Rote Fahne 17/2018

Rote Fahne 17/2018

Die Tsipras-Regierung zur Verantwortung ziehen

Soula und Panagiotis Papanikolaou – beides Freunde der ICOR – berichten der Roten Fahne exklusiv über die verheerende Brandkatastrophe nahe der griechischen Hauptstadt Athen

Von Redaktion
Die Tsipras-Regierung zur Verantwortung ziehen
Hermann Schönhofer_pixelio.de

Rote Fahne: Wie habt ihr die Ereignisse erlebt?

 
Soula Papanikolaou: Wir wohnen in einem Vorort von Athen und hatten alle Angst, dass diese Feuerwalze auch Athen erreicht. Sie war keine 30 Kilometer weit entfernt.


Panagiotis Papanikolaou: Die Welt gerät aus den Fugen. 300 Kilometer nördlich von Athen regnete es in der gleichen Zeit tagelang, und es kam zu Überschwemmungen. In Athen hatten wir 39 Grad. Das ist ein erneutes Warnsignal des Übergangs in die globale Umweltkatastrophe. Die Brände gerieten außer Kontrolle und haben bisher über 100 Menschen das Leben gekostet, darunter viele Kinder. Die Gegend ist felsig, und viele sprangen aus bis zu 100 Metern Höhe ins Meer, um sich zu retten. Die meisten fielen dem Rauch und den Flammen zum Opfer. Nach einem trockenen Winter waren Wald- und Buschland großflächig ausgedörrt. Und dann kam der Tag, an dem die Temperatur 39 Grad Celsius und der Wind 130 Kilometer pro Stunde erreichte. Daraus entwickelte sich eine Feuerwalze mit 800 Grad Celsius. So konnte sich das Feuer blitzschnell ausbreiten.


Soula Papanikolaou: Die Tsipras-Regierung hat sich schnell auf Brandstiftung eingeschossen. Sie will sich damit aus der Schusslinie ziehen. Die Feuerwehrleute haben für 600 Euro brutto Monatsverdienst und gemeinsam mit unzähligen Helfern alles gegeben. Ein Feuerwehrmann hat sogar seine Frau und sein Kind dabei verloren.

 
Panagiotis Papanikolaou: Aber ihre Krokodilstränen nimmt ihnen keiner mehr ab. Sie sind verantwortlich dafür, uns im Auftrag der EU und des IWF wie eine Zi­trone auszupressen. An allem wird gespart und das Land wurde ausverkauft. Anders als die Rüstungsabgaben fielen Ausgaben für den Katastrophenschutz, Feuerwehr, Rettungsdienste und Krankenhäuser bei fast jeder Inspektion der Kreditgeber dem Rotstift zum Opfer.


Soula Papanikolaou: Die Funkgeräte haben während der Brandbekämpfung im Katastrophengebiet alle komplett versagt. Sie sind seit der Krise nicht mehr gewartet worden, weil das Wartungsgeld gestrichen wurde. Im Gebiet, in dem die Menschen verbrannten, gab es zum Zeitpunkt des Feuerausbruchs nur zwei Feuerwehrwagen. Es war wichtig, dass gleich am Anfang auf dem Athener Syntagma-Platz der Protest gegen die Regierung stattfand.


Panagiotis Papanikolaou: Gleich am ersten Tag war die Hauptforderung im Protest der sofortige Rücktritt der Verantwortlichen. Gestern haben wir einen großen Teil der Forderung erreicht. Tsipras hat den Feuerwehrchef und zwei weitere Verantwortliche entlassen. Unsere Forderung beinhaltete aber auch seinen Rücktritt. Und das schaffen wir auch noch. Ich weiß, dass die Rote Fahne die Menschen in Deutschland aufklärt über die Lügen, dass es bei uns wieder „vorwärts“ geht.

 
Rote Fahne: Vielen Dank für das Interview. Wir wünschen euch viel Erfolg bei eurem Kampf!