen, dass wir uns organisieren und nicht nur in der Ecke sitzen und Videospiele spielen“, sagt die 14-jährige Kallan. „Aber sie sollen auch wissen, dass sie sich kümmern müssen. Eure Kinder und Großenkel können das Problem nicht mehr selber lösen. Weil wir dann nicht mehr Zeit genug haben werden.“3 Sie wenden sich ausdrücklich auch gegen die „Macht der Konzerne“.
(1) „Zero Hour“ – „Stunde Null“
2 http://ww.jetzt.de/politik/klimamarsch-zero-hour-jugendliche-demonstrieren-f%C3%BCr-klimaschutz
3 ebenda