Rote Fahne 14/2018

Rote Fahne 14/2018

„Wir sind sehr begeistert von dem Empfang in Köln“

37 Kolleginnen und Kollegen aus dem Ford-Getriebewerk im französischen Bordeaux besuchten am 20. Juni die Europa-Zentrale von Ford in Köln. Sie protestierten gegen die geplante Schließung ihres Werks mit 900 Beschäftigten. Philippe Poutou ist Gewerkschaftssekretär der CGT bei Ford und berichtet der Roten Fahne

„Wir sind sehr begeistert von dem Empfang in Köln“
Empfang der französischen Kollegen am Ford-Tor. Foto: RF

Rote Fahne: Will Ford das Werk in Bordeaux schließen oder an einen Investor verkaufen?

 

Philippe Poutou: Das ist widersprüchlich. Sie wollen das Werk bis in einem Jahr schließen und haben dazu den Prozess des Sozialplans schon in Gang gesetzt. Gleichzeitig erzählen sie, es werde ein Investor gesucht, der das Werk übernimmt.

 

Was sind die wirtschaftlichen Hintergründe?

 

Die Produktion eines Getriebemodells ist ausgelaufen und sie behaupten, es gebe keinen Ersatz dafür. Tatsächlich wollen sie die Getriebeproduktion für den europäischen Markt in den USA konzentrieren.

 

Gibt es Zusammenhänge zur Ankündigung von US-Präsident Trump, Auslandsproduktion in die USA zurückzuholen?

 

Ford hat das schon vor zehn Jahren beschlossen. Wir kämpfen schon seit zehn Jahren für den Erhalt des Werks.

 

Wie konntet ihr die Schließung bisher verhindern?

 

Wir haben zahlreiche Aktionen gemacht, auch eine ganze Reihe spektakulärer Aktionen wie Straßenblockaden.

 

Ist die Schließung des Werks ein Thema in Frankreich?

 

Dieses Werk ist durch den zehnjährigen Kampf in ganz Frankreich bekannt. Ich habe meine Kandidatur zur Präsidentschaftswahl für die Neue Antikapitalistische Partei ebenfalls genützt, das landesweit zum Thema zu machen.

 

Was hat euch auf die Idee gebracht, hierherzufahren?

 

Wir wollen es Ford so schwer wie möglich machen, und dazu ist internationaler Druck notwendig.

 

Überlegt ihr auch, unbefristet zu streiken, um in Bordeaux selbst wirksamen Druck aufzubauen?

 

Von 900 Arbeitern sind gegenwärtig erst rund 50 bereit, zu streiken. Wir möchten durch diesen Besuch und eine große Demonstration am 30. Juni in Bordeaux die Kampfmoral der Kolleginnen und Kollegen verstärkt wecken. Die Politik der Unternehmer besteht darin, die Arbeiter zu entmutigen. Wenn man zeigt, wir können kämpfen, wird das eine Gegenbewegung bewirken. Die Kolleginnen und Kollegen haben teilweise Angst, zu kämpfen, weil sie dann die Abfindung verlieren könnten. Aber wenn man nur eine Prämie erhält, ist der Arbeitsplatz weg, und der ist lebensnotwendig.

 

War euer Besuch erfolgreich und wie soll es weitergehen?

 

Wir sind sehr begeistert von dem Empfang hier und wollen das unseren Kolleginnen und Kollegen in Bordeaux vermitteln. Auch Ford merkt, dass sich hier etwas tut.

 

Diese internationale Solidarität ist sehr wichtig. Muss es jedoch nicht einen länderübergreifenden gemeinsamen Kampf bzw. Streik geben, zumal auch in Köln Arbeitsplätze in der Getriebefertigung bedroht sind?

 

Wir schlagen vor, einen europaweiten Streiktag für die Arbeitsplätze zu machen.

 

Vielen Dank für das Interview!